Neuseeland

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Wut und Trauer über faschistisches Massaker

Am Freitag hat in der neuseeländischen Stadt Christchurch ein faschistischer Terrorist in zwei Moscheen mit Schnellfeuerwaffen ein Massaker angerichtet. 50 Menschen starben, mehr als 30 werden mit zum Teil sehr schweren Verletzungen in Kliniken behandelt. Wahrscheinlich alle Opfer, auf jeden Fall die Mehrheit, waren muslimischen Glaubens.

Von gis
Wut und Trauer über faschistisches Massaker
Demonstration im australischen Sydney gegen reaktionäre Flüchtlingspolitik (screenshot)

Unter den Massen in Neuseeland herrschen Entsetzen und große Trauer. Die MLPD spricht den Angehörigen der Todesopfer ihr tiefes Mitgefühl aus und wünscht den Verletzten in ihrem Kampf um Überleben und Genesung Kraft und Solidarität.

Opfer waren Flüchtlinge und Migranten

Viele der Opfer waren Migrantinnen und Migranten; sie kamen aus Bangladesh, aus Pakistan, aus Afghanistan und Indien. Auch mehrere Flüchtlingsfamilien aus Syrien waren in einer der beiden Moscheen, in denen der 28-jährige faschistische Terrorist Brenton Harrison Tarrant, der aus Australien stammt, ein Blutbad anrichtete. Die neuseeländische Regierung unter Premierministerin Jacinda Ardern grenzt sich zwar von der ultrareaktionären Flüchtlingspolitik des fachistoiden australischen Premierministers Malcolm Turnbull ab, der Flüchtlinge in Lager auf entlegenen Pazifikinseln einsperrt. Sie setzt jedoch wie die deutsche Bundesregierung auf eine rigide Zuzugsbeschränkung, will nur gut ausgebildete Migranten für den Arbeitsmarkt ins Land lassen und macht dafür Stimmung. So schuld- und ahnungslos, wie sie beteuert, ist sie nicht.

 

Die Masse der Menschen in Neuseeland sind antifaschistisch eingestellt, sind stolz auf das friedliche Zusammenleben der Menschen aus vielerlei Ländern, wollen dies unbedingt verteidigen und wenden sich entschieden gegen Rassismus.

Faschistische Gesinnung als Tatmotiv außer Zweifel

Am Freitag waren außer Tarrant vier weitere Personen verhaftet worden. Inzwischen spricht die Polizei wieder von einem Einzeltäter, die anderen Verhaftungen stünden nicht im Zusammenhang mit dem Verbrechen. Das wirft Fragen auf. Wer sind die anderen Personen, warum wurden sie verhaftet? Jedes Mal, wenn nach einem faschistischen Massaker von Einzeltätern die Rede war, entpuppte sich dies früher oder später als Lüge: Beim Oktoberfest-Attentat, wo die "Wehrsportgruppe Hoffmann" dahinter steckte; beim faschistischen Attentat 2016 im Olympiaeinkaufszentrum in München, wo Landeskriminalamt und Inlandsgeheimdienst monatelang steif und fest behaupteten, ein politisches Motiv sei nicht auszumachen. Dies im offensichtlichen Widerspruch zu Enthüllungen über die rassistische und faschistische Gesinnung des Terroristen David S.

 

An der faschistischen Denkweise als Tatmotiv gibt es im Fall von Tarrant keinen Zweifel. Er hat selbst ein 74-seitiges Pamphlet veröffentlicht, in dem er seine durch und durch menschenverachtende, rassistische, faschistische Gesinnung darlegt und als Grundlage seiner seit zwei Jahren vorbereiteten Tat bezeichnet. Sein Vorbild dabei sei der norwegische Massenmörder Anders Breivik gewesen, der 2011 bei faschistischen Massakern 77 Jugendliche ermordet hatte. Von diesem habe er Tipps bekommen; ob bei einem Zusammentreffen oder auf anderen Wegen, bleibt bisher im Dunkeln. Tarrant sieht die "weiße Rasse" bedroht. Er bezeichnet sich selbst als Faschisten; er gehöre einer wachsenden internationalen faschistischen Bewegung an. Also von wegen Einzeltäter! Die Neofaschisten sind nicht nur über Online-Plattformen vernetzt, Tarrant hat sich bei Europareisen mit Neofaschisten in Frankreich, Großbritannien und möglicherweise weiteren Ländern getroffen. Als Australier sei er in Neuseeland kein Einwanderer, schreibt er. Auch ein Österreicher sei ja in Bayern kein Ausländer!

