Notre-Dame

Notre-Dame

„Gemeinsames Interesse“ bezahlt von der breiten Masse

Die Bilder vom Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris gingen um die Welt.

Korrespondenz aus Paris
„Gemeinsames Interesse“ bezahlt von der breiten Masse
Notre-Dame brennt (foto: Remi Mathis (CC BY-SA 4.0))

Wertvolle Teile eines Kulturguts, Anziehungspunkt von Touristen und Gläubigen aller Welt wurden zerstört. Viele Menschen sind geschockt. Die Brandursache wird derzeit in Zusammenhang mit den Arbeiten unter dem Kirchendach gesehen.

 

Noch am Abend des Unglücks rief Präsident Emmanuel Macron zu Spenden auf. Notre-Dame müsse „gemeinsam“ wieder aufgebaut werden. Das verlange das "Schicksal des Landes“ und „unsere Geschichte“.

Aufruf zu Spenden

Eine "große Geberkonferenz" soll organisiert werden und sofort zeigte sich die „Großzügigkeit der Milliardäre“ - in aller Öffentlichkeit! François Pinault kündigte noch am Brandabend 100 Millionen Euro Spenden an; Bernard Arnault trumpfte mit 200 Millionen Euro auf, Total, L'Oreal, Bouygues folgten. An einem einzigen Tag wurden bereits 800 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre-Dame zugesagt.

Aus 100 Millionen spenden werden 10 Millionen - 90 Millionen würde die Staatskasse zahlen

Und damit diese schöne und bewegende Großzügigkeit nicht versiegt, forderte der ehemalige Kulturminister Jean-Jacques Aillagon, dass die zerstörte Kathedrale zum "Nationalschatz" erklärt wird. Dann könnten gemäß den Bestimmungen die Spender 90 Prozent der Spenden von ihren Steuern abziehen. Er bedient sich damit seines eigenen Gesetzes von 2003. Dann würde sich die 100 Millionen Spende auf bis zu 10 Millionen reduzieren. Und den Löwenanteil bis zu 90 Millionen trägt die Staatskasse. Das heißt: die Steuerzahler! Übrigens ist Aillagon heute Vorstand der Pinault-Stiftung. Zufall?

 

Aber selbst wenn der Rat des Ex-Ministers nicht angehört würde, Stiftungsspenden werden bisher schon stets um bis zu 60 Prozent defiskalisiert, was laut Rechnungshof den Staat etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr kostet.

Gelbwestenbewegung, Gewerkschafter, Vereine, denen die Subventionen entzogen werden, fallen darauf nicht herein

Und die Moral aus der Geschicht’: Ein erneutes Mal soll uns „gemeinsames Interesse“ vorgegaukelt werden, während die breite Masse der Bevölkerung zahlt. Gelbwestenbewegung, Gewerkschafter, Vereine, denen die Subventionen entzogen werden fallen nicht auf das Argument vom „nationalen Interesse“ rein. Sie entlarven und bekämpfen die Steuergeschenke fûr die Reichen!