Zehn Jahre Lehman Brothers-Pleite

Vorzeichen einer neuen Weltwirtschafts- und Finanzkrise nehmen zu

Am 15. September 2008 brach mit Lehman Brothers nach Bear Stearns die zweitgrößte der fünf weltweit größten Investmentbanken zusammen. Zehn Jahre später spitzt sich die Weltwirtschaftsentwicklung wieder zu.

Von kf / jw
Vorzeichen einer neuen Weltwirtschafts- und Finanzkrise nehmen zu
Riesiges Absturzpotenzial - Wall Street New York (Foto: rahul rekapalli unter CC BY-NC-ND 2.0)

Eine internationale Bankenkrise schnürte 2008 die Finanzmärkte ein und das internationale Finanzwesen drohte zu kollabieren. Panische Verkäufe von Devisen und Aktien, um an flüssiges Geld zu kommen, brachten die Devisenmärkte ins Trudeln und lösten eine internationale Börsenkrise aus.

Treffende Prognose der MLPD

Diese in der Geschichte des Kapitalismus an Umfang und Tiefe einmalige Weltfinanzkrise wurde im Oktober 2008 zum unmittelbaren Auslöser einer Weltwirtschaftskrise, deren Dimension ebenfalls ihresgleichen suchte. Die MLPD hatte diese Krise auf ihrem Parteitag 2008 treffend prognostiziert und die Rote Fahne (damals noch eine Wochenzeitung) titelte am 26. September: "Internationale Bankenkrise: Kapitalismus - dieses Raubtier ist nicht zu zähmen". Eine hervorragende Analyse der Krise 2008 liefert Stefan Engels Broschüre "Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen". Sie behandelt einige notwendige Ergänzungen zur marxistisch-leninistischen Krisentheorie aufgrund dieser Krise.

 

Die Weltwirtschafts- und Finanzkrise erfasste 2008 relativ gleichzeitig und mit enormer Wucht die wichtigsten Industrieländer. Mit einem bisher nie dagewesenen internationalen Krisenmanagement vor allem seitens der 20 größten imperialistischen Länder (G20) konnte der Zusammenbruch der größten Banken und Industriemonopole gerade noch verhindert werden. Vor allem gelang es den Imperialisten, eine Revolutionierung weltweiter Massenkämpfe zu verhindern.


Die gegenwärtige weltwirtschaftliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer schwankenden Stagnation mit starken Ausschlägen nach unten und oben. Die Industrieproduktion in den Ländern der Eurozone erreichte im April 2018 – also zehn Jahre nach Ausbruch der letzten Weltwirtschafts- und Finanzkrise – erst 95,3 Prozent des Vorkrisenstands. Die USA kamen im April 2018 nur auf 101,9 Prozent, und auch Deutschland liegt gerade mal bei 103,8 Prozent. Gleichzeitig hat sich das Volumen der Börsen weltweit seit der Krise von 2008 verdoppelt.

Neue Krise bahnt sich an

Damit hat sich erneut eine riesige Spekulationsblase herausgebildet, die mit der realen Entwicklung der Wirtschaft nicht übereinstimmt. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnte bereits im Juli nicht nur vor einem neuen "Vertrauensschock", sondern auch vor einem "großen Absturzpotenzial, das sich aufgebaut hat".¹

 

Hinzu kommt, dass die Trump-Regierung seit Amtsantritt mehr und mehr der von den 2008 eingeführten Vorschriften wieder abbaut, die die Banken an der hemmungslosen Spekulation hindern sollten. Nicht, dass man mit solchen Regeln und Gesetzen die in der Weltwirtschaft inzwischen dominierend gewordene Rolle der Spekulation außer Kraft setzen könnte. Aber die US-Banken wollen sich in ihrem Konkurrenzkampf von jedem Hemmnis befreien.

