Chemnitz

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Nazi-Eklat beim CFC und Peinlichkeiten bei der Bewertung

Am Samstag, 9. März, fand im Fußballstadion ein Gedenken und eine Schweigeminute für den bekennenden Neonazi Thomas Haller statt - mit seinem Bild auf der Großleinwand, moderiert vom Stadionsprecher, untermalt von Pyrotechnik. Chemnitz ist zum zweiten Mal in Verruf geraten. Besonders wichtig ist aber die Verarbeitung dieses Ereignisses.

Korrespondenz aus Chemnitz
Nazi-Eklat beim CFC und Peinlichkeiten bei der Bewertung
Das Stadion des CFC (foto: Tobias Luksch (CC BY-SA 3.0 nicht portiert))

Thomas Haller war Anfang der 1990er-Jahre Gründer von „HooNaRA“, was ausgeschrieben "Hooligans, Nazis, Rassisten" bedeutet. Diese Aktivität wurde zwar 2007 angeblich beendet, aber Haller prahlte: „In 30 Minuten sind wir wieder einsatzbereit.“ „Fan-Gruppen“ mit Namen „NS-Boys“ und „Kaotic“ unter Hallers Patenschaft waren die Organisatoren der weltweit berüchtigten Ausschreitungen in Chemnitz am 26. und 27. August 2018.

Verstrickungen mit NSU und "Verfassungsschutz"

Gleichzeitig war Haller Chef der Firma „Haller Security“. Diese war verantwortlich für den Ordnungsdienst beim Chemnitzer Fußballclub (CFC) bis 2007 und ist auch heute noch aktiv. Viele Angestellte bei "Haller Security" arbeiteten auch in der Abriss-Firma „Bauservice Marschner“. Eigentümer Ralf Marschner ist V-Mann des "Verfassungsschutzes".1

 

Er betrieb in der Nachbarstadt Zwickau gleichzeitig den Nazi-Laden „The Last Resort Shop“, in dem zeitweise Beate Zschäpe angestellt war, und der NSU-Terrorist Uwe Mundlos war bei Bauservice Marschner Vorarbeiter und die „rechte Hand“ des Chefs. Hallers Kontaktdaten fand man im Handy-Speicher von Marschner und zahlreichen anderen NSU-Unterstützern.²

CFC-Führung redet sich heraus

Die CFC-Führung behauptet, zur Mitwirkung an dem Nazi-Eklat genötigt worden zu sein, andernfalls wurden Ausschreitungen angedroht. Aber sie hat sich auch darauf eingelassen. Auch die Fanbeauftragte des CFC, die SPD-Stadträtin Peggy Schellenberger, hatte zu Hallers Tod kondoliert.


Die Stadt Chemnitz hatte vor kurzem die Stadionpacht für den insolventen CFC auf einen niedrigen Betrag festgelegt. Nach dem Nazi-Eklat beantragten die Grünen, die Beschlussfassung neu aufzurollen. Ihr Antrag fand nur Zustimmung der gemeinsamen Fraktion Volkssolidarität/Piraten. Alle anderen Parteien lehnten es ab.

Beziehungen zu Haller vollständig aufklären

Auch die Linkspartei im Chemnitzer Stadtrat lehnte es ab, weil dann der Erhalt des „Nachwuchsleistungszentrums“ gefährdet sei. Und der Vize-Fraktionsvorsitzende der Linkspartei erklärte, Neonazi-Umtriebe seien „kein CFC-Thema, sondern ein Thema der Stadtgesellschaft“.3 Damit macht er die Bevölkerung verantwortlich und nimmt Politiker und Sportfunktionäre, die jahrelang Spielraum für Neonazi-Umtriebe gaben, aus der Verantwortung.

 

Die Beziehungen der Führung des CFC mit dem Neonazi Thomas Haller und seiner "Security Firma" sind aufzuklären und aufzuarbeiten. Insbesondere auch, welche Gelder geflossen sind. Die Hooligan-Gruppen HooNaRa und die „NS-Boys“ und „Kaotic“ müssen verboten werden.