Buchbesprechung

Ein mörderisches Biotop

In dem neu erschienenen Buch „Ende der Aufklärung - Die offene Wunde NSU“ beschreiben die Herausgeber Andreas Förster, Thomas Moser und Thumilan Selvakumaran und zehn weitere Autoren ihre gründlichen Recherchen im Zusammenhang mit den NSU-Morden.

Korrespondenz aus Schwäbisch Hall

Das Buch weist detailliert nach, was in der Broschüre der MLPD „Weg mit den neuen Polizeigesetzen“ steht: „Die Münchner NSU-Urteile segnen die Vertuschung staatlicher V-Leute am neofaschistischen Terror ab.“

 

Es wurden Akten vernichtet oder sind nicht auffindbar, Spuren und Zeugenaussagen wurden nicht verfolgt, Phantombilder nicht ernst genommen und ausschließlich der These von Einzeltätern gefolgt. Es gibt einen 250-seitigen Bericht über den NSU-Mord in Kassel 2006 und mögliches Täterwissen des Verfassungsschutzes Hessen. Der Bericht wurde für 120 Jahre als streng geheim eingestuft.

 

Förster liefert Hinweise darauf, dass der  NSU systematisch vom Staat gefördert wurde: Die faschistische Gruppe Blood&Honour, die enge Verbindungen zum NSU hatte, war bis in die Spitze vom Verfassungsschutz „unterwandert“. Ebenfalls in dem Buch enthalten sind Auszüge aus Stellungnahmen von Opferanwälten, die darauf hinweisen, dass die These von den Einzeltätern nicht stimmen kann.

 

Thumilan Selvakumaran schreibt über „Polizisten im geheimen Rassisten-Club“, dem Ku Klux Klan, dessen europäischer Vorsitzender Achim Schmid in Schwäbisch Hall gewohnt hat. Der V-Mann „Corelli“, auch Mitglied im KKK, vernetzt im ganzen Bundesgebiet mit rechten Gruppierungen, taucht auf einer Adressenliste von Uwe Mundlos auf.

 

Wer sich genauer mit dem ganzen Thema beschäftigen will, dem sei dieses faktenreiche und gut recherchierte Buch empfohlen (Verlag Klöpfer&Meyer). Dass der kapitalistische Staat  faschistische Gruppen fördert, um heute die Bevölkerung zu spalten und sich ihrer in einer revolutionären Situation zu bedienen, das sehen die Autoren nicht.