Mülheim an der Ruhr, Düsseldorf, Frankfurt am Main

Mülheim an der Ruhr, Düsseldorf, Frankfurt am Main

Fridays for Future: Intensive Auseinandersetzungen

Wieder gingen am gestrigen 29. März 45.000 bis 50.000 Schülerinnen, Schüler und Eltern in 40 Städten auf die Straße.

dr / Korrespondenten
Fridays for Future: Intensive Auseinandersetzungen
Impression vom Fridays-for-Future-Protest am gestrigen 29. März in Gelsenkirchen (rf-foto)

Die Demonstration in Berlin mit 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war bunt, kämpferisch und internationalistisch mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Dänemark und Schweden. In München beteiligten sich 800 Menschen, in Stuttgart 300, in Frankfurt 1100, in Düsseldorf 500, in Köln 400 und Leipzig 200. Gestern riefen Initiativen auch in mindestens 20 kleineren Städten zum Teil erstmals auf; inzwischen finden in unterschiedlichen Abständen in 350 Städten Aktionen statt. Auffällig ist, dass immer wieder neue Leute dazukommen, andere pausieren usw. 

Schülerinnen und Schüler finden wachsende Unterstützung

Die Unterstützung von fortschrittlichen Eltern, Großeltern, Lehrerinnen und Lehrern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Bäuerinnen und Bauern nimmt kontinuierlich zu. In einem offenen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Schulministerin Yvonne Gebauer kündigten die Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer der Winrather Talschule (Velbert, NRW) an, dass sie weder Strafandrohungen noch Strafen aussprechen wollen, wie in einem Erlass gefordert. In Geesthacht (Schleswig-Holstein) demonstrierten 700 Kita-Kinder mit ihren Betreuerinnen und Betreuern und übergaben dem Bürgermeister ein selbstgebasteltes „Müllmonster als Mahnung“. In Frankfurt am Main übten erstmals drei Opelaner mit IG Metall-Fahnen Solidarität, in Duisburg beteiligte sich ein Stahlarbeiter und in Stuttgart rief eine Automobilarbeiterin die Demonstranten auf, vor Daimler als einem Hauptverursacher der Klimakatastrophe zu demonstrieren, was großen Beifall bekam. Das Zusammengehen von Arbeiter- und Umweltbewegung hat Zukunft. Die Aufforderung, am 1. Mai mitzudemonstrieren, stieß oft auf große Zustimmung.

Berichte von den Aktionen

Auch diesmal schrieben wieder viele Korrespondentinnen und Korrespondenten von den Aktionen: Aus Mülheim an der Ruhr wird berichtet: „Es waren etwas weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer als letzte Woche; die Stimmung war genauso kämpferisch, viele selbst gemachte Schilder prägten das Bild. Neu war, dass wir von einigen Ordnern, darunter stadtbekannte Grüne, massiv angegangen und regelrecht abgedrängt wurden. Sie verlangten, erfolglos, unser Schild mit der Aufschrift 'Arbeitsplätze und Umweltschutz, Internationalistische Liste / MLPD' abzunehmen und hinderten uns daran, das aktuelle Flugblatt zu verteilen. 'Die Organisatoren wünschen keine Parteien, wir setzen das nur um. Macht doch eure eigene Demo!' Es ist nicht überraschend, dass das auf etliche Schüler wirkte, andere allerdings waren erst recht interessiert, nahmen es, ebenso die REBELL-Mitmachkarte und den Flyer zum Buch 'Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?' Sie hatten auch kein Verständnis dafür, dass dem Stahlarbeiter Hans Rommel das angekündigte offene Mikrofon verwehrt wurde. Die nächste Fridays-for-Future-Demo am 5. April ist für 10 Uhr angekündigt.“

 

Von einer besonderen Aktion in Leipzig wird berichtet: „Um 12.30 trafen sich die verschiedenen Schulen in den jeweiligen Stadtteilen, um Müll zu sammeln. Die Aktion wurde von den Städtischen Eigenbetrieben in Leipzig logistisch unterstützt. Mit Abfallbeuteln, Greifzangen und einem großen Fahrzeug wurden die Schülerinnen und Schüler ausgestattet, um zu sammeln. Ab 16 Uhr kamen ca. 200 Jugendliche zusammen und legten ihre 'Ausbeute' auf dem Augustusplatz ab. Es war so viel, dass die Stadtwerke ein zweites Mal fahren mussten. Es waren erwartungsgemäß weniger Leute als beim letzten Mal, aber die Stimmung war spitze und kämpferisch. Einige Redebeiträge wurden gehalten. Unter anderem wurden die Jugendlichen vom Leipziger Jugendparlament eingeladen. Dort stellten sie einen Antrag, in dem der Umwelt in Leipzig ab sofort höchste Priorität eingeräumt werden soll. Viel Beifall, aber auch Skepsis bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das Flugblatt von REBELL und MLPD wurde interessiert genommen und es gab keine Ausgrenzungsversuche. Nächste Woche wird wieder eine große Demo stattfinden, auf der die MLPD und der REBELL wieder dabei sein werden.“

 

Von einer interessanten Diskussion schreibt ein Korrespondent aus Düsseldorf, wo zirka 500 Jugendliche demonstrierten: „Zwei Schüler trugen ein selbst gemaltes Plakat, auf welchem unter anderem der AfD-Mann Gauland karikiert worden war. Auf der Plakatrückseite fand sich aber das durchgestrichene MLPD-Emblem mit dem Kommentar: 'Gegen Linksextremisten!' Diese seien auch nicht besser als die AfD. Ich sprach die beiden darauf an: 'Wie könnt Ihr ausgemachte Klimaskeptiker und Feinde eurer Anliegen mit einer Partei gleichsetzen, die Eure Ziele unterstützt?!' Daraufhin erklärten sie, dass sie nicht unter der MLPD-Fahne laufen wollen und dass doch die Demo wegen dieses Eindrucks der Beteiligung einer 'verfassungsfeindlichen Partei' kritisiert werden könnte. Nach einer kurzen Diskussion darüber, dass doch jede Partei, die die Demo-Ziele unterstützt, das Recht eingeräumt bekommen muss, sich erkennbar zu beteiligen und dass das noch nichts mit Bevormunden und Vereinnahmen zu tun hat, kamen wir auf die Frage, welche Positionen die MLPD wirklich hat. Das können die Schüler ja an der Organisationsfahne alleine noch nicht erkennen. Aber zum Beispiel aus dem neuesten Flugblatt. Als ich einräumte, dass die MLPD sicherlich gut daran tut, wenn sie ihre inhaltlichen Position auch auf einem Transparent für alle sichtbar macht, bekam ich zur Antwort: 'Das ist erstaunlich positiv, dass Sie unsere Kritik wirklich aufgreifen!' Eine Karte mit zehn Argumenten, um Mitglied im REBELL zu werden, nahm der Junge dann entgegen. Das Plakat mit der MLPD-feindlichen Rückseite blieb zusammengefaltet."

 

Aus Frankfurt am Main, wo ebenfalls einige Hundert Schülerinnen, Schüler, Studentinnen und Studenten zusammenkamen, berichtet der REBELL: „Wir verteilten das Flugblatt des REBELL, sprachen immer an: 'Hier auf dem Flugblatt steht: Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft, was haltet ihr davon?' Die große Mehrheit stimmte zu. Sechs Leute haben sich eingetragen, um uns näher kennen zu lernen“.