Literatur

„Die Krabbenfischer“

In dichter klarer Sprache schildert Takiji Kobayashi das schwere Los der japanischen Krabbenfischer. Ist das auch schon fast einhundert Jahre her, so vermag die Darstellung immer noch zu packen

Buchbesprechung von Norbert Büttner
„Die Krabbenfischer“
(foto: Emiliano Arano / Pexels)

Tobendes graues Meer, die Wellen gekrönt von Eisspitzen, Regen drischt wie Geschoßhagel ins Gesicht... Rauh ist das ochotskische Meer zwischen Japan und Sibirien, anstrengend die Arbeit der Fischer, die auf dem Fangschiff "Hakkomaru" Krabben aus dem Meer holen, pulen und in Konservendosen einlegen. So hart dieses Leben an sich schon ist, unerträglich wird es durch den Inspektor der Fischereigesellschaft, der die Arbeiter unerbittlich antreibt. Im wahrsten Sinn des Wortes geht er für den Profit über Leichen. Doch je erbarmungsloser die Ausbeutung, um so stärker wächst der Groll der Arbeiter. Der Tod eines Kollegen ist der Funke, aus dem die Flamme schlägt ...

Wo der Imperialismus durchgreifen kann, dort vernichtet er Mensch und Natur

Überall, wo der Imperialismus uneingeschränkt durchgreifen kann, wo ihm keine organisierte Arbeiterschaft Einhalt gebietet und wenigstens die gröbsten Missstände abstellt, ehe sie ihn ganz abschafft, überall dort vernichtet er Mensch und Natur. Das ist bei den japanischen Krabbenfischern um 1930 nicht anders als heutzutage bei den Coltanschürfern im Kongo, den Elektroschrottverwertern in Westafrika und - last but not least - den Werksverträglern in Schlachtindustrie und Schiffsbau in Deutschland. Die Krabbenfischer auf der "Hakkomaru" sind meist bäuerlicher Herkunft aus den ärmsten Provinzen Japans. Von Kind an zum Gehorsam erzogen, leisten sie anfangs keinen Widerstand. Wenn die Arbeit unerträglich wird, suchen sie zuerst nach einem individuellen Ausweg. Sie verstecken sich auf dem Schiff, versuchen zu fliehen oder werfen sich dem Alkohol in die Arme, den die sonst so geizige Fischereigesellschaft sonderbarerweise immer reichlich zur Verfügung stellt. Aber nichts vermag zu helfen. Wochen-, ja monatelang auf engstem Raum zusammemgesperrt, von Läusen und Wanzen aufgefressen, dem Tod im eisigen Meer ins Auge sehend und im Nacken der Inspektor, der bei ungenügender Leistung die Fischer sogar mit glühendem Eisen brandmarken lässt ...

Verzweiflung und Wut wachsen

Die Verzweiflung wächst, aber auch die Wut. Und es sind auch neue Leute an Bord, Studenten und Saisonarbeiter aus anderen Gegenden Japans. Sie wissen schon von Streiks und haben auch von den "Roten" bereits gehört, die von den Sklaventreibern ebenso gehasst wie gefürchtet werden.

Lehren daraus ziehen

Das Geschehen bewegt sich auf eine Entscheidung zu. Die Arbeiter bilden eine geheime Organisation und erheben sich. Ihre Rebellion wird von der kaiserlichen Marine niedergeschlagen, aber das bricht nicht ihren Mut. Sie ziehen vielmehr Lehren daraus, was sie beim nächsten Mal besser machen müssen.

 

Dieser Roman wurde bei seinem Erscheinen 1929 sogleich verboten, sein Autor 1933 von der Polizei ermordet. Vor einigen Jahren in Japan neu aufgelegt, ist er sofort zu Recht in die Bestsellerliste gestiegen.

 

Takiji Kobayashi: Das Fabrikschiff, Cass Verlag, ISBN 978-3-9809022-8-1, 9,90 Euro