Filmbesprechung

Gundermann: Einer wie keiner

Gerade haben wir den Film „Gundermann“ gesehen über den Baggerführer und Liedermacher aus dem Lausitzer Braunkohlerevier. Wir: Zwei aus DDR-Flüchtlingsfamilien und zwei in der DDR Aufgewachsene. Der Film hat Vieles in uns aufgewühlt. Er kommt der Wahrheit sehr nahe, blendet aber zu viel aus.

Korrespondenz aus Berlin

Die Geschichte: Gundi, der sich als Kommunist fühlt, komponiert Lieder während der Arbeit. Seine Melodien und Texte sind aus dem Leben heraus gebrochen wie die Kohle aus der Erdkruste. Er kritisiert mit Marx-Zitaten den SED-Bezirksleitungschef Walde. Der fährt mit einem Volvo vor, drückt einen Plan durch, der zum Tod eines Kollegen führt und behauptet entgegen jeder dialektischen Auffassung, der Sozialismus sei unumkehrbar.

Irrweg Stasi

Nicht erkennend, dass die DDR-Partei- und Staatsführung sich gewandelt hatte in eine neue, rot lackierte herrschende Klasse, sieht Gundermann den Ausweg etwas zu verändern, indem er in die SED eintritt und sich als IM der Stasi verpflichtet. Die Tragödie der Zerrissenheit in Politik, Privat-, Liebes- und Musikerleben – nimmt seinen Lauf. Beim Rausschmiss aus der SED weigert er sich, sein Parteibuch und seine kommunistische Anschauung abzugeben.


Nach der Wiedervereinigung kommt seine Stasi-Verpflichtung ans Licht. Er singt dagegen an, darüber sprechen kann er kaum.


Gundermanns Kritik am Kapitalismus Marke BRD und seine Arbeitslosigkeit kommen nicht vor. Vermutlich aus Rücksicht auf die Förderer des Films von Commerzbank bis Bundesregierung. Der Film ermöglicht verschiedenste Schlussfolgerungen, je nach Einstellung zum Sozialismus.

Antikommunistische Intention wird Gundermann nicht gerecht

Ohne die Klarheit über den Unterschied zwischen echtem Sozialismus und der neuen Form des bürokratischen Kapitalismus, wie sie sich seit 1956 entwickelte, entfaltet der Film eine antikommunistische Wirkung. „Stasi=Sozialismus“- ist das beliebte Kommunismus-Totschlag-Argument. Das wird auch Gundermann nicht gerecht. Man muss nicht mit allen seiner Texte übereinstimmen. Auf jeden Fall ist zu empfehlen, sich in Gundis Poesie einzuhören und den Film auszuwerten für den Kampf um echten Sozialismus.

 

Gundermann
Regie: Andreas Dresen Drehbuch: Laila Stieler
Darsteller: Peter Schneider, Bjarne Mädel, Alexander Scheer, Milan Peschel, Axel Prahl, Alexander Schubert, Anna Unterberger, Thorsten Merten, Leni Wesselman, Peter Sodann