Ungarn

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Audi-Streik beflügelt weitere Belegschaften zum Kampf

Die ungarische Tageszeitung Népszawa berichtete in der letzten Woche, dass der erfolgreiche Streik der 10.000 Kolleginnen und Kollegen bei Audi in Ungarn die Belegschaften in einer Reihe von Automobilzulieferbetrieben mobilisiert hat, ebenfalls offensive Forderungen nach Lohnerhöhung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erheben.

Korrespondenz aus Gelsenkirchen

So traten beim Reifenhersteller Hancook in Dunaijváros mit 3.100 Beschäftigten letzten Dienstag/Mittwoch die Nacht- und Frühschicht in zweistündige Warnstreiks für eine 18-prozentige Lohnerhöhung. Sie hatten sich auch durch die Drohung der Geschäftsleitung mit Entlassungen und Rauswurf aus betriebseigenen Wohnunterkünften nicht davon abhalten lassen.

Betrugsmanöver abgelehnt

Ein betrügerischer Versuch der Geschäftsleitung, die Kolleginnen und Kollegen am Donnerstag mit einer geringeren Lohnerhöhung abzuspeisen, wurde von der Gewerkschaft postwendend abgelehnt. Bei genauerem Nachrechnen war klar, dass das nur 6 Prozent bedeutet hätte. Bis Sonntag um 24 Uhr stellten sie ein Ultimatum für die volle Erfüllung ihrer Forderung. Andernfalls soll in Kalenderwoche 11 mit einem regulären gewerkschaftlichen Streik begonnen werden.

 

Auch beim Autozulieferer Westcast in Oroszlany mit 1.500 Beschäftigten wird die Forderung nach 18-prozentiger Lohnerhöhung erhoben. Bei Nichterfüllung ist für diese Woche ein Streik angekündigt. Beim Autozulieferer Conti in Veszprém mit 1.200 Beschäftigten lautet die Forderung auf 12 Prozent Lohnerhöhung.

Massenhaft Gewerkschaftsbeitritte

Die Geschäftsleitung hat die Erfüllung dieser Forderung mit einer umfassenden Neueingruppierung der Belegschaft verbunden, sodass zum Beispiel Facharbeiter zu angelernten Arbeitern zurückgestuft werden. Danach sollen 700 Kolleginnen und Kollegen überhaupt keine Lohnerhöhung oder sogar Abzüge erhalten, die restlichen sollen mit 5 bis 6 Prozent abgespeist werden.

 

Es wird berichtet, dass Arbeiter massenhaft der Gewerkschaft beitreten. So waren es 500 Hancook neue Mitglieder. Dies zeugt von einem erwachenden Klassenbewusstsein. Bisher waren nur 30 Prozent der Belegschaften oder gar weniger in der Gewerkschaft organisiert.

Ungarns Arbeiter brauchen länderübergreifende Solidarität

Es ist notwendig, dass sich die deutschen Industriearbeiter, insbesondere in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie mit ihren ungarischen Kolleginnen und Kollegen solidarisch erklären und ihnen den Rücken stärken. Die ungarische Arbeiterbewegung muss zum Rückrat der oppositionellen gesellschaftlichen Massenbewegung gegen das faschistoide Orbán-Regime werden.

 

Am 15. März, dem Nationalfeiertag anlässlich des Aufstands in Ungarn gegen die österreichischen Besatzungstruppen im Jahre 1848, wird von bürgerlich-demokratischen oppositionellen Kräften zu einer großen Demonstration in Budapest gegen den ganzen, offen reaktionären Kurs der Orbán-Regierung aufgerufen.