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Optimistische und kämpferische Veranstaltung mit Gabi Fechtner

Mit knapp 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut besucht fand am 15. Oktober eine Veranstaltung in der Reihe „100 Jahre Novemberrevolution – 50 Jahre Parteiaufbau“ mit Gabi Fechtner, der Parteivorsitzenden der MLPD, in Braunschweig statt.

Korrespondenz
Optimistische und kämpferische Veranstaltung mit Gabi Fechtner
Gabi Fechtner in Braunschweig (rf-foto)

Die Teilnehmerzusammensetzung war vielseitig: Arbeiterinnen und Arbeiter, unter anderem aus verschiedenen VW-Werken, der Alten- und Krankenpflege, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sowie Courage-Frauen. Genossinnen und Genossen aus der ersten Stunden des Parteiaufbaus ebenso wie junge Repräsentantinnen und Repräsentanten des Generationenwechsels in der MLPD waren ebenfalls vor Ort.

Revolutionäre Tradition Braunschweigs

Erfolglos hatte der IG Metall-Hauptvorstand in Frankfurt am Main im Vorfeld versucht, die Veranstaltung zu verhindern. Er hatte dem Pächter des Gewerkschaftshauses in Braunschweig untersagt, Räume an die MLPD zu vermieten. Der Wirt eines Kleingartenvereins hatte darum seine Gaststätte an seinem Ruhetag extra und kostenlos für unsere Veranstaltung geöffnet.

 

Mit dem revolutionären „Soldatenlied“ aus dem I. Weltkrieg wurde die Veranstaltung kämpferisch eröffnet. Die Moderatoren Maria Grein und Paul Deutsch eröffneten die Veranstaltung mit Verweis auf die revolutionäre Tradition in Braunschweig. Die hiesige Räterepublik wurde als letzte erst am 17. April 1919 blutig durch die Märker-Truppen auf Befehl von Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) niedergeschlagen.

Neue Chancen für Revolutionäre

Mit dem Bezug zur aktuellen politischen Lage eröffnete Gabi Fechtner ihren Vortrag. Die Freude über die Wahlschlappe von Seehofer und Söder und der Stolz auf die Demonstration Hunderttausender in Berlin zwei Tage zuvor prägte die Stimmung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Gabi Fechtner verwies auf die Bedeutung und die Kämpfe gegen die verschärfte Ausbeutung des internationalen Industrieproletariats in der VW-Region als Ausdruck des fortschreitenden fortschrittlichen Stimmungsumschwung.

 

Ein Kollege aus Wolfsburg sagte: „Wir produzieren in den letzten Wochen wie die Gestörten.“ Bis Ende September wurde in Wolfsburg über mehrere Wochen nur an drei Tagen die Woche produziert – aber der Stückzahldruck und damit die Arbeitsbelastung wurden massiv erhöht. Gabi Fechtner machte klar, dass mit der Verschärfung der Klassengegensätze immer ein polarisierter Kampf um die Denkweise in der Gesellschaft um die Richtung ausgetragen werden muss, darum, wohin die Arbeiterbewegung und die Massen gehen.

Ohne diese Klärung gibt es keine Revolution!

Die Frage, wie es zur Revolution kommen kann, bewegte die Besucher. Der Vortrag arbeitete die Bedingungen heraus, wie Not und Elend in vier Jahren des I. Weltkriegs im Jahr 1918 schließlich die objektive Grundlage für die revolutionäre Erhebung der Arbeiter und Soldaten in Deutschland waren. Die revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte unter Führung der jungen KPD verjagten den Kaiser, beendeten den I. Weltkrieg, erkämpften den 8-Stunden-Tag, das Frauenwahlrecht, freie Gewerkschaften und gesetzlich verankerte Betriebsräte.

 

Es wurde klar, welche Bedeutung die subjektive Seite des Klassenkampfs hat: Die Not der Massen und ihr revolutionärer Kampfwille allein reichen zum Sturz der Kapitalisten und die Errichtung des Sozialismus nicht aus. Es braucht eine zielklare, von den Massen anerkannte und gefestigte revolutionäre Partei, die diese Kämpfe führt. Damit sie nicht in die parlamentarische Sackgasse gelenkt werden. Die KPD gründete sich zu spät, erst mitten in der Novemberrevolution am 30. Dezember 1918 entstand sie aus dem Spartakusbund. Damit sie ihren Einfluss auf die Arbeiterklasse nicht ausweitet, ließ die damalige SPD-Führung Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919 durch reaktionäre Freikorps ermorden.

Die MLPD, eine revolutionäre Partei neuen Typs

Paul Deutsch berichtete vom Aufbau des KABD (Eine der Vorläuferorganisationen der MLPD, Anm. d. Red.) in den 1970-er Jahren und von den Erfahrungen, die sie mit den zerstörerischen Auswirkungen des Liquidatorentums um Günter Jacob im Parteiaufbau machten. Jacob, der sich nicht mehr an der Arbeiterklasse orientierte, sondern auf reformistische Arbeiterführer aus der Gewerkschafts- und Betriebsratsbürokratie setzte und mit hinterhältigsten Methoden versuchte, so den KABD vom marxistisch-leninisischen Parteiaufbau abzubringen. Aber der KABD hielt daran fest, sich eng mit der Masse der Arbeiter zu verbinden.

 

Paul Deutsch berichtete, wie er selbst in Hannover als aktiver Gewerkschafter und Revolutionär 1977 nach einer wichtigen Kampfaktion politisch gekündigt wurde: „In meiner 'Urkunde' stand 'Entlassung wegen Rädelsführerschaft zur Zusammenrottung vor dem Betriebsratsbüro'." Das ging von der Betriebsratsspitze aus. Eine wichtige Erfahrung, wohin die Politik der  Klassenzusammenarbeit führt.

 

Die MLPD hat ihre Lehren aus der Novemberrevolution gezogen, genauso wie aus der Entartung vieler ehemals revolutionärer Parteien. Deshalb ist die MLPD eine Partei neuen Typs. Das bedeutet unter anderem, dass sich jedes Mitglied entsprechend seinen Möglichkeiten an der Kleinarbeit der Partei beteiligt, jede Leitung gegenüber den Mitgliedern zur Rechenschaftslegung verpflichtet ist und die Parteiarbeit allein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden der Mitglieder und der Massen finanziert wird.

 

Einen Teilnehmer, der in der DDR aufgewachsen ist, überzeugte besonders das Parteimaximum in der MLPD. Gabi erzählte, dass alle hauptamtlichen Funktionäre in der MLPD für ihren Lebensunterhalt höchstens einen durchschnittlichen Arbeiterlohn erhalten, in ihrem Fall 1130 Euro monatlich.

300 Euro Spenden für den Parteiaufbau

Die Besucher hatten  viele Fragen, zum Widerspruch von Stadt und Land, welche Voraussetzungen heute für eine Revolution nötig sind, wie die Befreiung der Frau Teil der Revolution werden muss oder wie Streiks geführt werden. Wichtigste Lehre aus der Novemberrevolution ist, rechtzeitig die revolutionäre Partei, das Internationalistische Bündnis und die ICOR (Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen) zu stärken. Für den Parteiaufbau kamen an diesem Abend 300 Euro Spenden zusammen.

 

Mit dem Lied „Die Zeit ist reif“ und dem gemeinsamen Singen der Internationale zum Abschluss wurde der interessante Abend umrahmt und beendet.