Jahrestag

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Katastrophe von Tschernobyl mahnt: Alle Atomanlagen sofort abschalten!

Am 26. April 1986, heute vor 33 Jahren, kam es in Tschernobyl, das heute im Gebiet der Ukraine liegt, zur bis dahin größten Atomkatastrophe.

Von hkg
Katastrophe von Tschernobyl mahnt: Alle Atomanlagen sofort abschalten!
Der havarierte Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl mit dem davor liegenden Mahnmal - noch vor der Errichtung des neuen "Sarkophags" (foto: Mond (CC BY-SA 3.0))

Noch immer strahlen die hochradioaktiven Stoffe der dabei entstandenen Kernschmelze. An den Folgen dieser Katastrophe sind bis heute Hunderttausende Menschen in Europa erkrankt, bis zu 60.000 starben daran (siehe Artikel Rote Fahne News).

 

Viele von ihnen gehörten zu den 600.000 bis 800.000 als sogenannte Liquidatoren eingesetzten Aufräumarbeitern, die einen „Sargdeckel" um den Reaktor errichteten - auf Anordnung der Führung der damaligen bürokratisch-kapitalistischen Sowjetunion. Mittlerweile musste der erste durch eine neue, noch größere Ummantelung ersetzt werden.

 

Das Gebiet um Tschernobyl und die heutige Geisterstadt Prybjat sind immer noch unbewohnbar. Verantwortungslos werden jedoch Touristen in das Gebiet geführt, um den Eindruck zu erwecken, dass die Nachlassverwalter der Katastrophe alles im Griff hätten.

Eine Chronologie des Schreckens

Wir erinnern: Der Katastrophe von Tschernobyl vorangegangen waren die Atomkatastrophen von Kyschtym/Majak 1957 in der Sowjetunion und von Harrisburg 1979 in den USA. Nur 25 Jahre nach Tschernobyl kam es zum nächsten Super-GAU (größter anzunehmender Unfall) in Fukushima in Japan. Auch dort werden die Gefahren von der Regierung verharmlost.

 

Die Radioaktivität aus diesen Katastrophen hat inzwischen weltweit die durchschnittliche Strahlenbelastung erhöht - mit weitreichenden Folgen insbesondere für das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Sichere Beherrschung nicht möglich

Diese zwei Katastrophen und viele weitere Unfälle in Atomkraftwerken, die nicht an die Öffentlichkeit kommen oder von den Betreibern verharmlost werden, zeigen: Es gibt keine sichere Beherrschung der Atomenergie. Menschliches Versagen kann genauso zu Katastrophen führen, wie das Versagen der Technik oder eine Umweltkatastrophe.

 

Trotzdem betreiben die imperialistischen Regierungen und Atommonopole den Bau zahlreicher neuer AKW. Laut IAEA1 waren im Juni letzten Jahres 450 weltweit Atomreaktoren in Betrieb. Mindestens 166 Reaktorblöcke waren aus verschiedenen Gründen außer Betrieb. 55 Reaktoren befanden sich im Bau. Weitere 147 sind derzeit geplant.2

Super-GAU jederzeit auch in Deutschland möglich

Trotz des geplanten Atomausstiegs in Deutschland sind immer noch sieben Kraftwerke in Betrieb. Eine Katastrophe ist also auch hierzulande jederzeit möglich. Deutsche Konzerne profitieren weiter am Bau von Atomkraftwerken. So arbeitet die Nukleartochter des Baukonzerns Bilfinger, Babcock Noell, an zwei Großaufträgen im Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro: an einem Abfallzentrum für Atommüll, der am neuen britischen Kernkraftwerk Hinkley Point anfällt. Und in Schweden an einer Anlage, die abgebrannte Brennelemente von Reaktoren vor der Einlagerung einkapselt.3

 

Auch mit der Urananreicherungsanlage in Gronau, dem Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus und einer Brennelemente-Herstellung in Lingen ist Deutschland am internationalen Nukleargeschäft beteiligt.

AfD auf Seiten der Atommonopole

Absurd ist die imperialistisch-ökologische Rechtfertigung für Atomkraftwerke als angeblicher "Brückentechnologie" hin zur Umstellung auf erneuerbare Energien - enthalten unter anderem im Pariser Klimaabkommen. Statt den Ausbau erneuerbarer Energiequellen so schnell wie möglich voranzutreiben, halten die imperialistischen Regierungen damit nicht nur am Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken fest, sondern auch an den genauso umweltschädlichen und -gefährdenden Atomkraftwerken.

 

Auf diesen Zug springt die ultrareaktionäre und rassistische AfD auf und fordert im Rahmen des Europawahlkampfs die Nutzung der Atomenergie - die Produktion von Atomstrom erzeuge kein CO2. Doch der Bau, die Beschaffung des Brennstoffs, die Transporte und die Abfallbeseitigung erfordern enorme Mengen an Energie. So bringt der Betrieb eines durchschnittlichen Atomkraftwerks in etwa den CO2-Aquivalentwert eines Erdgas-Blockheizkraftwerks hervor.

Der Stoff, aus dem Atomwaffen sind

Für die Herrschenden liefern die Atomkraftwerke nicht nur enorme Profite. Sie brauchen sie zugleich, um an den Grundstoff für Atomwaffen zu kommen. Auch die Bundesregierung hält an wichtigen Produktionssträngen der Atomtechnologie fest, um sich die Nutzung für militärische Zwecke offenzuhalten.

 

Die weltweite Stilllegung der Atomanlagen kann im aktiven Widerstand erreicht werden. Das belegt der aufgrund von Massenprotesten durchgesetzte Atomausstieg in Deutschland. Nachdem die damalige Bundesregierung 2010 eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke beschlossen hatte, gingen Zehntausende Menschen auf die Straße. Nach der Katastrophe von Fukushima schwollen die Demonstrationen weiter an.

 

Auch in Japan traut sich die Regierung bisher nur zögerlich, die nach der Katastrophe abgeschalteten Atommeiler wieder anzufahren. Von 54 vor März 2011 in Betrieb befindlichen Reaktoren liefen im Juli 2018 acht.

Aktiver Widerstand - weltweit

Die MLPD fordert: Baustopp und Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber – weltweit! Aktiver Umweltschutz im Kampf gegen die Profitwirtschaft! Beseitigung der Umweltschäden auf Kosten der Verursacher!4

 

Zur Durchsetzung braucht es einen weltweiten Massenwiderstand. Die Demonstrationen von "Fridays for Future" können dazu beitragen, wenn es gelingt, immer mehr Menschen und weitere Anliegen in die Bewegung einzubeziehen und sich mit der Arbeiterbewegung eng zusammenzuschließen. Dazu gehört unbedingt die Verteidigung ihrer Überparteilichkeit gegen alle antikommunistischen Ausgrenzungsversuche.

 

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