Millionenstrafe

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Gerichtlicher Erfolg gegen Monsanto-Glyphosat

Die MLPD unterstützt seit Jahren die Kritik am Einsatz von Glyphosat und den Protest dagegen. Stefan Engels Buch "Katastrophenalarm! ..." bringt - gestützt auf umfangreiche Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern - auf den Punkt, warum das Herbizid komplett verboten gehört:

Von gc / gis
Gerichtlicher Erfolg gegen Monsanto-Glyphosat
Herbizid, ausgebracht mit Riesentraktor (Foto: fotolia.com | Datei: #191058733 | Urheber: Martin Schlecht)

"Glyphosat ist das weltweit am meisten verkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Es gilt als krebserregend, fruchtschädigend und kann zu Fehlgeburten und Missbildungen führen. Es schädigt im Wasser lebende Organismen und führt vermehrt zur Entwicklung resistenter Unkräuter ... Glyphosat ist heute weltweit allgegenwärtig. So lassen sich auch in Deutschland kaum noch Menschen finden, bei denen sich kein Glyphosat im Urin nachweisen ließe."

 

Mit mehr als 50 Meldungen und Artikeln auf Rote Fahne News und im Rote Fahne Magazin, mit zahlreichen Einsätzen von Aktivisten der Umweltgruppen der MLPD auf Demonstrationen und bei Ständen, mit ihrem Auftreten bei den Aktivitäten am ICOR-Kampftag zur Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft - auch gemeinsam mit französischen Freunden der ICOR in Paris - hat die MLPD einen erklecklichen Anteil daran, dass Massenkritik und -protest am Glyphosat-Einsatz beständig gewachsen sind.

 

Sie setzt sich auch mit Erfolg dafür ein, dass die weltanschaulich metaphysische Vorstellung in die Kritik gerät, die Wirkung von Glyphosat existiere allein und für sich. In der Biosphäre stehen die Organismen und Öko-Systeme in enger Wechselbeziehung zueinander und können nur so funktionieren. Und die vielfältige Umweltvergiftung von Flora, Fauna, Wasser und Luft wirkt zusammen und potenziert sich.

 

Weltweit leisten zehntausende Menschen in diesem Sinne Überzeugungsarbeit unter den Massen. Jährlich gehen Millionen Menschen in Nord- und Südamerika, in Asien, Australien, Afrika und Europa gemeinsam auf die Straße gegen die skrupellosen Umweltverbrechen der Agrarübermonopole.

Massenbewegung ist Hintergrund für Gerichtsurteil

Letzte Woche verurteilte erstmals, seit Glyphosat produziert und eingesetzt wird, ein Gericht den Saatguthersteller Monsanto. Die Geschworenenjury des zuständigen Gerichts in San Francisco / Kalifornien sprach dem an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Kläger Dewayne Johnson mit 289 Millionen Dollar ein hohes Schmerzensgeld zu. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Monsanto - der Konzern wurde vor kurzem für 63 Milliarden Dollar ins Imperium des Agrar- und Chemie-Monopols Bayer integriert - die Krebsrisiken ihres Unkrautvernichters Roundup, in dem Glyphosat enthalten ist, verschleiert hat. Damit habe sich Monsanto der Heimtücke schuldig gemacht.

 

Der erst 46-jährige Dewayne Johnson, der als Hausmeister gearbeitet hat, hat jahrelang Grünflächen mit dem Mittel besprüht. Leider wird er den Kampf gegen die tückische Krankheit voraussichtlich nicht mehr gewinnen können, selbst wenn er das Geld bald bekommt und für die beste Behandlung ausgeben könnte. Mit seiner mutigen Klage und dem gewonnenen Kampf vor Gericht hat er einen bedeutsamen Sieg errungen.

Bayer spricht der Laien-Jury Urteilskompetenz ab

Die erstrittene Summe entspricht dem, was Bayer im vergangenen Jahr konzernweit für Rechtsstreitigkeiten ausgab. Weil in den USA 5.000 weitere Kläger Krebserkrankungen auf Glyphosat zurückführen und ein anderer Bundesrichter in Kalifornien 400 weitere Klagen gegen Monsanto zugelassen hat, wird Bayer nervös: „Das Urteil steht im Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach kein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und dem Non-Hodgkin-Lymphom besteht.“ Kein Wunder, entfallen doch 75 Prozent seines Gesamtumsatzes mit Agrochemikalien von 4,5 Milliarden Dollar auf Glyphosat.

