100 Jahre Novemberrevolution

Schändliche Rolle der sozialdemokratischen Führer

Während sich führende SPD-Politiker derzeit gerne die Novemberrevolution als ihr Verdienst an die Brust heften, unternahm die SPD-Führung 1918/19 alles, um die Revolution zu verhindern und schließlich im Blut zu ersticken.

Von ffz

Nachdem die Arbeiter- und Soldatenräte von der Küste aus die Flamme der Revolution durch das morsche deutsche Kaiserreich trugen, versuchte die Führung der Sozialdemokratie um Ebert, Noske und Scheidemann sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, um sie in parlamentarische Bahnen zu lenken und dadurch eine sozialistische Umwälzung zu verhindern. Willi Dickhut, theoretischer Vordenker und Mitbegründer der MLPD, berichtet darüber in der Broschüre „100 Jahre Novemberrevolution“:

Offene Worte von Scheidemann

„Daß die sozialdemokratischen Führer kein Interesse daran hatten, die Revolution vorzubereiten und auszulösen, wurde von Scheidemann in einer Rede im Juni 1922 offen bestätigt: ‚Eine antimonarchistische Propaganda, eine positive republikanische Tätigkeit hat die Sozialdemokratie nie betrieben, weil für uns die Frage bis zu einem gewissen Zeitpunkt nebensächlich erschien … Die Unterstellung, daß die Sozialdemokratie die Novemberrevolution gewollt oder verbreitet hat, ist eine lächerliche törichte Agitationslüge unserer Gegner.“

14 Kieler Punkte

Über zahlreiche Kanäle trugen diese Leute den Opportunismus in die frisch entstandene revolutionäre Bewegung, die politisch noch verschwommene Vorstellungen hatte. So war es bisher noch nicht zu einem festen Bund der fortschrittlichen revolutionären Matrosen und der Masse der Arbeiter gekommen. Der Einfluss der - zum großen Teil aus der SPD ausgetretenen - Revolutionäre um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die sich bis dahin eher lose im Spartakusbund zusammengeschlossen hatten, war zu gering.

 

Das zeigte sich unter anderem in den 14 Kieler Punkten, die der Kieler Soldatenrat am 4. November als gültiges Programm beschloss:

„1. Freilassung sämtlicher Inhaftierten und politischen Gefangenen

2. Vollständige Rede- und Pressefreiheit

3. Aufhebung der Briefzensur

4. Sachgemäße Behandlung der Mannschaften durch Vorgesetzte

5. Straffreie Rückkehr sämtlicher Kameraden an Bord und in die Kasernen

6. Die Ausfahrt der Flotte hat unter allen Umständen zu unterbleiben

7. Jegliche Schutzmaßnahmen mit Blutvergießen haben zu unterbleiben.

8. Zurückziehung sämtlicher nicht zur Garnison gehöriger Truppen.

9. Alle Maßnahmen zum Schutz des Privateigentums werden sofort vom Soldatenrat festgesetzt.

10. Es gibt außer Dienst keine Vorgesetzten mehr.

11. Unbeschränkte persönliche Freiheit jedes Mannes von der Beendigung des Dienstes bis zum Beginn des nächsten Dienstes.

12. Offiziere, die sich mit den Maßnahmen des jetzt bestehenden Soldatenrates einverstanden erklären, begrüßen wir in unserer Mitte. Alles übrige hat ohne Anspruch auf Versorgung den Dienst zu quittieren.

13. Jeder Angehörige des Soldatenrates ist von jeglichem Dienst zu befreien.

14. Sämtliche in der Zukunft zu treffenden Maßnahmen sind nur mit der Zustimmung des Soldatenrates zu treffen.“

Überspringen der Revolution nach Berlin

Dieses Programm war noch sehr einseitig auf Forderungen an das Militär zugeschnitten. Die fehlende politische Klarheit machten sich die SPD-Führer zunutze. Allerdings setzten die revolutionären Kräfte alles daran, um den landesweiten Aufstand zur sozialistischen Revolution höherzuentwickeln. Von entscheidender Bedeutung war das Überspringen der Revolution am 8. November 1918 nach Berlin.