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„Ein tödliches Virus auf den Äckern: Importe“

„Ein tödliches Virus auf den Äckern: Importe“, so überschreibt der Journalist Ozan Gündoğdu seinen Bericht über die Lage in der Landwirtschaft, der am 15. Januar in der Online-Zeitung "BirGün" erschien.

Von hma
„Ein tödliches Virus auf den Äckern: Importe“

Die Türkei belegt zur Zeit Platz 20 unter den Ländern mit den größten Agrarflächen weltweit. Jahrzehntelang reichte die landwirtschaftliche Produktion zur Versorgung der Bevölkerung im Großen und Ganzen aus. Seitdem die AKP den internationalen Übermonopolen auf dem Binnenmarkt noch stärker freie Hand gelassen hat, erliegen einheimische Erzeuger auch auf diesem Sektor in wachsender Zahl dem Konkurrenzdruck. Die Importabhängigkeit des Landes im Lebensmittelsektor ist ins Unermessliche gestiegen, was die Zahlungsfähigkeit des Landes immer stärker gefährdet; und während die Bevölkerung wächst, schrumpft die bewirtschaftete Agrarfläche dramatisch. Die aufgegebenen Flächen fallen dann Bauspekulanten zum Opfer.

Hier nun einige Details dazu:

Während die Bevölkerung von 2002 bis 2018 von 65 auf 81 Millionen angewachsen ist (+ 24,6 Prozent), ging die bewirtschaftete landwirtschaftliche Fläche im gleichen Zeitraum von 17,9 auf 15,4 Millionen Hektar zurück (– 14,0 Prozent). Das entspricht der größten zusammenhängenden Agrarfläche der Türkei, der Ebene von Konya.

 

Dementsprechend ist zum Beispiel die Gesamtanbaufläche für Weizen von 2004 noch 9,3 bis 2018 auf 7,6 Millionen Hektar geschrumpft (– 18,3 Prozent). Die Weizenerzeugung ging in der Zeit von 2004 bis 2018 von 21 auf 20 Millionen Tonnen zurück (– 4,8 Prozent).

Produktionskosten steigen erheblich schneller als Verbraucherpreise

Immer mehr Bauern kapitulieren vor den Produktionskosten, die erheblich schneller steigen als die Verbraucherpreise. Während man im Dezember 2015 von dem Erlös von 1 Kilogramm Hackfleisch noch 29 Kilogramm Mastfutter kaufen konnte, bekam man dafür Ende 2018 nur noch 22,8 Kilogramm (– 21,4 Prozent), statt 41,2 Kilogramm Mais nur noch 31,2 Kilogramm (– 24,3 Prozent) und statt 6,8 Liter Dieselkraftstoff nur noch 4,9 (– 27,9 Prozent).

Türkei importierte Pepperoni aus Uzbekistan

Der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln wird zunehmend aus dem Ausland gedeckt. Allein im I. Quartal 2018 stieg der Import von Frischfleisch um 675, der von Lebendvieh um 142 und der von Weizen um 148 Prozent an. Während im I. Quartal für 30,3 Millionen US-Dollar 103.000 Tonnen Mais importiert wurden, waren es im gleichen Zeitraum des Folgejahres zehn Mal mehr: 1.410.000 Tonnen. Zu zahlen waren dafür insgesamt 206,1 Millionen US-Dollar. Das Land ist inzwischen selbst in seinen alteingesessensten Agrarerzeugnissen importabhängig: Kürzlich hat die Türkei mit Uzbekistan einen Vertrag im Wert von 350 Millionen US-Dollar über den Import von Pepperoni unterzeichnet.

 

Vollständig aus landeseigener Produktion stammen nur noch Pistazien, Haselnüsse, Weintrauben, Aprikosen und Zitrusfrüchte.