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Stefan Engel – eine grundsätzlich andere Art "68er"

In den bürgerlichen Magazinen und Zeitschriften ist aktuell oft von den "Alt-68ern" die Rede, meist aus der damaligen Studentenbewegung.

Von Von ar / kf / jw
Stefan Engel – eine grundsätzlich andere Art "68er"
Der Moment der Übergabe: Gabi Fechtner erhält von Stefan Engel den symbolischen Schlüssel für das gut bestellte Haus MLPD (rf-foto)

Viele haben Karriere gemacht, bei bürgerlichen Zeitungen, als Historiker des modernen Antikommunismus oder als Parlamentarier bei SPD, Grünen oder Linkspartei. Aber manche gingen auch einen ganz anderen, einen revolutionären Weg. Von ihnen liest man in den bürgerlichen Medien nichts.

 

Einer, der damals in der Schüler- und Lehrlingsbewegung politisch aktiv wurde - im Oktober 1968 - war Stefan Engel. Als Kind aus einer Arbeiterfamilie mit kommunistischem Hintergrund war er in einer Siedlung mit Siemens-Arbeitern aufgewachsen. 50 Jahre sind seitdem vergangen - 37 Jahre und drei Monate davon war Stefan Engel der Vorsitzende der MLPD. Diese 50 Jahre feierten gestern knapp 100 Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der Parteizentrale in Gelsenkirchen mit einem kleinen Umtrunk. Herzlichen Glückwunsch!


Mit 14 Jahren wurde Stefan Engel in der spontanen Schüler- und Lehrlingsbewegung in Neustadt bei Coburg aktiv. Zeitzeugen von damals erinnern sich: „1968 gründet sich das 'Kollektiv Solidarität'. Es wird sofort aktiv, kämpft um den Aufbau eines Betriebsrats bei der Firma Schneider Neustadt, gibt ein Flugblatt zum Strauß-Besuch in Neustadt heraus. Das Flugblatt wird im Pfarrhaus – bei Pfarrer Walter – gedruckt.“ Die Gruppe war diffus, hatte noch keine klare ideologisch-politische Orientierung. Einem Teil ging es nur um antiautoritären Protest, andere kritisierten die Kirche; ein kleiner Teil suchte nach revolutionären Antworten.


Die jungen Revolutionäre gingen daran, sich das theoretische Fundament für ihre Arbeit zu legen. „Begeistert von den Nachrichten über die Kulturrevolution in China schrieben wir ein Brief an das ZK der KP China. Ein halbes Jahr später kamen zwei Pakete voll mit Schriften von Mao Zedong und der Briefträger rief das durch den ganzen Ort – das war damals schon eine kleine Sensation. Als 14- und 15-Jährige studierten wir ‚Über die Praxis‘ und ‚Über den Widerspruch‘ und natürlich das Rote Buch von Mao Zedong.


Es waren politisierte Zeiten – der Widerstand des vietnamesischen Volkes gegen den US-Imperialismus genoss weltweite Solidarität. Aber es war auch ein großes Durcheinander damals, weil es keine revolutionäre Partei gab.“

Standards geprägt

Vieles, was jungen Genossinnen und Genossen heute an der MLPD selbstverständlich ist, hat Stefan Engel persönlich miterlernt, mitentwickelt, durchgekämpft und verallgemeinert: Literaturvertrieb, Sommercamps, Veranstaltungswesen, Betriebszeitungen, Studienwochen, marxistischen Arbeitsstil und systematisches Arbeiten der Leitungen usw.


1971 organisierte sich Stefan Engel in der Revolutionären Jugend/Marxisten-Leninisten. Nach der Fachhochschulreife beendete er seine dabei begonnene Lehre als Betriebsschlosser in einem Großbetrieb. Im Oktober 1975 wurde Stefan Engel in den KABD (Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands) - die Vorläuferorganisation der MLPD - aufgenommen und gründete zusammen mit Erich Seifert, Andreas Eifler und seinem Bruder die Ortsgruppe Neustadt.


Stefan Engel, der mehrfach aus politischen Gründen gekündigt und auf die „schwarze Liste“ der Industrie- und Handelskammer Coburg gesetzt wurde, zog später nach Nürnberg. Dort arbeitete er bei MAN als Automateneinrichter und Lehrlingsausbilder in der Produktion. Er war Aktivist gegen das damals grassierende Liquidatorentum in der jungen ML-Bewegung, von dem auch der KABD nicht verschont blieb.

