VW-Nutzfahrzeuge

VW-Nutzfahrzeuge

300 Vertrauensleute protestieren bei Betriebsversammlung in Hannover

Eine turbulente Betriebsversammlung gab es bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover am 12. März.

Korrespondenz

Die Belegschaft ist zurecht seit Monaten aufgewühlt, denn die VW-Kollegen im Werk Hannover sind eine der Belegschaften im Automobilbereich, die den Vorgeschmack auf die Vernichtung Tausender Arbeitsplätze infolge der Umstellung auf E-Mobilität auf kapitalistischer Grundlage schon erhalten haben.

VW-Vorstand vertragsbrüchig

In der erst im November ausgehandelten Standortvereinbarung hatte sich VW mit dem Betriebsrat darauf geeinigt, 5.000 Arbeitsplätze in den nächsten Jahren zu streichen und den VW-Transporter künftig nicht mehr in Hannover zu bauen, sondern in einer Kooperation mit Ford in der Türkei. Stattdessen soll Hannover zu einem Zentrum für E-Mobilität umgebaut werden.

 

Aber die Halbwertszeit von Versprechen zur angeblichen „Arbeitsplatzsicherung“ wird immer kürzer: Im Februar wurde dieser Vertrag durch VW wieder gebrochen – nach nur drei Monaten. Das vollelektrische E-Modell der neuen PKW-Variante des „Bullis“ soll nun doch nicht gebaut werden, weil man nun bemerkt habe, dass nicht ausreichend Entwicklungskapazitäten zur Verfügung stünden.

Ausgerechnet "Bulli"-E-Variante wird eingestampft

"Nachtigall, ick hör dir trabsen": Der Hintergrund ist wohl eher die erneute Verschärfung der Ausbeutungsoffensive, die Anfang März mit neuen Milliardeneinsparungen bekanntgegeben wurde (siehe Rote Fahne News). Dazu gehört auch eine Strategieänderung: um die Milliardeninvestitionen für E-Mobilität zu finanzieren, werden - im Unterschied zu den 2000er-Jahren - sämtliche Modellreihen eingestellt, die nur noch „geringe“ Stückzahlen ausmachen.

 

Dass ausgerechnet die E-Variante des „Bullis“ eingestampft wird, empörte die Kollegen und steht im Widerspruch zur derzeitigen Saubermann-Kampagne des Konzernchefs Herbert Diess.

Irreführung

So soll die Belegschaft angesichts des erneuten Vertragsbruchs und der Ausrichtung auf Ersatzprodukte beruhigt werden. VW und rechte Betriebsratsspitze haben versucht, die Kolleginnen und Kollegen auf die „VW-Familie“ einzuschwören. Die Verantwortung für die aktuelle Streichung von Modellen wurde an VW-Chef Diess und die VW-Zentrale in Wolfsburg abgeschoben.

 

Will man die Kolleginnen und Kollegen in die Irre führen? Als gäbe es zwei Richtungen in der VW-Führung: auf der einen Seite der „böse“ Konzernvorstand in Wolfsburg, auf der anderen Seite der Nutzfahrzeugvorstand, der mit der Belegschaft gemeinsam „um die Zukunft kämpfe“. Aber die Lehren von Opel bleiben lebendig und „Sedran, der Schließer“ ein geflügeltes Wort.

300 Vertrauensleute protestierten lautstark

Etwa 300 Vertrauensleute - weit mehr als erwartet - versammelten sich vor dem Podium mit IG-Metall-Fahnen, um lautstark gegen den Bruch der Standortvereinbarung zu protestieren. Das wurde von den allen bei der Betriebsversammlung anwesenden Kolleginnen und Kollegen stehend mit minutenlangem Applaus begrüßt.

 

Dies ist Ausdruck davon, das viele in der Belegschaft gegen die Pläne von VW aktiv werden wollen, die eindeutig gegen sie gerichtet sind. Das gilt es zu Forderungen nach Aufkündigung der Standortvereinbarung und für den Kampf um jeden Arbeitsplatz weiterzuentwickeln. Ermutigend der lautstarke Protest von ca. 200 Azubis. Diese protestierten bei der Betriebsversammlung für ihre Übernahme. Der Grund dafür: Die Äußerung von VW-Vorstand Porsche, dass VW diese künftig nicht mehr allen Azubis versprechen könne.