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Störfall in Müllverbrennungsanlage Karnap

In der Nacht zum 4. Februar fiel plötzlich erbsengroße Aktivkohle als Granulat im Umkreis der Müllverbrennungsanlage (MVA) Karnap auf Straßen, Gärten und Spielplätze des Essener Stadtteils.

Korrespondenz
Störfall in Müllverbrennungsanlage Karnap
Die Müllverbrennungsanlage Essen-Karnap (foto: Frank Vincentz (CC BY-SA 3.0))

Diese MVA nennt sich zwar „Müllheizkraftwerk“ und wird vom Strommonopol RWE betrieben. Doch sie verbrennt den Restmüll der umliegenden Städte Essen, Gelsenkirchen und Bottrop ohne jede Kontrolle und gewinnt aus dessen Energiegehalt nur magere fünf Prozent zurück. Der Rest geht als Prozesswärme verloren bzw. durch den 200 Meter hohen Schornstein.

Stadt Essen verschwieg Gefahr zunächst und verharmloste sie dann

Die zuständige Stadt Essen verschwieg zuerst die Gefahr, verharmloste sie tags darauf als „Zwischenfall“, um dann endlich davor zu warnen, das Zeug anzufassen oder gar in den Mund zu nehmen. Es war wohl Rostfraß in der Filteranlage, die zum Austritt führte. Was RWE nicht hinderte, die vorbildliche Wartung der über 30 Jahre alten Anlage zu beschwören. Geländereinigungen wurden durchgeführt, aber es dauert fast eine Woche, bis das Landesumweltamt wie zu erwarten erklärte: Keine Gefahr für Mensch und Umwelt.

 

Aktivkohlefilter sind der Rauchgasreinigung einer MVA nachgeschaltet. Diese führen zu den hochgiftigen Filteraschen, die von der Ruhrkohle AG (RAG) gegen Kasse in den stillgelegten Zechen des Ruhrgebiet verfüllt wurde. RWE sparte trotzdem an den viel höheren Kosten der Sondermüllentsorgung. Eine feine Gesellschaft! Aktivkohle als Filterrest ist noch gefährlicher, weil sie vor allem die Ultragifte Dioxine, Furane und PCB sammelt. Das soll keine Gefahr sein?

Umweltgruppe der MLPD Essen/Mülheim reagierte mit Leserbrief

Die Umweltgruppe der MLPD Essen/Mülheim hat sofort mit einem Leserbrief reagiert und wird sich erneut den Kampf gegen Müllverbrennung vornehmen. Schon vor Jahren war die MLPD aktiv an der Verhinderung weiterer MVAs in der Umgegend beteiligt. Sie stellen als so genannte „thermische Verwertung“ des Reststoffs Müll eine chronische Volksvergiftung dar, von der hier ein Zipfelchen gelüftet wurde. „In Karnap wird ohne Kontrolle alles verbrannt, was angefahren wird. Die Verschleppung und Verharmlosung der akuten Gefahr für Umwelt und Gesundheit als 'Zwischenfall' ist nicht hinzunehmen, so der Sprecher der Gruppe, Dietrich Keil.