 

Der internationale Konkurrenzkampf um die enger werdenden Märkte und knapperen Ressourcen  haben den weltweiten Handelskrieg zwischen den Imperialisten (alten wie neuen) und gegenüber den abhängigen Ländern enorm beschleunigt. Alle Imperialisten bereiten sich auch auf einen Krieg und militärische Auseinandersetzungen vor.

 

Gerade die neuimperialistischen Länder - vor allem die MIST- und BRICS-Staaten - haben in den letzten Jahren zunehmend ihre Rolle als Empfänger von überakkumuliertem Kapital eingebüßt. Viele von ihnen stecken selbst in Währungs- und Verschuldungskrisen, so die Türkei oder Argentinien. Damit verschärft sich das Problem der chronischen Überakkumulation von Kapital und die damit einhergehende internationale Strukturkrise. Gleichzeitig baut sich bereits eine neue Strukturkrise auf der Grundlage der Umstellung auf E-Mobilität auf.


Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, macht deutlich: „Die Ausbreitung und Verschärfung eines offenen, weltweiten Handelskrieges kann in dieser Situation zum Auslöser einer neuen Weltwirtschafts- und Finanzkrise werden. Deshalb, weil ein entfalteter Handelskrieg ganze Konzerne ins Wanken und die ohnehin überdehnten Spekulationsblasen an den Aktienmärkten zum Platzen bringen kann.

 

Das große Problem für die Herrschenden wird sein, dass ihr einmaliges, gemeinsames und international koordiniertes Krisenmanagement wie ab 2008 so kaum mehr durchführbar sein wird. Allein schon, weil die dafür notwendigen enormen staatlichen Ressourcen fehlen. Schon heute haben die globalen Staatsschulden ein Rekordniveau erreicht. Sie entsprechen 225 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Billionen zur Rettung von Banken und für staatliche Investitionsprogramme - wie zur Abfederung offener Massenentlassungen und Kurzarbeit - stehen nicht mehr so einfach zur Verfügung.


Das Schlimmste für die Imperialisten ist dabei nicht mal der wirtschaftliche Absturz, sondern die Angst, die Gesetzmäßigkeit der Einheit von ökonomischen und politischen Krisen könnte diesmal direkter durchschlagen. Die Widersprüche haben sich so aufgestaut, dass das gewachsene Potenzial einer revolutionären Weltkrise dann zum Tragen kommen kann: in einem weltweiten Aufschwung der Arbeiter- und Volkskämpfe – gegen die offene Abwälzung der Krisenlasten auf ihrem Rücken.“²

Den Kapitalismus gibt es nicht ohne gewaltige Wirtschaftskrisen

Karl Marx und Friedrich Engels haben vor 170 Jahren als erste die unlösbaren Widersprüche wissenschaftlich aufgedeckt, die der kapitalistischen Produktionsweise von Anfang bis Ende innewohnen. Sie haben daraus die Notwendigkeit seiner revolutionären Ablösung durch die sozialistische Produktionsweise abgeleitet. Der Grundwiderspruch der kapitalistischen Produktion basiert auf der gesellschaftlichen Produktion, die jedoch privat angeeignet wird.

 

Dieser Widerspruch zwischen den gesellschaftlichen Produktivkräften und den kapitalistischen Produktionsverhältnissen macht sich gesetzmäßig in periodisch auftretenden Krisen Luft, deren vorübergehende Überwindung durch die Bourgeoisie nur darin bestehen kann, neue, tiefere und umfangreichere Krisen vorzubereiten. Diese von Marx und Engels entdeckten Gesetzmäßigkeiten müssen und werden sich Bahn brechen.


Gut in Erinnerung die hilflosen Weisheiten von Kanzlerin Angela Merkel zur damaligen Krise: „Die Selbstheilungskräfte des Marktes können erst wieder voll wirken, wenn die Marktkräfte auch wirklich funktionieren.“ Kann sich der Markt nun selbst heilen oder funktionieren die Selbstheilungskräfte nur, wenn er gar keiner Heilung bedarf? Es sind diese „Selbstheilungskräfte des Marktes“, die gerade neue, tiefere und umfangreichere Krisen vorbereiten!