Göttingen

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Protest gegen Einmischung in Göttinger Friedenspreis

Auf Druck der reaktionären Israel-Lobby haben die Göttinger Sparkasse und die Göttinger Universität die Unterstützung des Friedenspreises der Stadt zurückgezogen. Er soll an die Organisation "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" verliehen werden.

Prof. Dr. Christian Jooss

Immer mehr Kritiker an dieser Entwicklung melden sich zu Wort, darunter auch Prof. Dr. Christian Jooss, Hochschullehrer am Institut für Materialphysik, Universität Göttingen:

 

"Als Hochschullehrer an der Universität Göttingen möchte ich meinen Einspruch und Protest zum Ausdruck bringen, dass sich die Universität Göttingen derart in die Entscheidung des Preiskomitees der Röhl-Stiftung einmischt und sogar laut mir bekannten Presseinformationen die Bereitstellung eines Raumes für die Preisverleihung an die "Jüdische Stimme für Frieden in Nahost" verweigert.

 

Damit fällt sie den vielen jüdischen und arabischen Menschen in den Rücken, die sich in Kritik an der ultrarechten Regierungspolitik in Israel für Frieden und Völkerverständigung einsetzen. Das widerspricht dem Leitbild der Universität Göttingen, in dem es heißt: 'Die Georg-August-Universität will zur Verwirklichung der Gleichberechtigung und zur Überwindung aller dem entgegenstehenden geschlechtsbedingten, ethnischen, kulturellen, sozialen und religiösen Benachteiligungen beitragen'

 

und

'... definiert die Georgia Augusta heute ihr Selbstverständnis und ihren Auftrag. In Erinnerung an das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus fühlt sie sich verpflichtet, ihre Kräfte für die Gestaltung einer humanen, toleranten und friedlichen Welt einzusetzen.'

 

Scheinbar ist es heute möglich, dass reaktionäre und ultrarechte Kreise in Israel mit der Keule des angeblichen Antisemitismus die Möglichkeit der Kritik an ihrer Politik innerhalb der Universität Göttingen im Rahmen einer solchen Preisverleihung zum Verstummen bringen. Warum lässt sich das Präsidium einer Universität derart unter Druck setzen? Hier soll doch nur erreicht werden, dass jede Form der Kritik an der Regierungspolitik in Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt und diffamiert wird.

 

Ich möchte Sie bitten, Ihre Entscheidung zu überdenken und werde meinen Widerspruch hiermit auch öffentlich machen."