"Spiegel"

"Spiegel"

Flaggschiff des bürgerlichen Journalismus in der Krise

Mitte Dezember flogen beim „Spiegel“-Magazin die Fälschungen des Claas Relotius auf.

Von hbk / ffz / jw
Flaggschiff des bürgerlichen Journalismus in der Krise
Das Gebäude des "Spiegel" in Hamburg (foto: Alchemist-hp (talk) (CC BY-SA 3.0))

Der - inzwischen entlassene - 33-jährige Reporter des Spiegel erhielt für seine Reportagen und Geschichten mehrmals Preise, zuletzt den „Deutschen Reporterpreis 2018“ Ende November.

 

Proletarischer und marxistisch-leninistischer Gegenpol zu den bürgerlichen Massenmedien - Das
Proletarischer und marxistisch-leninistischer Gegenpol zu den bürgerlichen Massenmedien - Das "Rote Fahne Magazin" (rf-foto)

In Kürze

  • Skandal läßt Nimbus des Spiegel als "kritisches" Leitmedium weiter bröckeln
  • Das Rote Fahne Magazin ist der proletarische, marxistisch-leninistische Gegenpol zur bürgerlichen Meinungsmache

 

Sieben Jahre lang konnte Claas Relotius immer wieder - teils gefälschte - Geschichten im Spiegel unterbringen. Geschickt spielte er in seiner Reportage "Königskinder" über zwei in der Türkei unter unmenschlichen Bedingungen hausende syrische Flüchtlingskinder mit der immer noch großen Solidarität der Mehrheit der Bevölkerung mit den Menschen, die vor durch die Imperialisten ausgelösten Kriegen, vor Hunger und Armut fliehen. Er verstand es, Mitleid für die Kinder zu wecken, von denen eines nach aktuellem Stand anscheinend gar nicht existiert, und gleichzeitig aber auf die Bundesregierung und ihre angeblich humane Flüchtlingspolitik zu orientieren.

 

In der Geschichte "In einer kleinen Stadt" über die Gemeinde Fergus Falls im US-Bundesstaat Minnesota nutzte er den Abscheu der Massen in Deutschland über die Politik des Ultrareaktionärs Donald Trump. Er zeichnete das Bild einer Kleinstadt, in der fast nur Trump-Bewunderer wohnen, bewaffnet in der Gegend herumlaufen, Mexikaner verachten und in großer Mehrheit Trumps politischem Kurs folgen. Die Geschichte entspricht aber nicht nur nicht der Wahrheit, sondern ist in großen Teilen frei erfunden. So existiert zum Beispiel ein Schild am Ortseingang überhaupt nicht, das Mexikaner auffordert, "draußen zu bleiben", und es hat wohl auch nie existiert. Verschiedene prägende Figuren sind entweder frei erfunden oder so verändert worden, dass sie sich selbst in der Reportage nicht wiedererkannten. Er wollte unbedingt das Bild einer angeblich reaktionären Masse zeichnen, obwohl er es besser wusste. Immerhin war er fünf Wochen in Fergus Falls. Der ganze Skandal fiel auch deshalb auf, weil die Bewohnerinnen und Bewohner energisch gegen die Falschdarstellung protestierten.

 

Relotius hat, angetrieben von kleinbürgerlichem Ehrgeiz, "Sensationen" erfunden, um an Journalistenpreise sowie Gelder zu kommen und Karriere zu machen.

 

Beim Spiegel handelt es sich um eines der sogenannten „Leitmedien“ der bürgerlichen deutschen Presselandschaft. Er gilt als kritisches Enthüllungsmagazin, prangert teils Missstände an usw. Der Spiegel aber bleibt immer im Rahmen des Systems der kleinbürgerlichen Denkweise, macht grundsätzliche Alternativen verächtlich etc. Es gab in der Vergangenheit auch nicht selten eine "gewisse Nähe" zum Geheimdienst: 1996 versuchte der Bundesnachrichtendienst, einen Spitzel in die Spiegel-Redaktion einzuschleusen. Dieser Journalist wurde 1982 bis 1998 vom BND mit über 650.000 DM bezahlt. Der Enthüllungsjournalist Hans Leyendecker, damals beim Spiegel aktiv und 1999 Aufdecker der Kohl-Affäre, verlangte die Entfernung des Spitzels aus der Redaktion. Stefan Aust, der damalige Spiegel-Chefredakteur, versuchte, die Hand über den Spitzel zu halten und ihn zunächst bei Spiegel TV unterzubringen. Daraufhin verließ Leyendecker 1997 das Blatt.

 

Fall Relotius wirft ein Licht auf Spiegel und die bürgerlichen Massenmedien

Jetzt lassen die designierten Chefredakteure des Spiegel, die beide für Relotius' Engagement und seine Arbeit beim Magazin verantwortlich sind, erst einmal ihre neuen Verträge ruhen. Es stellt sich aber nach wie vor die Frage, warum die Spiegel-Chefredaktion so lange geschwiegen hat, obwohl klare Anzeichen für Relotius' Tun vorhanden waren. Es brauchte erst seinen Kollegen Juan Moreno, der seinen eigenen Job riskierte, als er Spiegel-intern mit Beweisen für Relotius' Erfindungen auftrat. Seine Kritik wurde lange unterdrückt, und ihm wurde mit Rauswurf gedroht. Jetzt gibt es großen Katzenjammer beim Spiegel; Fälschungen werden teils aufgedeckt. Man muss aber die Frage aufwerfen, warum Relotius gezielt bestimmte Botschaften mit Fälschungen, Gemischen aus Halbwahrheiten und Wahrheiten sowie zutreffenden Teilwahrheiten verbreitete. Inhaltlich lag er voll auf Spiegel-Linie und machte die Berichte dafür passend.

 

Parolen der AfD wie „Lügenpresse!“ verschleiern nur den wahren Charakter und die Aufgaben der Medien. "Eine Flut von Informationen soll den Anschein der Objektivität erwecken. Die Medien setzen an der Kritik der Massen an, greifen scheinbar Auswüchse des imperialistischen Weltsystems an, um Zugang zum Denken, Fühlen und Handeln der Massen zu bekommen, die zersetzende Wirkung der Desorientierung, Desorganisation und Demoralisierung zu erzielen."¹

 

Dazu schreibt der REVOLUTIONÄRE WEG 26 "Der Kampf um die Denkweise in der Arbeiterbewegung": "Die öffentliche Meinungsmanipulation funktioniert wesentlich über die kleinbürgerliche Denkweise der Medienschaffenden, die sich über eine 'freiwillige' Selbstzensur den herrschenden Denkschemata der bürgerlichen Demokratie unterwerfen. Das geschieht, weil sie entweder von ihren kleinbürgerlichen Illusionen zutiefst überzeugt sind oder der persönlichen Karriere nicht schaden wollen. Gegenüber der Masse der im Medienapparat Beschäftigten muß die Arbeiterklasse eine geduldige Bündnisarbeit entwickeln, ihnen helfen, ihre kleinbürgerliche Denkweise zu überwinden, und sie für den gemeinsamen Kampf gewinnen."²

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