Blamage

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Lungenexperte mit fataler Rechenschwäche

Am 27. Januar 2019 verstieg sich in der Talkshow von Anne Will der pensionierte Lungenarzt Dieter Köhler zu der Behauptung: „Der Diesel stößt am Auspuff sauberere Luft aus als er einsaugt.“ Sein Kreuzzug gegen die "Feinstaub-Community" erregte von Beginn an Kritik, Protest, Spott und Hohn. Jetzt zeigt sich: Der Rohrkrepierer ist noch lächerlicher als bisher angenommen!

Von gis

Rote Fahne News nahm die Kampagne gegen Grenzwerte von Diesel-Schadstoffen, die Dieter Köhler vom Zaun gebrochen und befeuert hatte, umgehend in zwei Artikeln auseinander: "Debatte um Grenzwerte soll erwachendes Umweltbewusstsein zersetzen" und "Der methodologische Amoklauf des Lungenarztes Dieter Köhler". Applaus bekam er hingegen für seine "wissenschaftliche" Schlussfolgerung: "Ich würde die Grenzwerte einfach hochsetzen, dann ist die Diskussion weg" von Auto- und Zuliefer-Monopolen, vom jetzigen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und seinem Vorgänger und Parteifreund Alexander Dobrindt, von der AfD, von Klimaskeptikern und weiteren Anhängern dieses rückschrittlichen Weltbilds.

Regierung wollte Grenzwerte anheben

Am heutigen 15. Februar berichteten gegen Mittag einige Medien, die Bundesregierung wolle tatsächlich den Grenzwert für Stickoxide bei Dieseln anheben: "So könnten Hardware-Nachrüstungen vermieden werden". Offenbar hatte die Regierung zu diesem Zeitpunkt noch nicht von dem Desaster gehört oder gelesen, das schon alle Spatzen von den Dächern pfeifen: Experte Dieter Köhler hat sich verrechnet! Inzwischen melden Medien: Nein, die Grenzwerte werden doch nicht angehoben. Offenbar hat man die Regierung inzwischen informiert.

Angebliche Unschädlichkeit der Luftverschmutzung herbeigerechnet

Dieter Köhler warf seinen Kollegen, die es mit der Forschung um die gesundheitsschädliche Wirkung von Feinstaub und Stickoxiden in der Luft ernst meinen, "extreme wissenschaftliche Unsachlichkeit" vor; sie würden „so lange rechnen und drehen“, bis die gewünschte Botschaft herauskomme, dass Stickoxid und Feinstaub schädlich seien. Diese selbstherrlichen Verlautbarungen kehren nun mit Wucht als Bumerang zurück.

 

Ein zentrales Argument in Köhlers Papier ist der Vergleich der Atemluft in Innenstädten mit dem Schadstoffgehalt von Zigarettenrauch. Selbst wenn man sich auf den Vergleich einlässt, sind seine Schlussfolgerungen unhaltbar. Wer an einer viel befahrenen Straße wohnt, atmet während eines Lebens von 80 Jahren so viel Stickoxide ein wie ein starker Raucher in 6 bis 32 Jahren. Köhler behauptet stets, ein Raucher würde diese Dosis in wenigen Monaten inhalieren. Wenn eine Zigarette 500 Mikrogramm (µg) NO2 freisetzt, dann liegt der Wert bei einer Schachtel mit 20 Zigaretten nicht bei 1 Million Mikrogramm, wie von Köhler im Ärzteblatt behauptet, sondern bei 10.000 Mikrogramm. Die Verantwortung für diesen Fehler wollte Köhler auf Anfrage der recherchierenden taz-Redakteurin zunächst der Redaktion des Ärzteblatts zuschieben.

Maßnahmen auf Kosten der Profite der Verursacher

In dem taz-Artikel, der die Irrtümer des Herrn Köhler aufdeckte, werden weitere Fehler nachgewiesen. Peinlich ist die Sache natürlich nicht nur für den "Experten" selbst, sondern für alle, die seine Behauptungen als Büttel der Automonopole nachbeteten. Die MLPD hingegen hat sich nicht verrechnet. Ihre Vorschläge für wirksame Maßnahmen wie die Verpflichtung der Autokonzerne zur kostenlosen Hardware-Nachrüstung für betrogene Besitzer von Diesel-Autos oder Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und Abschaffung der Gebühren erhalten weiteren Auftrieb.