 

Wie eine Laien-Jury sich anmaßen könne, in einer so komplexen Materie zu urteilen, tönt es aus der Leverkusener Konzernzentrale. Diese Jury hat sehr kompetent geurteilt: Indem sie sich gründlich mit den wissenschaftlichen Beweisen auseinandergesetzt hat, dass Glyphosat vielfache schädliche Wirkungen hat. Indem sie sich nicht hat einschüchtern lassen. Indem sie mit Herz und Verstand urteilt und nicht die Wissenschaft im Dienste des Maximalprofits von Bayer verdreht.

Glyphosat ist überall

700.000 Tonnen Glyphosat werden pro Jahr weltweit versprüht, allein in Deutschland 6.000 Tonnen. Rund 40 Prozent aller Ackerflächen werden hierzulande behandelt, Hobbygärten und öffentliche Wege. Rückstände findet man in fast der gesamten Umwelt: in Wasser, Boden, in den meisten Lebensmitteln, im Trinkwasser. Glyphosat steht unter anderem im Verdacht, insbesondere das Non-Hodgkin-Lymphome auszulösen, das mehrere bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems bezeichnet. 2015 stufte die Internationale Krebsforschungsagentur (IACR) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Unkrautvernichter als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen ein.

 

Das Herbizid unterscheidet nicht zwischen Kraut und Unkraut, es schädigt Flora und Fauna nachhaltig. Deshalb liefern die Agrar-Übermonopole das genmanipulierte Saatgut dazu, das resistent gegen Glyphosat ist, und machen damit noch einmal Riesenprofite und kleine Bauern abhängig.

Eiertanz um die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat

Seit Jahren konnten Monsanto und Bayer keine einzige Verlängerung der Zulassung von Glyphosat offen oder gar reibungslos durchsetzen. Für jeden derartigen Schritt brauchten sie Täuschungsmanöver, gefälschte Studien, bestochene oder freiwillig willfährige Politiker. Im Juni 2016 erreichte die geplante weitere Zulassung von Glyphosat bei der Abstimmung von Vertretern der EU-Staaten nicht die erforderliche Mehrheit. Wenige Tage später sorgte die EU-Kommission im Alleingang für die Verlängerung. Jedoch nur um 18 Monate statt der von den Agrarkonzernen geforderten fünfzehn Jahre.

 

Im Jahr 2017 erteilten die EU-Behörden Efsa und Echa dem Herbizid einen Freibrief. Jetzt stimmten 18 der 28 EU-Länder für die Verlängerung der Zulassung. Das Zünglein an der Waage war Deutschland, das sich 2016 unter dem Druck der Proteste noch enthalten hatte. Angeblich war das Abstimmungsverhalten des damaligen Landwirtschaftsministers der geschäftsführenden Bundesregierung, Christian Schmidt (CSU), ein Alleingang. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass er dies gegen den Willen der Bundeskanzlerin tat. Diese hatte sich schon 2016 für die Wiederzulassung ausgesprochen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) war dagegen. Es ist aber nichts davon bekannt, dass die SPD darauf bestanden hätte, die Abstimmung für ungültig zu erklären.

 

Fast gleichzeitig erschien die von der Europäischen Bürgerinitiative "Stoppt Glyphosat" initiierte Studie "Bad Science". In ihr wird unter anderem nachgewiesen, dass zwölf von 16 Mitgliedern eines Experten-Panels Berater von Monsanto waren, bevor sie "wissenschaftliche" Artikel zur Unbedenklichkeit von Glyphosat in mehreren Fachblättern und Journalen veröffentlichten.

Begeisterung über Gerichtsurteil

Weltweit reagieren die Menschen, die nicht ihre Gesundheit und ihr Leben von Umweltverbrechern zerstören lassen wollen, begeistert auf das Gerichtsurteil.

 

Nehmen wir es als eine Ermutigung für den gesellschaftsverändernden Kampf, der notwendig ist, um die menschlichen Lebensgrundlagen vor der Profitwirtschaft zu retten. In den vereinigten sozialistischen Staaten der Welt kann die Einheit von Mensch und Natur wiederhergestellt, in vollem Umfang verwirklicht und kontinuierlich weiterentwickelt werden.