Demagogie: Er sei ein "Kind der Arbeiterklasse"

Er sei ein "normaler weißer Mann" aus Australien, sei ein Kind der Arbeiterklasse, behauptet er. Was hat dieser Faschist mit der Arbeiterklasse zu tun? Die internationale Arbeiterklasse hat einen eindeutigen Standpunkt gegen jede Aufteilung von Menschen in solche erster und zweiter Klasse. Die internationale Arbeiterklasse ist die Speerspitze im Kampf gegen Faschismus und Reaktion. Abgesehen davon: Woher hatte Tarrant die finanziellen Mittel für kostspielige Europareisen? Was war mit ihm in Australien los, warum musste er das Land verlassen?

Rassismus und Chauvinismus - Bestandteile der faschistischen Ideologie

In vielen Medien wird das faschistische Papier von Tarrant als "irre", "voller kruder Ideen" und ähnlich bezeichnet. Das geht am Kern vorbei. Nachdem jahrelang meist über islamistisch-faschistischen Terror berichtet wurde, fehlt es manchen Medienschaffenden offenbar an Urteilskraft. Der Faschismus ist keine dämonische Bosheit einzelner Verbrecher, er ist Ausdruck des rücksichtslosen Strebens des Imperialismus nach Verteidigung und Ausdehnung seiner ökonomischen und politischen Macht. "Fester Bestandteil der faschistischen Ideologie", so Stefan Engel in "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution", "sind deshalb immer Rassismus und Chauvinismus. Diese Ideologien sollen auf demagogische Weise Ausbeuter und Ausgebeutete, Herrschende und Beherrschte eines Landes höherwertug erscheinen lassen und die Klassenwidersprüche versöhnen, indem andere Völker, Religionen oder Nationalitäten diskriminiert, als minderwertig dargestellt werden. Solche Hetze zielt auch darauf ab, die Massen zu spalten ... Die Ideologie der 'arischen Herrenrasse' diskriminierte andere Nationalitäten und Rassen als 'Untermenschen' sowie Behinderte und Homosexuelle als minderwertig, die sich der Herrenrasse zu unterwerfen hatten und andernfalls liquidiert werden mussten" (S. 247f).

Ungehinderte Verbreitung

Zu einem Gerichtstermin wurde Tarrant in Handschellen und weißer Häftlingskleidung geführt. Dabei zeigte er ein Handzeichen in die Kameras, das als Geste für "White Power" gilt, der offene rassistische Überlegenheitsanspruch. Der Täter hatte seine Tat mit einer Helmkamera live im Internet übertragen. Das Video ist 17 Minuten lang und kursiert auf verschiedenen Plattformen. Unter anderem über das ultrareaktionäre Online-Forum "8chan" bilden Reaktionäre und Faschisten international Netzwerke, garantiert unter Beobachtung von Geheimdiensten. Hier hat Tarrant, der jetzt offenbar ein Propaganda-Gerichtsverfahren anstrebt, schon seit Längerem faschistische Postings abgesetzt. Mit der Auffassung, es handle sich um krude Ideen einzelner Irrer wird der weltanschauliche Kern der faschistischen Ideologie völlig verharmlost.

Wehret den Anfängen!

In vielen Ländern begünstigt die Rechtsentwicklung der Regierungen die Entstehung und das Wachstum neofaschistischer Banden und Netzwerke. In Australien gibt es zum Beispiel "Bürgerwehren", die gezielt gegen Afrikaner vorgehen. Vom Staat werden diese Bürgerwehren nicht behelligt. Zu Recht werfen die Genossen der Kommunistischen Partei Australiens (Marxisten-Leninisten) die Frage auf, wie Tratten zwei Jahre lang seine Tat vorbereiten konnte, ohne dass die internationalen Geheimdienste etwas davon merkten. In Deutschland, wo bürgerliche Politikerinnen und Politiker angesichts des Massakers jetzt wieder Krokodilstränen vergießen, agiert der Inlandsgeheimdienst vorrangig gegen Linke. In München konnte sich eine unheilige Allianz von Neonazis und Polizei in der Spezialeinheit USK bilden.

 

Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda! Dafür tritt die MLPD seit 1982 ein und dafür wird die Internationalistische Liste/MLPD in ihrem Europawahlkampf eintreten.