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Vor 40 Jahren Sturz des Schah - Proteste gegen faschistisches Regime wachsen

In diesen Tagen feiern im Iran viele Menschen den 40. Jahrestag des Sturzes des damaligen Schah-Regimes. Die offiziellen Feiern der islamisch verbrämten faschistischen Machthaber am Montag waren jedoch an Heuchelei nicht zu überbieten.

Von eb
Vor 40 Jahren Sturz des Schah - Proteste gegen faschistisches Regime wachsen
Proteste von Arbeiterinnen und Arbeitern am 1. Mai 2018 im Teheran (Foto: Armin Karami)

Tatsächlich waren sie es bzw. ihre Vorgänger, die die demokratisch-antiimperialistische Revolution von 1979 gegen den von den westlichen Imperialisten unterstützten Schah Reza Pahlavi schließlich in einem Meer von Blut erstickten. Auch in deutschen bürgerlichen Medien wird so getan, als hätten die Kräfte um Ayatollah Chomeini zur Revolution gegen den Schah beigetragen, oft ist gar von "islamischer Revolution" die Rede. Tatsächlich waren sie die erbittertsten Feinde der Revolution. 

Schah sicherte Zugriff auf "persisches Öl"

Der Schah selbst kam durch einen von der CIA geleiteten Aufstand gegen den gewählten Präsidenten Mohammed Mossadegh im Sommer 1953 an die Macht. Mossadegh hatte die britische Ölgesellschaft im Iran verstaatlicht und versucht, mit einer unabhängigen US-Gesellschaft - die nicht zu den damals sieben größten Konzernen gehört - bessere Verträge auszuhandeln. Mit seinem Sturz sicherten sich der britische und US-Imperialismus die uneingeschränkte Vorherrschaft über das „persische Öl“.

 

Im Januar 1979 wurde das reaktionäre Schah-Regime durch einen Volksaufstand hinweggefegt. Wochenlang waren Massendemonstrationen an der Tagesordnung, verbunden mit Arbeiterstreiks. Die legale Tätigkeit demokratischer und revolutionärer Organisationen, die zuvor vom Schah-Regime verfolgt worden waren, nahm einen Aufschwung. Ein Augenzeuge schildert die Situation:

 

"Es gab zahlreiche Initiativen zur Unterstützung von Streikenden, bedürftigen Kindern und Alten. Zwar war die Lage noch unsicher, es gab immer wieder Schießereien, man fürchtete, es könnte zu einem Militärputsch kommen. Dennoch schienen alle glücklich. Die erste Kundgebung, die ich miterlebte, war überwältigend. Wie ein schwarzer Teppich mit kleinen Kuppeln sahen die Köpfe der Hunderttausenden Teilnehmer aus. Sichtbar war, dass sich unter ihnen auch viele aus den südlichen Teilen der Stadt befanden, aus den Blechbaracken und den Slums."1

Demonstranten stellen sich 1979 mutig dem Militär des Schah entgegen (Foto: Bilinmiyor)
Demonstranten stellen sich 1979 mutig dem Militär des Schah entgegen (Foto: Bilinmiyor)

In Kürze:

  • Im Januar 1979 wurde das reaktionäre iranische Schah-Regime durch einen Volksaufstand hinweggefegt
  • Um die Revolution niederzuschlagen, förderten die Imperialisten islamisch verbrämte faschistische Kräfte
  • Eine neue Revolution gegen das heutige faschistische Regime steht an

Fieberhaft waren vor allem die US- und britischen Imperialisten bemüht, die revolutionäre Entwicklung niederzuschlagen. Sie griffen dazu auf reaktionäre islamisch verbrämte Kräfte zurück.

 

Der bei Paris im Exil lebende Ayatollah Chomeini wurde mit Hilfe westlicher Medien zum Führer der iranischen Revolution aufgebaut. Demagogisch unterstützte Chomeini zunächst die Arbeiterkämpfe, rief zu ihrer Fortsetzung auf. Um die Massen zu täuschen, erweckte er den Anschein, als ob auch er für demokratische Rechte sei.

