Düsseldorf

Antifaschisten empört über den Freispruch von Ralf S.

Mit dem Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 31. Juli 2018 wurde der Angeklagte Ralf S. vom Vorwurf des zwölffachen versuchten Mordes freigesprochen.

Düsseldorf stellt sich quer

Antifaschistische Gruppen in Düsseldorf sind empört über dieses Urteil, für das das Gericht 18 Jahre benötigte. Kai Rudolph, Sprecher der antifaschistischen Gruppen in Düsseldorf: „Der Freispruch ist für uns ein Skandal. Wir sind weiterhin von der Täterschaft von Ralf S. überzeugt. Das Gericht legte Zeugenaussagen und Indizien einseitig zugunsten von Ralf S. aus. Die Indizien, die vorgetragen wurden, waren unserer Ansicht nach erdrückend. Wie viele andere Prozessbeobachter/-innen sind auch wir der Meinung, dass der Wehrhahn-Anschlag ohne S. nicht möglich gewesen ist.“

 

Am 27. Juli 2000 detonierte am S-Bahnhof Wehrhahn im Osten von Düsseldorf eine mit TNT gefüllte Rohrbombe, als eine Gruppe überwiegend jüdischer Sprachschüler in der Nähe war. Der Splitterhagel reichte etwa hundert Meter weit. Sieben Frauen und drei Männer erlitten teilweise lebensgefährliche Verletzungen. Ralf S. prahlte im Gefängnis - er war wegen nicht bezahlter Rechnungen inhaftiert - mit dem Attentat.

 

„Die rassistische und antisemitische Einstellung von Ralf S. wurde im Prozess immer wieder offengelegt. Da wir ihn weiterhin für den Täter halten, werden wir ihn und die Düsseldorfer Neonazi-Szene im Auge behalten“, so Rudolph weiter. Der Freispruch von Ralf S. und die geringen Strafen im NSU-Prozess seien eine regelrechte Ermunterung der neofaschistischen Szene, weitere Morde und Anschläge zu verüben - denn Strafen müssen sie ja offensichtlich kaum fürchten.

 

Bereits am 27. Juli 2018 nahmen etwa 100 Menschen an einer Gedenkkundgebung zum 18. Jahrestag des Anschlags am S-Bahnhof Wehrhahn teil. Aufgerufen hatten Düsseldorfer Antifaschisten und „Düsseldorf stellt sich quer“ mit Unterstützung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.