Mutig großen Verantwortungen gestellt

1977, nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Revolutionären Jugendverbands Deutschland (RJVD), zog er nach Gelsenkirchen um. Zwei Jahre später – Stefan Engel war gerade mal 25 Jahre alt – folgte die Wahl zum Vorsitzenden des KABD. Er stellte sich mutig und ohne Zögern dieser großen Verantwortung. Die Reifeprüfung war der Reichsbahnerstreik 1980, für den der KABD mit seinem jungen Vorsitzenden im September 1980 maßgeblich und persönlich Verantwortung übernahm. Im folgenden konnte der Parteiaufbau als Bund erfolgreich abgeschlossen und 1982 die MLPD gegründet werden.

 

Stefan Engel hat sich mit seinem unerschütterlichen Willen, seiner eisernen Disziplin, seinem Rückgrat und seiner Geradlinigkeit sowie seiner Bereitschaft und Fähigkeit, aus allem und von jedem zu lernen, zu einem führenden Theoretiker und praktischen Vorkämpfer der internationalen sozialistischen Revolution entwickelt.

 

Im Gegensatz zu vielen gewendeten kleinbürgerlichen "Alt-68ern" hat er sich zu keinem Zeitpunkt dem Kapitalismus und seinen Institutionen angepasst. Er hat den proletarischen Stil der MLPD geprägt, mit dem sie immer besser in ihre neue gesellschaftliche Rolle hineinwächst. In bedeutenden Kämpfen wie dem Streik in Rheinhausen, dem Bergarbeiterstreik 1997 oder dem Kampf der Opelaner war er ein gefragter Berater.

Initiator der ICOR

Ende der 1980er-Jahre begann die MLPD auch eine internationalistische Arbeit. Stefan arbeitete sich in neue Felder ein. „Das kann ich nicht“, ist ein Satz, der in seinem Sprachschatz bis heute nicht existiert. „Ich stand 50 Jahre immer vor neuen Herausforderungen“, erinnert er sich. „Wenn man etwas noch nicht kann, dann muss man es eben erlernen!“


Stefan Engel war Initiator und treibende Kraft zum Zusammenschluss revolutionärer Parteien und Organisationen in der ICOR. Er genießt großes Ansehen bei den revolutionären Parteien und Organisationen auf der ganzen Welt. Auf seine Initiative hin wurde der Solidaritätspakt mit dem kurdischen Befreiungskampf geschlossen und der Bau des Gesundheitszentrums in Kobanê/Rojava mit inzwischen mehr als 180 Brigadistinnen und Brigadisten verwirklicht.


Nach dem Tod von Willi Dickhut, dem Vordenker und Mitbegründer der MLPD im Jahr 1992, übernahm Stefan Engel von ihm die Leitung der Redaktion des theoretischen Organs REVOLUTIONÄRER WEG. Er hatte viel von Willi Dickhut gelernt und war maßgeblich an der Ausarbeitung der Lehre von der Denkweise beteiligt. Unter seiner Führung erschienen bedeutende Werke wie „Der Kampf um die Denkweise in der Arbeiterbewegung“, „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“, „Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'“, „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“ oder zuletzt „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“

37 Jahre und drei Monate lang Parteivorsitzender

37 Jahre und drei Monate lang übte Stefan Engel ununterbrochen die Funktion des Parteivorsitzenden aus. Auf zehn Parteitagen wurde er in geheimer Wahl ins Zentralkomitee gewählt und dort in geheimer Wahl zum Vorsitzenden.


Am 31. März 2017 übergab er den Parteivorsitz an Gabi Fechtner, die vom X. Parteitag dafür vorgeschlagen wurde. Bei der Übergabefeier am 8. April 2017 erlebten fast 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein bewegendes Programm: Mitglieder der MLPD und ihres Jugendverbandes REBELL, aber auch viele andere Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus dem In- und Ausland, Bündnispartner, Freunde und Angehörige würdigten die Lebensleistung von Stefan Engel und überzeugten sich von der Qualität der neuen Parteivorsitzenden Gabi Fechtner.

