Mobilfunklizenzen

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Um was geht es wirklich bei 5G?

Derzeit konkurrieren die Telekomunikationskonzerne Telekom, Vodafone, Telefónica und die zu United Internet (1&1) zählende Drillisch Netz bei der Auktion durch die Bundesnetzagentur um die Vergabe von 41 Frequenzblöcken des superschnellen Mobilfunkstandards 5G.

Von dr
Um was geht es wirklich bei 5G?
Mit 5G steigt der Elektrosmog durch Mobilfunkmasten weiter an (foto: Niwre (CC BY-SA 3.0))

Der „Standard der fünften Generation“ (5G) ist etwa hundertmal schneller als die vierte Generation LTE (4G), ermöglicht Datenübertragung fast in Echtzeit und soll ab 2021 genutzt werden können.

Schnelles Internet für alle?

Die Versprechung eines schnelleren Internet für alle ist jedoch ein riesiges Märchen. Die Auflage an die Mobilfunk-Konzerne bei der Auktion, weiße Flecken in der Versorgung zu beseitigen, erweckt den Eindruck, als gehe es mit 5G vor allem um eine verbesserte und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung ohne Funklöcher.

 

Das Gegenteil ist der Fall. Tatsache ist, dass die bei der Auktion angebotenen 5G-Frequenzen für eine flächendeckende Versorgung gar nicht in Frage kommen. Sie haben zwar eine hohe Übertragungs-Kapazität, aber nur eine geringe Reichweite von 1.000 Metern. 

 

„Jetzt wird das Spektrum bei 3,6 Gigahertz versteigert. Das ist allerdings wegen ungünstiger Ausbreitungsbedingungen für die Flächenversorgung gänzlich ungeeignet“, so Achim Berg, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. Anstelle der existierenden 60.000 bis 70.000 Funkmasten brauche man im 3,6er Band rund 800.000 Funkmasten, um 98 Prozent der Haushalte mit 5G zu versorgen, rechnet Berg vor. „Deutschland müsste im Abstand von je einem Kilometer mit Funkmasten gespickt und schachbrettmusterartig aufgebaggert oder aufgefräst werden."

Flächendeckende Versorgung nicht maximalprofitbringend

Daran haben vor allem die Konzerne kein Interesse, weil es mit hohen, aber wenig profitablen Investitionen verbunden wäre. Zur Realisierung von 5G müssen die einzelnen Mobilfunkmasten auch über ein Glasfasernetz als Basisnetz untereinander verbunden werden. Bisher war geplant, dass der Erlös aus der 5G-Versteigerung in dessen Aufbau investiert wird - eine gigantische staatliche Subventionierung der Telekommunikationskonzerne. Ob er allerdings dafür ausreicht und vollständig dafür verwendet wird, ist fraglich. 

 

Bei den 5G-Invesitionen geht es in Wirklichkeit nur um die Profitinteressen der kapitalistischen Industrie und vor allem der internationalen Monopole. Mobilfunk- und Autokonzerne, Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft drängen seit langem auf die schnelle Einführung von 5G für ihre profitablen neuen Geschäfte mit der Digitalisierung von Produktion, Verteilung, Kommunikation und Gesellschaft.

 

Und die Vorgabe der Bundesnetzagentur, mit dem neuen Netz insbesondere die Autobahnen und Bundesstraßen vollständig abzudecken, zielt auf die Vorbereitung der Infrastruktur für das "autonome Fahren". Dieses baut auf der Vernetzung aller beteiligten Fahrzeuge via Internet auf.

Krebsrisiko und Gesundheitsschäden nehmen zu

Die damit verbundenen Gesundheitsgefahren werden heruntergespielt und missachtet. Schon 2011 ordnete die Internationale Krebsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die elektromagnetische Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend“ ein. In einer Studie des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP) mit intensiver Mobilfunkstrahlung ausgesetzten Ratten entwickelten diese Herztumore.

 

Epidemiologische Studien zeigen eine erhöhte Frequenz an Gehirntumoren (Gliome), Erbgutveränderungen und Einfluss auf weitere Krebsarten. Elektrosensible Menschen leiden an Schwindel, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit und Depressionen.

