Studie

Deutlich erhöhte PCB-Werte bei RAG-Bergleuten

Bis ins Jahr 1986 wurde im Bergbau in Maschinen, Hobeln und Schrämmladern schwer entflammbares PCB-haltiges Hydraulik-Öl eingesetzt.

Von gp
Deutlich erhöhte PCB-Werte bei RAG-Bergleuten
Schacht 10 von Prosper-Haniel in Bottrop (foto: Goseteufel (CC BY-SA. 30))

PCB sind organische Chlorverbindungen und gehören zu den gefährlichsten Ultragiften. Aufgrund der Anreicherung im Fettgewebe, Knochenmark und Gehirn sind selbst kleinste laufend aufgenommene Mengen schädlich. Vor einem Jahr hat die Ruhrkohle AG (RAG) eine Studie zur PCB-Belastung von Bergleuten in Auftrag gegeben.

 

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet, dass die RAG vor der Studie überlegt habe, „ob ein Erkenntnisgewinn durch die Studie höher wiege als eine mögliche Verunsicherung der früheren Bergleute“. Mit anderen Worten: Die RAG macht sich vor allem Sorge um den eigenen Ruf, das Schicksal und die Gesundheit der Bergleute ist ihr egal!

 

Die Ethikkommission der Uni Aachen hat der RAG die Studie empfohlen, wenn es ein „Nachsorgeangebot für die Teilnehmer gebe“. Am 9. Januar wurden die Ergebnisse veröffentlicht. An der Studie haben 210 ehemalige Bergleute freiwillig teilgenommen. Dabei wurden bei fast 50 Prozent der untersuchten Bergleute deutlich überhöhte PCB-Werte im Blut festgestellt – teilweise liegen die Werte um das Zwanzigfache über den Werten der Normalbevölkerung. Es ist eine völlige Verharmlosung und Vertuschung wenn RAG-Chef Peter Schrimpf beschwichtigend erklärt: „Eine akute Gesundheitsgefährdung liegt gemessen an heute gültigen Richtwerten nicht vor.“ Da es sich bei PCB um einen krebserregenden Stoff handelt, besteht das Gesundheitsrisiko bereits bei den geringsten Mengen und tritt erst im Laufe der Zeit auf.

 

Die RAG behauptet, dass es damals noch keine Hinweise auf das „Gefahrenpotenzial“ gegeben habe. Das ist schlichtweg gelogen! 1984 hat die Bergarbeiterzeitung Spitze Hacke den Einsatz von PCB-haltigem Hydrauliköl unter Tage aufgedeckt, den Skandal an die Öffentlichkeit gebracht und damit eine Bewegung ausgelöst, die schließlich zum gesetzlichen Verbot von PCB-haltigen Flüssigkeiten auf allen Schachtanlagen führte. Statt die Belastung mit PCB als Berufskrankheit anzuerkennen und die Bergleute zu entschädigen, bietet die RAG den Betroffenen lediglich regelmäßige Kontrollen an. In einer Folgestudie will die RAG untersuchen lassen, welchen Zusammenhang es zwischen der Belastung mit PCB und Erkrankungen gibt. Diese Studie hat lediglich einen Alibi-Charakter, der die Verantwortung der RAG für den rücksichtslosen, den Tod in Kauf nehmenden, Umgang mit der Gesundheit der Kumpel vertuschen soll.