Caritas

Entsetzen über Bundestagsanfrage der AfD

Mit Entsetzen und Bestürzung hat die Landesarbeitsgemeinschaft der Caritas-Werkstatträte auf eine Bundestagsanfrage der AfD zum Thema "Schwerbehinderte in Deutschland" reagiert.

Korrespondenz aus Münster

Die Partei hatte darin Auskunft über Zahlen von behinderten Menschen und über Ursachen von Behinderungen verlangt. Dabei stellte sie einen Zusammenhang mit Inzucht her, die sie besonders bei Migranten vermutete.

Menschlich betroffen

"Wir sind Betroffene", heißt es in einem Brief der Caritas-Werkstatträte an die AfD-Fraktion im Bundestag. Betroffen in dreifachem Sinne: "Wir sind alle Menschen, die von einer Einschränkung betroffen sind und wir sind, von Ihrer Anfrage betroffen, weil wir ‚gezählt‘ werden. Und zum Dritten macht uns Ihre Anfrage menschlich betroffen. Wir wollen nicht in Übersichten und Listen erfasst und gezählt werden, und wir wollen nicht, dass andere Menschen darüber entscheiden, ob unser Leben gut und lebenswert ist oder nicht. Das können wir selbst.

Es gibt zum Glück viele Menschen in unserem Leben, die uns nicht auf unsere Handicaps reduzieren

Caritas-Werkstatträte

Die Gründe für unsere Handicaps sind vielfältig und machen sicher auch einen Teil unserer Persönlichkeiten aus. Aber eben auch nur einen Teil. Den weit größeren Teil machen unsere Fähigkeiten, Werte und Gefühle aus. Wir sind fröhlich, freundlich, offen anderen Menschen gegenüber, sportlich, kreativ, humorvoll; manchmal auch wütend oder traurig. Wir verlieben uns und heiraten oder leben in Beziehungen, führen ein eigenes Leben und haben Freunde und Familie, die uns wichtig sind und um die wir uns kümmern. Darin unterscheiden wir uns ganz sicher nicht von Ihnen. Und es gibt zum Glück viele Menschen in unserem Leben, die uns nicht auf unsere Handicaps reduzieren … Sie sehen unsere Persönlichkeiten. Mit Stärken und Schwächen, wie jeder Mensch sie hat."