Peru

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Flucht in den Tod nach schamloser Bereicherung

Die Hauptkoordinatorin der ICOR¹, Monika Gärtner-Engel, die aktuell selbst im Land weilt, schreibt über die Selbsttötung des ehemaligen peruanischen Präsidenten Alan Garcia:

Von Monika Gärtner-Engel
Flucht in den Tod nach schamloser Bereicherung
Perus hochkorrupter Ex-Präsident Alan Garcia hat sich selbst gerichtet (foto: privater Blog))

Der zweimalige sozialdemokratische Präsident Perus, Alan Garcia (1985 bis 1990 und 2006 bis 2011), entzog sich am Morgen des 17. April der Vehaftung aus seiner Luxuswohnung durch Selbsttötung. Die Tage zuvor hatte er noch wortgewaltig und dramatisch jede Schuld von sich gewiesen, in irgendeinen Korruptionsskandal verwickelt zu sein. Doch die Beweise sind erdrückend. Die peruanischen Gefängnisse sind bereits gut bevölkert von der ganzen illustren Gesellschaft früherer Präsidenten, teils samt Gattin. Großzügiger Geldgeber ist jeweils der brasilianische Konzern Odebrecht.

Korruption nach Strickmuster

Die dreisten Korruptionsfälle folgen alle demselben Strickmuster: schon in den jeweiligen Wahlkämpfen flossen Millionensummen aus dem Odebrecht-Konzern an die aussichtsreichsten Kandidaten, sodass das brasilianische Monopol in jedem Fall auf der Regierungsbank sitzt. Vor allem aber flossen stattliche Millionensummen für die Auftragserteilung zu Infrastrukturprogrammen - von der Gaspipeline (Präsident Ollanta Humala) bis zu den 6 Millionen für die Metro Lima, die an Garcia flossen. Für die millionenschwere Korruption hat der Odebrecht-Konzern sogar extra "Abteilungen für strukturierte Operationen" geschaffen. Mittels einer eigens geschaffenen Software wurden im Konzern gezielt die Zahlungen verschleiert.

 

Der Odebrecht-Konzern war zeitweilig der größte Baukonzern Brasiliens, ist inzwischen als Mischkonzern und größte Industriegruppe Brasiliens ein Global Player mit knapp 130.000 Beschäftigten. Eine wesentliche Säule des neuimperialistischen Brasilien.

Über eine dreiviertel Milliarde US-Dollar an Schmiergeldern

Das US-Justizministerium schätzt, dass Odebrecht zwischen 2003 und 2018 allein in Lateinamerika etwa 790 Millionen Dollar an Schmiergeldern bezahlt hat. Wie der Konzern das finanziert? Ganz einfach: Nach der Methode, dass die ergaunerten Projekte dann stets gigantisch viel teurer als geplant werden. Der Abschnitt der Fernstraße zwischen Rio de Janeiro und Lima, die Präsident Alejandro Toledo sich fürstlich bezahlen ließ, kostete statt der veranschlagten 850 Millionen am Ende 2,1 Milliarden.

 

So empörend diese dreiste, sich schamlos selbst über geltende Gesetze hinwegsetzende Korruption ist - man sollte sich nichts vormachen: Das Grundprinzip, dass die staatlichen Stellen und bürgerliche Politiker über 1000 legale und illegale Kanäle zu Dienstleistern der Monopol wurden - das ist heute Wesensmerkmal des imperialistischen Weltsystems. Was für ein Schlaglicht das auf seine Dekadenz wirft!

Politik ist in Peru als "schmutzige Geschäft" verschriehen

Wir berichten unserem Taxifahrer in Lima, dass die deutsche Bild-Zeitung sogleich berichtete, dass sich Garcia als "Opfer politischer Verfolgung" sah. Der amüsiert sich nur darüber, wehrt heftig ab. Eher stellt er in Frage, ob Garcia wirklich tot ist. "Die Leute sagen, denen ist alles zuzutrauen - nur damit sie ins Ausland flüchten können. Mit ein paar chirurgischen Kniffen ist da doch viel zu machen ..." Viele resignieren auch angesichts solcher Politiker. Politik ist allgemein als "schmutziges Geschäft" verschriehen. Viel interessante Arbeit für die peruanischen Revolutionärinnen und Revolutionäre in einer aufgewühlten politischen Situation.

 

Von der schändlichen Rolle, die Garcia und andere Monopolpolitiker schon 1989 spielten, berichtet der ehemalige Hauptkoordinator der ICOR, Stefan Engel, in seinem Reisebericht "Peru - die Lunte am Pulverfaß Lateinamerika". Er kann hier gekauft werden!