Tausende Revolutionäre liquidiert

Doch er und seine Gefolgsleute schufen eine konterrevolutionäre Terrororganisation, die sich auf eine Massenbasis rückschrittlicher Kleinbürger stützte und die hierarchischen Strukturen islamischer Religionsgemeinschaften ausnutzte. Sie arbeitete mit dem US-Geheimdienst zusammen und liquidierte Tausende von Revolutionären. Arbeiterorganisationen wurden verboten. In dem Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" findet sich ein äußerst interessanter Abschnitt zu diesem Thema. Darin wird ausgeführt:

Missbrauch religiöser Traditionen

"Der konterrevolutionäre Terror warf die revolutionäre Arbeiter- und Volksbewegung nieder; im Iran wurde eine faschistische Diktatur errichtet. Allein in den ersten zehn Jahren ließ das iranische Regime mehr als 20.000 politische Gefangene hinrichten, darunter die Mehrheit revolutionärer Führer und Aktivisten der Revolution von 1979. ... Das Regime missbraucht religiöse Traditionen des Islam und fördert die Wiederbelebung mittelalterlicher Bräuche des 'islamischen Rechts', macht sie zum Bestandteil staatlichen Terrors. Die besondere Unterdrückung der Frau wird extrem verschärft ...

 

Regimes wie der sogenannte 'Gottesstaat' im heutigen Iran werden mit Bezeichnungen wie 'politischer Islam' oder 'Islamismus' belegt. Diese sind jedoch irreführend, weil sie die wahren Ursachen und politischen Triebkräfte der religiös-fundamentalistischen Form des faschistischen Terrors verschleiern. Nicht die Religiosität großer Teile der Massen oder gar politisches Engagement religiöser Menschen  ist wesentlich; der Faschismus ist auch im Iran der größte Feind der Massen, weil er das Herrschaftssystem der reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals ist." (mehr dazu)

Diese Bewegung unterschätzte die Kräfte der Reaktion

Iranischer Revolutionär

Ein iranischer Revolutionär, der zur Zeit des Aufstandes vor 40 Jahren im Iran lebte, schreibt: „Das Leben der Arbeiterklasse und der Massen war unter dem Schah-Regime unerträglich. Es herrschte große Armut und eine große Aufstandsbewegung trat für den Sturz des Schah ein. Aber diese Bewegung unterschätzte die Kräfte der Reaktion. Es ist wichtig, daraus die richtigen Lehren zu ziehen: Jeder Aufstand braucht eine klare Perspektive für die Arbeiter und breiten Volksmassen. Heute müssen wir das faschistische Regime im Iran stürzen, wobei vor allem die Industriearbeiter die Hauptkraft bilden. Wir Kommunisten müssen vor allem für das sozialistische Ziel überzeugen.“

 

Zwar wendet sich der US-Imperialismus inzwischen gegen seine Zöglinge im Iran, aber nur, weil diese seinem Hegemonieanspruch entgegentraten und mittlerweile selbst eine neuimperialistische Macht geworden sind.

EU-Länder wollen an Geschäften mit Iran festhalten

In diesem  Sinne nützte das iranische faschistische Regime den "Revolutions-Tag" und verkündete unter anderem ein neues ballistisches Raketenprogramm. Die Fortsetzung der iranischen Aufrüstung war für die US-Regierung ein willkommener Anlass, aus dem mit Irans Präsident Hassan Rohani ausgehandelten Atomabkommen wieder auszusteigen. Dagegen versuchen die USA unter Trump erneut, ein US-höriges Regime zu installieren. Das verschärft die allgemeine Kriegsgefahr.

 

In Rivalität zur USA wollen führende EU-Länder das Abkommen aufrechterhalten. Deutschland, Frankreich und Großbritannien gründeten eine Zweckgesellschaft, um die US-Sanktionen zu umgehen. Das sogenannte Special Purpose Vehicle (SPV) mit dem Namen "Instex" wurde Ende Januar in Frankreich registriert. Im Aufsichtsrat sind hochrangige Diplomaten aus den drei Ländern vertreten, so Per Fischer, ehemaliger Commerzbank-Manager. Soviel zum Umgang der sich so demokratisch gebenden EU-Staaten mit dem faschistischen iranischen Regime.

"Die Massen im Iran haben die Nase voll"

Vria Aranan von der Kommunistischen Partei Irans (CPI) erklärte jüngst gegenüber der Roten Fahne: „Die Massen im Iran haben die Nase voll; sowohl von der USA als auch vom iranischen Regime. Sie wissen, dass das iranische Regime ohne ausländische Unterstützung nicht 40 Jahre lang die Menschen unterdrücken konnte. ... Dieses Jahr gab es bereits 6.000 Streiks. ... Wir müssen international gemeinsam kämpfen, gegen alle Imperialisten, ob USA, Deutschland oder Iran.“ (mehr dazu)