Györ

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Machtvoller Streik bei Audi zeigt Wirkung

Das größte Motorenwerk in Europa steht still. Der Streik der Belegschaft läuft seit Donnerstag 24. Januar ab 6 Uhr früh. Angesetzt ist er für eine Woche. Die Streikfront steht und die Kolleginnen und Kollegen erfahren breite Solidaritätsbekundungen aus dem In- und Ausland.

Korrespondenz aus Heilbronn

Hier hat Audi seit über 25 Jahren Milliarden investiert. Die Infrastruktur gab es für einen Appel und Ei. Die Billiglöhne und schlechten Arbeitsbedingungen wurden von der Belegschaft zwar nicht unbedingt akzeptiert, doch lagen sie für Ungarn auf etwas höherem Niveau. Da wurde bisher vieles geschluckt. Doch jetzt ist damit Schluss. Sie fordern 18 Prozent Lohnerhöhung und Weiteres mehr. Sie wollen einen Schritt in der Angleichung an ein westeuropäisches Niveau.

Produktion steht im internationalen Verbund

Die 13.000 Beschäftigten bei Audi in Györ fertigen täglich 9.000 Motoren für Audi und viele andere VW-Konzernmarken. Pro Tag laufen sonst 700 Fahrzeuge wie der A3 oder Q3 vom Band. Die Produktion steht im internationalen Verbund. Der Streik trifft ins Schwarze. Bis heute können allein in Ingolstadt mindestens 7.000 Fahrzeuge mangels Bauteilen nicht fertiggestellt werden.

 

Bereits seit Montag stehen Bändern bei Audi in Ingolstadt sowie die R8-Produktion in Neckarsulm. Es fehlen die Antriebe, die Motoren. Auch das Vorzeigewerk für die Elektromobilität von Audi in Brüssel stockt, da aus Györ auch Elektroantriebe  kommen. In Neckarsulm erwarten Kollegen, dass als nächstes die Produktion beim A8 und A4 betroffen sein wird.

 

Beim Vorstand von Audi wurde das eindeutig unterschätzt, zögerten sie doch über zwei Tage mit den Streikenden die Verhandlungen aufzunehmen. So liefen sie ins offene Feuer. Jetzt versuchen sie die Lage zumindest erstmal in Deutschland zu entschärfen. Die Ausfalltage werden zu 40 Prozent vom Lohn bezahlt, 60 Prozent werden ins Zeitkonto als Minus gestellt. Von Kollegen wurde dazu aber bereits die Forderung nach der vollen Bezahlung der Ausfallzeit aufgestellt.

Große Sympathie in Ingolstadt und Neckarsulm

In den Werkshallen und an den Bändern von Audi in Neckarsulm und in Ingolstadt ist die Sympathie und Unterstützung für den Streik ihrer Kollegen in Ungarn groß. Einige kennen das Werk, waren selber dort. Die Betriebsräte an den deutschen Audi-Standorten und der IG Metall erklärten sich sofort solidarisch mit den Streikenden gegen die „Billiglöhne“.

 

Förmlich entsetzt sind viele Kolleginnen und Kollegen, dass in Györ bei Audi am Band gerade mal 1.100 Euro brutto gezahlt werden. Die leisten doch dasselbe wie wir. Und wie ungarische Kollegen erklären, sind die Preise für die Lebensmittel fast auf dem Niveau wie in Deutschland. „Voll berechtigt ist die Forderung und der Streik, die sollen zahlen sie haben doch Milliarden“, ist eine verbreitete Meinung, auch angesichts der Managergehälter und Bonuszahlungen der letzten Jahre.

Deutliches Zeichen gegen Billiglöhne und "Sklavengesetz"

Auf der Homepage der Gewerkschaft AHFSZ (www.ahfsz.hu) sind Solidaritätserklärungen aus Deutschland, aus Polen, der Slowakei und weitere dokumentiert. In Heilbronn hat die Trägergruppe der Internationalen Automobilarbeiterkoordination zusammen mit der Montagsdemo eine Solidaritätsresolution beschlossen und selbstverständlich auch gleich in ungarisch an die AHFSZ und den Gewerkschaftsverband Vasas geschickt - Rote Fahne News hat sie dokumentiert.

 

Darin heißt es unter anderem: "Mit eurem Streik setzt ihr nicht nur ein deutliches Zeichen gegen 'Billiglöhne' in Osteuropa und das Ausspielen der Belegschaften nach Standorten, nach niedrigsten Löhnen und schlechtesten Arbeitsbedin­gungen. Mit Begeisterung haben wir auch die großen Demonstrationen und Kundgebungen in Ungarn gegen die Änderung des Arbeitsgesetzes, wie ihr sagt 'Sklavengesetz', wahrgenommen. Damit habt ihr auch interna­tional ein Zeichen gesetzt im Kampf gegen die Rechtsentwicklung und rechte Regierungen."

Solidarität mit den streikenden Audi-Arbeiterinnen und -Arbeitern in Ungarn!

Die Betriebsgruppen der MLPD organisieren in Deutschland die Solidarität mit den streikenden Kolleginnen und Kollegen in Ungarn. Sie fördern dabei auch die Verbindung von wirtschaftlichen, politischen und umweltbezogenen Anliegen und Forderungen. Zumal der Streik der Audi-Arbeiterinnen und -Arbeiter auch wichtige Bedeutung für die Höherentwicklung des Kampfs gegen die ultrareaktionäre, faschistoide Orban-Regierung in Ungarn hat:

 

  • Unterstützt den Streik der Audi-Kollegen in Györ!
  • Schreibt Solidaritätserklärungen an die AHFSZ sandor.nemeth@audi.hu und VASAs laszlo.k@vasasok.hu
  • Keine Abwälzung der Kosten der Streikfolgen auf andere Belegschaften! Volle Bezahlung aller Ausfalltage!
  • Solidaritätsstreiks in anderen Audi-Werken sind ein wirksames Mittel zur Unterstützung des Streiks bei Audi in Györ!
  • Hoch die Internationale Arbeitereinheit! Hoch die Internationale Solidarität!