"Technikfolgenabschätzung" frühestens bis 2020

Peter Hensinger, zweiter Vorsitzender von "diagnose:funk Deutschland", erläutert: "Es gibt fünf Untersuchungen zu 5G mit besorgniser­regenden Ergebnissen: Mikrowellenstrahlung  im Millimeterwellenbereich – in dem das hochfrequente 5G arbeiten soll, also 27 GHz und 60 GHz, koppelt sich über Hautdrüsen in den Organismus ein, mit unkalkulierbaren Risiken. ...

 

Das Büro für Technikfolgen­abschätzung des Bundestages teilte dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit, dass eine Technikfolgenabschätzung zu 5G frühestens im Jahr 2020 vorliegen wird – dann, wenn alle Frequenzen versteigert sind und die Technik bereits in der Anwendung ist ... Die gesundheitsschädigenden Folgen von 5G sind aber jetzt schon bekannt!"1

Umfassende schädliche Folgen für Mensch und Natur

Die mit 5G verknüpfte Digitalisierung wird auch den Energieverbrauch explodieren lassen. Die Herstellung der IT-Geräte führt zu einer enormen Vergeudung wertvoller Rohstoffe und Vermüllung der Welt mit Elektroschrott. In der von den Internet-Konzernen geplanten Zukunftswelt der "Smart City" werden die Tätigkeiten der Menschen über das Internet vollständig erfasst und überwacht.

 

Mit den selbstfahrenden Autos wollen die Autokonzerne den Individualverkehr auf die Spitze treiben. Der vermeintlich "freie Autofahrer" wird dann durch eine hochentwickelte vernetzte Steuerung an sein Ziel gebracht, was mit einem gut ausgebauten öffentlichen Verkehrssystems genauso möglich wäre - allerdings umweltfreundlich und resourcenschonend.

Erbitterte Vernichtungsschlacht

Die "friedlich" anmutende Versteigerungsaktion überdeckt die erbitterte Vernichtungsschlacht, die unter den Telekommunikationskonzernen herrscht. Die tobt nicht nur um die Frequenzen, sondern auch um den Zuschlag für den Aufbau der Infrastruktur. So wollen offenbar alle drei bisherigen Netzbetreiber - Drillisch verfügt bisher noch nicht über ein eigenes Netz - Ausrüstung des chinesischen Konzerns Huawei dafür einsetzen.2

 

Die US-Regierung setzt die Bundesregierung seit Wochen massiv unter Druck, das Telekommunikationsgesetz so zu ändern, dass Huawei davon ausgeschlossen wird. US-Botschafter Richard Grenell drohte Wirtschaftsminister Peter Altmaier sogar mit einer Einschränkung der Geheimdienstzusammenarbeit, falls er dem nicht Folge leistet.

 

Hintergrund ist der Handelskrieg, den sich der US-Imperialismus unter anderem mit dem neuimperialistischen China liefert, um den Rückfall im Konkurrenzkampf wieder aufzuholen. Die Begründung, dass Huawei seine Technik auch zu Spionagezwecken nützen könne, blendet allerdings aus, dass die Telekommunikationskonzerne der USA und Europas ebenfalls eng mit den Geheimdiensten ihrer Länder kooperieren. 

Paradigmenwechsel für den Einsatz der Technik im Sozialismus*

Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Ärztinnen, Ärzte und Gesundheitsorganisationen auf der ganzen Welt fordern in verschiedenen Aufrufen von UN, WHO, EU und Bundesregierung den Stopp des 5G-Mobilfunknetzausbaus.

 

Die MLPD fördert die Erkenntnis, dass unter kapitalistischen Verhältnissen der technische Fortschritt in den modernen Kommunikationstechniken zu einer Destruktivkraft wird.* Er dient heute allein dem Drang internationaler Übermonopole nach Beherrschung des Weltmarktes zur Maximierung ihrer Profite.3

 

Zur Nutzung der fortschrittlichen Entwicklung der Produktivkräfte zum Wohl der Menschheit bedarf es einer befreiten Gesellschaft, den echten Sozialismus.* Dann wird genau geprüft werden, welche Technologien sinnvoll und ungefährlich sind. Ihr Einsatz wird nur unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen.

 

* Zu diesem Artikel, insbesondere den letzten beiden Passagen, erreichte die Redaktion eine grundsätzliche Kritik ...

... vor allem an der Aussage, "dass die Produktivkräfte nichts Fortschrittliches und Revolutionäres mehr an sich hätten, sondern nur noch Destruktivkräfte seien" - und deshalb nur noch im Sozialismus sinnvoll nutzbar wären (die ganze Kritik lesen).