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Tarifabschluss bei der BVG - erkämpfte Erfolge, aber auch Haken und Ösen

Nach dem dritten Warnstreik bei der Berliner Verkehrs-Gesellschaft (BVG) am 4. April kam es in der Nacht zum 5. April zu einem Abschluss:

Korrespondenz
Tarifabschluss bei der BVG - erkämpfte Erfolge, aber auch Haken und Ösen
Berliner U-Bahn (foto: JoachimKohlerBremen ( CC BY-SA 4.0))

Steigerung des Lohns um mindestens 8 Prozent, bei den unteren Lohngruppen höher, mindestens 362,75 Euro. Weihnachtsgeld erhöht und anteilig für alle (bisher erst nach einem Jahr Beschäftigung), Laufzeit statt ursprünglich fünf Jahren für das Entgelt Ende 2020, für die Entgeldordnung Ende 2023 und für den Manteltarif zeitgleich mit dem Auslaufen verschiedener Tarifverträge für den Nahverkehr (TVN) am 30. Juni 2020. Diese Erfolge wären nie erreicht worden ohne den Kampf und die weiter bestehende Kampfbereitschaft. Schon tönt der „rot-rot“-grüne Senat aber, dass man jetzt über die Erhöhung der Ticketpreise nachdenken müsse. Das ist nicht nur ein Hohn angesichts des 2018 erzielten Überschusses von 13,2 Millionen Euro, Ergebnis der Ausbeutung der Beschäftigten, oder der jährlich verbrannten Millionen Steuergelder beim Flughafen BER. Es dient auch der Spaltung zwischen Beschäftigten und Nutzern.

 

Bei zwei entscheidenden Kernforderungen ist der Senat aber keinen Millimeter gewichen: die grundsätzliche Streichung der unteren Lohngruppen und vor allem bei der Forderung nach der 36,5 Stunden-Woche bei vollen Lohnausgleich für alle. Das Argument des Senats: Das würde weitere 500 neue Stellen bedeuten und der Arbeitsmarkt sei leergefegt. Das soll vertuschen, dass der Senat selbst dies verursacht hat: Sie haben nicht nur zu wenig ausgebildet. Tatsache ist, dass wegen der absolut stressigen Arbeitsbedingungen und der niedrigen Bezahlung von 15 Azubis nur einer bleibt. Wie stressig der Job ist, zeigt der Krankenstand, wie uns ein Kollege erzählte: im Durchschnitt (!) 44 Tage im Jahr bei den Busfahrern, ähnlich bei U-Bahn und Tram. Das ist mit der höchste im Öffentlichen Dienst.