Arbeitsplätze-Kahlschlag

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Karstadt/Kaufhof-Fusion: „Sanierung“ auf dem Rücken der Beschäftigten

Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport wollen ihre Konzerne zur "Europäischen Warenhaus AG" fusionieren. Karstadt-Chef René Benkos Holding (Dachgesellschaft) Signa soll mit knapp 51 Prozent etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen.

Von ba
Karstadt/Kaufhof-Fusion: „Sanierung“ auf dem Rücken der Beschäftigten
Streikaktion bei Kaufhof in München am 4. Juli 2017 (Foto: ver.di Bayern)

Der Fusionsvertrag soll Mitte des Monats unterzeichnet werden. Kaufhof betreibt in Deutschland zurzeit 96 Filialen, Karstadt 82 Warenhäuser. Durch die Fusion entsteht mit mehr als 30.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von etwa fünf Milliarden Euro der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas nach dem spanischen Handelsmonopol El Corte Inglés.

Karstadt in Magdeburg (Foto: Torsten Maue)
Karstadt in Magdeburg (Foto: Torsten Maue)

In Kürze:

  • Durch die geplante Fusion von Karstadt und Kaufhof entsteht der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas
  • Mindestens 5.000 der 20.000 Arbeitsplätze bei Kaufhof sollen dafür vernichtet werden
  • Konzern- und branchenübergreifender Kampf ist herausgefordert

Benko wollte schon 2015 die ehemalige Metro-Tochter Kaufhof übernehmen. Kaufhof wurde damals aber von der Metro an den kanadischen Konzern Hudson’s Bay verkauft. Durch den Zusammenschluss der beiden Rivalen sollen nun „Kosten gespart“ werden.


Dem Zeitungsbericht zufolge soll die „Kostenersparnis“ so aussehen, dass 5.000 der knapp 20.000 Arbeitsplätze bei Kaufhof vernichtet werden und für die restlichen Mitarbeiter ein neuer „Sanierungstarifvertrag“ geschlossen wird – wie immer mit deutlich schlechteren Löhnen und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

Kaufhof: Bereits im letzten Jahr 1.300 Stellen gestrichen

Bisher wurden ver.di und die Betriebsräte über die Pläne und die Zukunft der Beschäftigten im Unklaren gelassen. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Galeria Kaufhof, Uwe Hoepfl erklärte: "Es ist skandalös, als Vertretung der Beschäftigten über Medien erfahren zu müssen, dass angeblich 5.000 Stellen gestrichen werden sollen." Kaufhof habe bereits im letzten Jahr fast 1.300 Stellen gestrichen.


Ver.di-Pressesprecher Günter Isemeyer erklärte auf Nachfrage von Rote Fahne News, dass die genannten Zahlen bisher unbestätigt seien und ver.di sich nicht an Spekulationen darüber beteiligen möchte. Allerdings sind die Beschäftigten gut beraten, von Anfang an den entschlossenen Kampf um jeden Arbeitsplatz aufzunehmen. Der ist keineswegs davon abhängig, ob bereits konkrete Zahlen genannt werden oder nicht.

"Sanierung" ohne Ende

Sämtliche „Sanierungs- oder Zukunftstarifverträge“ mit den Kapitalisten, die immer wieder mit Zugeständnissen erkauft wurden, sind das Papier nicht Wert, auf dem sie geschrieben sind. Das zeigt auch die ganze Vorgeschichte dieser Fusion. 2010 wurde Karstadt zunächst vom Mutterkonzern Arcandor an den „Heuschrecken“-Investor Nicolas Berggruen verkauft. 8.000 der damals 25.000 Beschäftigten wurden sofort "abgebaut".

 

Den Beschäftigten wurde ein "Sanierungstarifvertrag" aufgedrückt: Sie mussten für zwei Jahre auf einen Teil ihres Gehalts sowie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld verzichten. Im Mai 2013 stieg Berggruen außerdem aus der Tarifbindung aus und erklärte, die Löhne würden bis 2016 eingefroren. Jahr für Jahr saugte er Millionen von Euro aus der schrumpfenden Belegschaft. Im September 2014 vermachte er dann Karstadt für einen einzigen Euro an René Benko.


Schon im Oktober 2014 kündigte Benko die Schließung von sechs Standorten mit 2.750 Beschäftigten und die weitere Kürzung der Löhne um bis zu 340 Euro monatlich an. Das führte zu breiter Empörung und der Karstadt-Vorstand musste mit ver.di verhandeln. Am 21. Februar 2015 meldeten die Medien einen Durchbruch bei den Verhandlungen über das "Sanierungsprogramm". 

Von wegen: Arbeitsplätze sind "sicher"

Aber schon 2016 ließ Benko fünf weitere Häuser mit 540 Beschäftigten schließen. Im Dezember 2016 vereinbarten Karstadt und ver.di dann einen sogenannten „Zukunftstarifvertrag“, der regelt, dass die Beschäftigten bis April 2021 weiterhin auf Teile des Weihnachts- und Urlaubsgeldes sowie Tariferhöhungen verzichten müssen. Dafür seien die "Arbeitsplätze" angeblich solange "sicher". Was davon zu halten ist, zeigt die geplante Fusion.


Ihr Hintergrund ist, dass viele Warenhäuser in Konkurrenz um Maximalprofite mit zunehmend international agierenden Einkaufscentern und Online-Händlern stehen. 2012 wurden schon Schlecker und Neckermann "abgewickelt". Die "Europäische Warenhaus AG" will nun dem Online-Handel und den international agierenden nordamerikanischen Warenhäusern Paroli bieten - mit dem Ergebnis einer weiteren Abwärtspirale bei Arbeitsplatzvernichtung sowie Lohn- und Arbeitsbedingungen.

Konzern- und branchenweiter Zusammenschluss

Um der wachsenden Konkurrenz zu begegnen, in die die Beschäftigten der verschiedenen Sparten des Einzelhandels getrieben werden, gibt es nur einen Weg: sich konzern- und branchenweit zusammenzuschließen. Das gilt jetzt insbesondere für die Belegschaften bei Karstadt und Kaufhof. Darüber hinaus aber auch für die Beschäftigten von Ladenketten, Shopping-Malls und Online-Händlern wie Amazon.

 

Auch dort gehen die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten mit immer neuen Streiks gegen die Lohndumping- und Anti-Gewerkschaftsstrategie des Konzerns in die Offensive. Die MLPD wird jetzt vor allem den Kaufhof- und Karstadt-Beschäftigten bei der Beratung und Aufnahme der notwendigen Kampfmaßnahmen mit Rat und Tat zur Seite stehen.