Leverkusen

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Fridays for Future: Kämpferisch und in bester Stimmung – Bayer im Visier

In 68 Städten in Deutschland gingen am gestrigen Freitag, dem 5. April 2019, wieder zahlreiche Demonstrantinnen und Demonstranten der #Fridays for Future-Bewegung auf die Straße.

Korrespondenz

200 überwiegend junge Leute, Schülerinnen und Schüler demonstrierten vom Rathaus in Leverkusen zur Giftmülldeponie von Bayer und zurück. Bei der Demo riefen die Schüler immer wieder und fast ununterbrochen laute Sprechchöre, und hielten begeistert ihre selbst gemalten Schilder in die Höhe. „Streik in der Schule, Streik im Betrieb - das ist unsre Antwort – auf eure Politik."

Besondere Aufmerksamkeit für zwei Reden

Zwei Reden fanden besondere Aufmerksamkeit: Am Anfang schilderte ein Mitglied der “Coordination gegen Bayer-Gefahren“ einige der größten Umweltverbrechen des Bayer-Konzerns: Seine Krebs-erregenden Pflanzen“schutz“gifte (Glyphosat), Perstizide und Bienensterben, krank-machende „Arzneimittel“ und die weltweit größte Plastikproduktion. Und die letzte Rede am Ende sprach eine ältere Kollegin, die nicht nur verschiedene Bestandteile der heraufziehenden Umweltkatastrophe anprangerte, sondern auch die Konzerne, deren Profitgier sie verursachen. Als Alternative stellte sie den echten Sozialismus zur Diskussion. Mehrere Male traf die Demo unterwegs auf Gruppen von Kindergartenkindern, die eine Müllsammelaktion durchführten: Man begrüßte und befeuerte sich gegenseitig lautstark.

Flugblätter verteilen ist ein demokratisches Recht

Der einzige häßliche Fleck an diesem Tag war der 28-jährige Kenneth Dietrich, früher Laborant bei Bayer, jetzt Chemiestudent. Er ist Vorsitzender der Ulk-, Spaß- und „LEV-Partei“ und sitzt im Stadtrat. Er versuchte ständig, das Verteilen des Flugblattes von MLPD und REBELL zu behindern. Denn bei den Schülern stieß die Frage auf großes Interesse: „Mit Demonstrationen allein kann man die Klimakatastrophe nicht verhindern. MLPD und REBELL machen hier einen Vorschlag, wie wir – mit "System Change" – das doch noch erreichen können.“

 

Sobald Dietrich sah, dass wieder eine Clique die Flugblätter genommen hatte und zu diskutieren begann, stürzte er hinzu und erklärte lauthals: „Die MLPD ist eine Sekte. Die darf hier keine Werbung machen, die darf nichts verteilen.“ Aber in aller Ruhe wurde er immer wieder darauf hingewiesen: „Liebe Leute, Flugblätter zu verteilen ist ein demokratisches Recht. Ihr könnt euch eure Meinung selber bilden. Lasst euch nicht von einem Anarchisten vorschreiben, was ihr lesen dürft und was nicht!“ (Interessant übrigens, dass Dietrich nicht ein einziges mal seiner Qualifizierung als Anarchist und Antideutscher widersprach ...)

 

Als Dietrich merkte, dass er so nicht richtig weiter kam und die Schüler eher auf uns aufmerksam machte, wollte er die Polizei holen, um die Flugblattverteilung zu verhindern; die sah aber keinen Grund zum Eingreifen. Da verkündete er, das Orgateam der Demo hätte das beschlossen! Aber auch das war eine Lüge, wie der Flugblattverteiler öffentlich erklären konnte: Er ist selber Mitglied im Orga-Team in Leverkusen und da wurde ein solcher Beschluss weder diskutiert noch gefasst.

 

Man kann sicher sein, dass nach den Wutausbrüchen von Dietrich die hundert verteilten Flugblätter jetzt besonders aufmerksam gelesen werden.