Lichtenfels

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Zum Volksbegehren "Rettet die Bienen"

Ein Leser stellte "Rote Fahne News" einen Brief zur Verfügung, den er an die "Neue Presse" in Oberfranken geschrieben hat.

Leserbrief

In der Diskussion um das Volksbegehren wird immer wieder ein künstlicher Gegensatz aufgebaut zwischen den Landwirten und den Umweltschützern. Das halte ich für grundfalsch. Das Artensterben bedroht unser aller Ernährungsgrundlage und damit auch die Existenz der Bauern. Ich bezweifle zudem, dass der Bauernverband (DBV) die Interessen aller Bauern vertritt, insbesondere die der Klein- und Mittelbauern. Nicht umsonst ist ein Großteil der Milchbauern aus dem DBV ausgetreten und hat sich im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM e.V.) organisiert.

 

Eng verflochten ist der DBV mit der Agrarindustrie. Im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft in der Claire-Waldorf Straße in Berlin ist nicht nur der DBV ansässig, sondern gleich auch die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Zum BVE gehören Nestlé, Unilever, Nord- und Südzucker, sowie die Fleischriesen Tönnies und Westfleisch. Im Vorstand des im gleichen Gebäude ansässigen Bundes für Lebensmittelrecht und Lebenskunde (BLL) sitzen sie alle zusammen - die Vertreter von Unilever, Nestlé, Südzucker, Rewe und Edeka und - wen wundert es - der DBV-Vizepräsident Werner Hilse.

 

Fazit: Es geht hier nicht um den Gegensatz Artenschutz und Bauern, sondern um Artenschutz  contra Chemie- und Agrarindustrie. Die Diskussion über den Gegensatz Volksbegehren und Interessen der Bauern lenkt ab von den Ursachen des Artensterbens, die im maßlosen Profitstreben dieser Konzerne liegt. Dem fallen nicht nur der Umweltschutz, sondern auch die Existenz vieler Klein und Mittelbauern zum Opfer. Ihnen werden von den gleichen Konzernen, vor deren Karren sich die Bauernverbandsfunktionäre spannen lassen, Erzeugerpreise diktiert, welche die Vernichtung ihrer Existenz bedeuten.