Daimler Sindelfingen

Daimler Sindelfingen

Kein Aprilscherz, aber Betrug an der Arbeiterklasse!

Am 1. April 2019 verkündeten der Betriebsratsvorsitzende und der Standortverantwortliche von Daimler Sindelfingen auf einer Betriebsrats-Info-Veranstaltung, dass sie es gemeinsam erreicht haben, dass ab 2022 der GLC (Geländewagen auf C-Klasse Basis) auch in Sindelfingen produziert werden soll.

Korrespondenz

Mit einer Riesen-Show- und Jubelveranstaltung wurde uns Kollegen erklärt, dies sei ein echtes Volumenmodell, sichere den Standort, unsere Arbeitsplätze, die unserer Kinder und die unserer Enkel. Mit lauter AC/DC Musik „Hells Bells“ fuhr das neue Modell, gelenkt vom Werkleiter Michael Bauer und dem Betriebsratsvorsitzenden Ergun Lümali in die Betriebsversammlungshalle mitten durch die stehenden Arbeiter langsam zur Bühne vor.

Kritische Stimmen zur Jubelveranstaltung

Übereinstimmend erklärten Werkleiter und Betriebsratsvorsitzender, es sei gelungen, dieses Modell zu bekommen, lobten die Sindelfinger Belegschaft bis zum Himmel. Die Kollegen klatschten stark, aber ganz so euphorisch wie wohl erwartet sprang der Funke nicht über, da die Realität mit Leiharbeit, Arbeitshetze, Flexibilisierung, hohem Krankenstand, Personalmangel usw. einfach eine andere Sprache spricht. So gibt es durchaus auch sehr kritische und skeptische Stimmen zu solch einer Jubelei.

Sozialchauvinismus spaltet der Arbeiterklasse

Es war sicher auch ein Zugeständnis, diese Entscheidung jetzt so zu treffen. Bedenkt man, dass in der ganzen Autoindustrie gerade tausende Arbeitsplätze vernichtet werden und auch Daimler tausende Leiharbeiter auf die Straße setzt. Ein Grund dafür ist sicher die erwünschte Zustimmung zur Holdinggründung dieses Jahr. Es soll die Belegschaft für Unternehmensziele gewonnen werden, Widerspruch gegen den Übergang in die Holding soll möglichst vermieden werden. Zudem soll die positive Erfahrung der Arbeiter beim Kampf um die C-Klasse 2009, als über eine Woche selbständige Aktionen in Sindelfingen bundesweit Daimler in die Schlagzeilen brachte, möglichst in Vergessenheit geraten.

 

Mit Worten wie: "Damit haben wir die Arbeitsplätze auf Jahre gesichert und wir müssen alles für die deutschen Standorte und besonders Sindelfingen tun" sollen die Arbeiter beruhigt und die Kampfkraft  geschwächt werden. Denn das ist Sozialchauvinismus, spaltet die Arbeiterklasse und ordnet sich der Konkurrenz sogar im eigenen Unternehmen unter. Schon bei der nächsten, sich bereits anbahnenden, Weltwirtschaftskrise können solche  Zusagen schon wieder wie Seifenblasen zerplatzen. Auch wenn mit dieser Veranstaltung subtil die Hoffnung von einem Teil von uns Kollegen ausgenutzt wird, dass der Kelch an uns vorbei geht, wird das nicht halten, und die Kollegen werden das verarbeiten und ihre Schlüsse ziehen. Der Kampf um Festübernahme von Leiharbeitern tobt schon seit vielen Monaten und muss noch intensiviert werden.

Leistungsschraube wird angezogen

Tatsachen wie, dass SMART zu 50% an China verkauft wurde und ab 2025 nicht mehr in Hambach, sondern nur noch in China gebaut wird, dass der GLA aus Sindelfingen wieder weg kommt, oder auch der Kombi der E-Klasse zukünftig in Keckemet (Ungarn) gebaut werden soll, wurden wohlweislich nicht gesagt.
So sollen die Werke immer gegeneinander ausgespielt werden: wer Zugeständnisse macht, kriegt ein Modell, so wird immer hin und her geschoben und dabei die Leistungsschraube weiter angezogen, die Ausbeutung und Produktivität erhöht.

 

So endete der Werkleiter auch mit den Worten: jetzt müssen wir dem Vorstand auch wieder zurückzahlen, was er uns an Vertrauen vorgeschossen hat. Das deutet  darauf hin, dass da doch noch einiges kommt. Wir müssen dafür sorgen, dass er da auf Granit beißt.