Permafrost

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Eisböden schmelzen schneller als angenommen

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven und des Helmholtz-Instituts für Polarforschung in Potsdam haben durch Auswertung von Satellitenaufnahmen der letzten 15 Jahre und von 154 weltweiten Bohrungen herausgefunden, dass die tausende Jahre alten Permafrostböden in der arktischen Region immer schneller schmelzen.

Von kf
Eisböden schmelzen schneller als angenommen
Die Permafrostböden, wie hier in Nordschweden, tauen mehr und mehr auf (foto: Monteuxs (CC BY-SA 4.0))

Diese Permafrostböden sind in den letzten zehn Jahren um 0,3 Grad Celsius wärmer geworden, in Sibirien gar um 1 Grad Celsius. Insgesamt 50 Forschergruppen aus 26 Staaten arbeiteten an diesem Projekt mit.

 

Von Permafrostböden spricht man, wenn über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren der Boden ständig vereist ist. Diese Böden sind bis zu 1,5 Kilometer dick. Die Permafrost-Region der Erde ist riesig – 64-mal größer als Deutschland. Gespeichert sind in diesen Böden sehr große Mengen abgestorbener Pflanzenreste.

 

Insbesondere in Sibirien, aber auch in Kanada, Alaska, Grönland und China hat eine gefährliche Schmelze eingesetzt. Im Osten Sibiriens haben die Seen um die Hälfte zugenommen, wodurch wärmere Temperaturen bis in die Tiefe vordringen können. Es sammelt sich Wasser, das wegen seiner thermischen Eigenschaften diesen Prozess noch mehr verstärkt. So entstehen Seen, sogenannte Thermokarst-Seen, die immer mehr und teils unaufhaltsam wachsen.

 

Zunehmende Waldbrände zerstören die dicke Moosschicht, die den Boden im Sommer vor zu hohen Temperaturen schützt. Auch austrocknende Seen wurden untersucht. Sie sind ein Anzeichen dafür, dass bereits wärmeres Wasser in die Böden eingedrungen ist und sie auftaut. Die Forscher fanden heraus, dass die Spuren der Erderwärmung in den Permafrostgebieten deutlich feststellbar sind.

"Katastrophenalarm!" wird voll und ganz bestätigt

Bereits vor vier Jahren wies das Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ auf die Folgen hin, die die Forscher nun ausdrücklich bestätigen: „Straßen, Eisenbahnlinien, Pipelines, Stromleitungen, Flughäfen, Siedlungsgebiete verlieren die Stabilität ihres Untergrunds. … Der im Permafrost der Nordhalbkugel in Form von Methan und CO2 gespeicherte Kohlenstoff, der sukzessive freigesetzt würde, macht etwa tausend Milliarden Tonnen aus. Das übersteigt die gesamte Menge Kohlenstoff, die sich gegenwärtig in der Atmosphäre befindet.“ (S. 122)

 

Für die Autoren des "Katastropenalarm!" ist die Beschleunigung keine Überraschung; ihre Analyse fand mit der dialektisch-materialistischen Methode statt. Diese geht davon aus, dass quantitative Veränderungen zu qualitativen Sprüngen führen. Die bürgerliche Naturwissenschaft denkt in der Regel nur in linearen Veränderungen. Deswegen werden ihre Prognosen oft von der Realität eingeholt.

Prozess beschleunigt den Übergang in die Klimakatastrophe

Die Freisetzung von Methan ist besonders zu beachten, da dieses Treibhausgas 25-mal klimaschädlicher ist als CO². Das Auftauen der Permafrostböden ist Bestandteil von Rückkopplungseffekten in Folge der bisherigen Klimaerwärmung, die den Übergang in eine globale Klimakatastrophe und den Umschlag in eine globale Umweltkatastrophe wiederum weiter beschleunigen.

 

Die Forscher betrachten die gewaltigen Mengen, die hier freigesetzt werden, als möglichen „Kipppunkt im Klimasystem“. Die Klimaerwärmung „steuert auf 'Kipppunkte' zu, an denen eine bis dahin allmähliche quantitative Zunahme bestimmter Faktoren in qualitative Sprünge umschlägt“ ("Katastropenalarm!", S. 124).

 

Allein das Auftauen der Permafrostböden würde nach den neuesten Erkenntnissen das Weltklima um 0,4 Grad Celsius erhöhen.

Sofortmaßnahmen durchsetzen

Die Umweltbewegung steht vor der Herausforderung, in einem weltweiten aktiven Widerstand Sofortmaßnahmen gegen die fortschreitende Anreicherung klimaschädlicher Gase in der Erdatmosphäre gegen das allein herrschende internationale Finanzkapital und seiner Regierungen durchzusetzen. Dieser Kampf muss bereits Teil einer gesellschaftsverändernden Bewegung werden. Denn der bereits weit fortgeschrittene Übergang in die globale Umweltkatastrophe hat eine ganze Reihe weiterer Hauptfaktoren, nicht nur die drohende Klimakatatrophe. Das imperialistische Weltsystem ist unvereinbar geworden mit dem Überleben der Menschheit.

 

„Nach wie vor reagiert die Umweltbewegung vor allem spontan auf umweltzerstörerische Ereignisse oder Vorhaben. Sie beschränkt sich in der Regel auf den Kampf gegen einzelne Seiten der Umweltkrise und gegen offensichtliche Zerstörungen der natürlichen Umwelt. Sie begreift aber noch nicht die Dimension der notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen, die erforderlich sind, um eine globale Umweltkatastrophe zu verhindern. Die Umweltbewegung muss sich ändern! Sie muss sich einer systemverändernden Perspektive öffnen und die Profitwirtschaft des internationalen Finanzkapitals angreifen.“ (Katastrophenalarm!, S. 252)

 

Deshalb muss in einer neuen Umweltbewegung das internationale Industrieproletariat eine ganz andere Rolle spielen und zum Rückgrat und zur führenden Kraft werden. Arbeiter- und Umweltbewegung müssen Hand in Hand gehen. International steht die revolutionäre Weltorganisation ICOR für diese Richtung. In Deutschland ist die MLPD die Partei für radikalen - also den Ursachen an die Wurzel gehenden - Umweltschutz. Sie ist die einzige Partei in Deutschland, die eigene Umweltgruppen hat. Diese suchen noch viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter um den aktiven Widerstand zu entwickeln.