London

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Karl Marx' Grab geschändet

Am letzten Wochenende waren wir zu zweit für ein langes Wochenende in London. Selbstverständlich haben wir auch das Grab von Karl Marx besucht. Am Samstag konnten wir an der Camden High Street dazu auch noch rote Nelken kaufen.

Korrespondenz

Als wir dort ankamen, sahen wir die widerliche Schändung des Grabes von Karl Marx, seiner Frau und seines Sohnes. Davon, dass bereits ein paar Tage zuvor der Stein attackiert wurde, hatten wir nichts mitbekommen, und waren richtig erschüttert als wir ankamen. Der Stein war über und über mit roten Schriftzügen beschmiert, wonach Karl Marx ein „Architekt des Völkermordes 1917-1953“ gewesen sei, „Massenmörder“ usw. Den meisten Besuchern, die um diese Tageszeit noch sehr vereinzelt da waren, verschlug es  die Sprache. Man wusste gar nicht, ob man davon jetzt Fotos machen sollte, wo man Blumen niederlegen sollte, usw.

 

Eine Frau aus Chile, die mit einem zirka zehnjährigen Jungen da war, fragte uns, wie sie diese Bilder denn in Chile erklären solle. Eine ältere Dame aus London entschuldigte sich bei uns für diese Zerstörung. Sie fühlte sich verantwortlich. Einig waren wir uns, dass die Rechtsentwicklung der Regierungen reaktionäre, rechte Kräfte zu so etwas ermutigt. Die Schriftzüge und die dauerhafte Zerstörung der Marmorplatte zeigen, dass hier aggressivste Antikommunisten am Werk waren. Den Marxismus-Leninismus für 66 Millionen Tote verantwortlich zu machen ist ein beliebtes, verlogenes Argument des Antikommunismus, wonach die um Freiheit Kämpfenden an allen Toten die Ihre Unterdrücker zu Verantworten haben, schuld sind.

Säuberung des Grabs wird veranlasst

Der Friedhof wird von einer Stiftung unterhalten, der Besuch kostet zirka 4 Euro Eintritt. Das Grab von Karl Marx ist wahrscheinlich der größte Besuchermagnet. Dennoch wird die Säuberung und Erneuerung der Marmorplatte für diese Stiftung auch finanziell schwierig. Der Herr am Empfang sagte uns, sie würden dies aber veranlassen, über weitere Spenden freuen sie sich.

 

Unter der roten Schmiererei war der Aufruf von Karl Marx in goldenen Buchstaben immer noch gut zu lesen: „Workers of all Countries unite“ Da haben wir auch unsere Nelken niedergelegt, und waren uns einig: Daran werden wir weiter arbeiten!