 

In seiner Abschiedsrede als scheidender Parteivorsitzender gab er „einige vielleicht nützliche Hinweise“ - wie er sagte - aus seiner Lebens- und Leitungserfahrung: „Es erfüllt mich mit großer Genugtuung, dass mein Lebensweg durch einen lange Zeit vorbereiteten und auf guter Grundlage durchgeführten Generationswechsel nun mit großem Ernst und sogar mit einer gewissen Begeisterung weiterverfolgt und vollendet wird.“ Dem ging eine systematische, 20-jährige Ausbildung junger Kader zu künftigen Führungspersönlichkeiten voraus.

Schlüsselfrage: Dialektische Methode

Im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung machte Stefan Engel - wie er immer wieder hervorhebt - seinen größten politischen Fehler: Er beurteilte die Wiedervereinigung einseitig negativ und richtete die Partei zeitweise dagegen aus. Er hatte zunächst nur die Vereinnahmung der DDR durch das westdeutsche Monopolkapital gesehen und nicht die große historische Leistung der demokratischen Volksbewegung, die die bürokratisch-kapitalistische Regierung der DDR zum Abdanken zwang. Mit Hilfe von Kritik und Selbstkritik wurde diese Fehleinschätzung korrigiert. Der Fehler brannte und verstärkte den Ehrgeiz, die dialektische Methode zu lernen und bewusst anzuwenden, „damit mir so etwas auf keinen Fall noch einmal passiert“.


Für seine Leitungstätigkeit ist Stefan Engel wichtig, dass dies wie ein Handwerk begriffen wird, das jeder erlernen kann. Und weil er nie ein Mann halber Sachen war, arbeitete selbst zwölf Semester zur Erlernung der dialektischen Methode aus. Daran haben bis heute etwa 10.000 Genossinnen und Genossen teilgenommen und dadurch nachhaltig die Parteiarbeit verbessert. Außerdem haben bisher auch Gruppen anderer Organisationen an den Dialektikkursen teilgenommen.


Stefan Engel entwickelte immer wieder neue Ideen zu einer umfassenderen Verankerung der MLPD und ihres Jugendverbandes REBELL unter den Massen - wie zum Beispiel das Rebellische Musikfestival. Es fand dieses Jahr zu Pfingsten zum dritten Mal im thüringischen Truckenthal statt. Die Schirmherrschaft von Stefan Engel wurde vom Staatsapparat missbraucht, um ihn als „Gefährder“ einzustufen und damit in die Nähe faschistischer Terroristen zu rücken. In einem sogenannten „Gefährderbrief“ drohte die Polizei seine Inhaftierung und die gewaltsame Räumung des Festivals an, sollte es wie geplant stattfinden. Das ist jedoch kläglich gescheitert – das Festival wurde ein großer Erfolg.


Stefan Engel ist weiterhin als Mitglied des Zentralkomitees und Leiter der Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG federführend bei der Weiterentwicklung der ideologisch-politischen Linie der MLPD aktiv. In seiner Rede auf der Übergabefeier 2017 betonte er: „Ich werde auch die neue Führung begleiten, ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen ... Gabi Fechtner ist die neue Parteivorsitzende, ohne jede Einschränkung – und mit vollem Recht vom Zentralkomitee einstimmig gewählt. Es ist das erste Mal in Deutschland, dass an der Spitze der revolutionären Arbeiterpartei eine Frau und eine Arbeiterin steht. Darauf sind wir besonders stolz!“

Nie geschwankt

Bei der kleinen Feier gestern waren die Genossinnen und Genossen auf ihren Stefan stolz. Gabi Fechtner bedankte sich im Namen der ganzen Partei bei Stefan Engel: „Erst seit ich selbst diese Funktion ausübe, wird mir vollständig das vielfältige Repertoire deutlich, das Stefan Engel in seiner Leitungstätigkeit und Analysefähigkeit entwickelt hat. Im Zentrum steht dabei die bewusste Anwendung der dialektischen Methode. Er hat nie etwas zweimal gleich gemacht, weil jede Situation neu und etwas anderes ist.“

 

Als besonders vorbildlich hob sie hervor, dass Stefan Engel nie in seinem Leben geschwankt hat. Ohne solche Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich an die Spitze stellen, ist der erfolgreiche Aufbau einer revolutionären Arbeiterpartei undenkbar.

 

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