Stahlindustrie

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„Gewarnt ist jetzt genug – jetzt muss gestreikt werden“

Von Warnstreikaktionen der Stahlarbeiter in der aktuellen Tarifrunde, die gestern stattfanden, berichten Korrespondenten aus Bochum und Duisburg.

Korrespondenzen
„Gewarnt ist jetzt genug – jetzt muss gestreikt werden“
Bei der Warnstreikaktion in Duisburg (Foto: RF)

Aus Bochum wird berichtet: "In allen fünf Stahlwerken gab es Warnstreiks: bei TKS Essenerstraße, TKS Castroperstraße, Stahlwerk Bochum, Doncaster und Bochumer Verein Verkehrstechnik¹. Bei TKS Essenerstraße versammelten sich ca. 300 Kollegen am Tor Süd. Zugleich wurden mit Werkschutzautos alle Tore blockiert, kein Raus und kein Rein war mehr möglich.


Es herrschte eine kämpferische Stimmung. Trotz heftigem Regenguss versammelten sich die Kolleginnen und Kollegen am Tor, wo die Aktivisten der MLPD mit vielen von ihnen diskutierten.

Viele sind für 24-Stundenstreiks, Urabstimmung und Streik

„Wir müssen unsere Forderungen durchkämpfen“, war eine gemeinsame Richtung. Die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich wurde einhellig zugestimmt, vor allem auch, sie im konzern- und branchenübergreifenden gemeinsamen Kampf durchzusetzen. Die Pläne zur massenhaften Arbeitsplatzvernichtung in der Stahl- und Autoindustrie sowie anderen Branchen betreffen alle Industriearbeiter. Angesichts dessen entwickelt sich zunehmend das Bewusstsein, als Klasse zu kämpfen.


Der Notwendigkeit von 24-Stundenstreiks, Urabstimmung und Streik zum vollen Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft stimmten viele Kollegen zu. Aber es war nicht klar, wie das organisiert werden kann. Da war es wichtig, dass die MLPD genau die Arbeiterpartei ist, die mit ihrem Know-how Kämpfe fördern, organisieren und führen kann.

"Für die Zukunft der Jugend bin ich aktiv"

Viele nahmen ernsthaft den Flyer „Arbeitszeit im Fokus“ oft zusammen mit dem Faltblatt „Ungewöhnliche Zeiten erfordern mutige Entscheidungen": „Ich werde es durchlesen.“ Mit einzelnen Kollegen wurden neue Kontakte geknüpft. „Ich habe keine Zeit dafür“ war bei einigen auch die Reaktion.

 

Einer sagte: „Ich muss nicht mehr lange arbeiten, aber für die Zukunft der Jugend bin ich aktiv.“ Auf die Antwort „Also nimmst du dir doch Zeit, um für die Zukunft zu kämpfen - gegen die Ausbeutung und Unterdrückung“ sagte er: „Eigentlich ja, ich überleg es mir.“

Kein Auto und kein Lkw kam rein oder raus

Und im Bericht aus Duisburg heißt es: "Bei tkSE in Duisburg Hamborn-Beeckerwerth standen die Warmbandwerke 1 und 2 sowie die Kaltwalzwerke 1 und 2 still. In der Hauptwerkstatt und in anderen Betrieben arbeitete niemand. Auch Angestellte waren mit raus an die Tore gekommen – allerdings noch in kleiner Zahl. Jeweils zwischen 200 und 400 Kolleginnen und Kollegen standen an den Toren – insgesamt rund 1.200 – und ließen kein Auto und erst recht keinen Lkw rein oder raus. Neben den Frühschichtlern waren auch Kollegen der Mittagsschicht und von Freischichten dabei.

 

Die Stimmung trotz Wind und Regen war gut. Einige Kollegen hielten Zettel hoch mit „24-Stundenstreik – Jetzt!“ In Gesprächen kam die Meinung vermehrt auf: „Warum erst einen 24-Stundenstreik? Gleich unbefristeter Streik!“ Gleichzeitig war auffällig, dass die Vertreter der Ortsverwaltung und der Tarifkommission weder die Begriffe "24-Stundenstreik" noch "Urabstimmung" oder gar "Vollstreik" in den Mund nahmen. 

Streik an der Basis vorbereiten - wie geht das?

Das bestärkte dann in Diskussionen einzelner Gruppen die Erkenntnis, dass der Streik von der Basis her vorbereitet werden muss. Dabei zeigte sich dann, dass vielen Kollegen nicht klar war, was das alles beinhaltet. Um so begieriger griffen einigen von ihnen auf, wie das vor 40 Jahren beim großen Stahlarbeiterstreik organisiert wurde: Der Streik findet an den Toren statt, Streikschicht ist wie Arbeitsschicht, Schichtleiter werden gleich zu Anfang gewählt, zu Schichtwechsel werden Besuche von Familien und aus dem Stadtteil organisiert. Das waren nur einige der Hinweise, die die Runde machten.

 

Viel Spott kam auf, als der Grund für die Vertagung der heutigen Tarifgespräche bekannt gegeben wurde – Krankheit von Herrn Gos, Verhandlungsführer der Stahlkapitalisten und seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von tkSE.

 

Als um 13 Uhr der Warnstreik geordnet beendet wurde, war die allgemeine Stimmung: „Wenn wir nächstes Mal rausgehen, dann aber als ordentlicher Streik.“ Oder wie ein Kollege sagte: „Gewarnt ist jetzt genug – jetzt muss gestreikt werden!“