Südafrika

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„Das Wichtigste für uns Automobilarbeiter ist, die Spaltung zu überwinden“

Aus Gesprächen mit Arbeitern bei Mercedes-Benz und dem Automobilzulieferer Lear in East London (Südafrika) wird beeindruckend deutlich, wie sich Lage und Kampf der Arbeiter weltweit ähneln.

Von Korrespondent aus East London
„Das Wichtigste für uns Automobilarbeiter ist, die Spaltung zu überwinden“
Arbeiter gehen zur Frühschicht (rf-foto)

Ein Mercedes-Benz-Arbeiter berichtet gegenüber Rote Fahne News: „Wir haben es mit sehr vielen Angriffen zu tun. Zum einen sind verschiedene Bereiche wie das Tür- oder das Motorhaubenmodul von Outsourcing bedroht. Aktuell betrifft das schon 58 Arbeiter. Dazu kommt die geplante Aufspaltung des Konzerns in drei Holdings.

 

Die Konzernspitze verspricht uns eine Garantie bis 2025, aber was kommt danach? Wir bekommen heute schon verschiedene Auswirkungen zu spüren. Dauernd werden neue Kollegen nur noch mit Werkverträgen eingestellt. Sie kommen in ein kurzes Training und dann sofort ans Band. Sie machen die gleiche Arbeit wie wir. Natürlich verdienen sie nur Peanuts.“

Nicht mehr bereit, das hinzunehmen

Die Arbeiter in East London sind aber nicht mehr bereit, das einfach hinzunehmen. Auf einer großen Betriebsversammlung, die die Gewerkschaft NUMSA einberief, griffen sie diese Aufspaltung in die Holding an. „Wir sagten: Mit der Aufspaltung des Konzerns soll vor allem die Belegschaft gespalten werden. Das ist eine politische Entscheidung, die auch politisch beantwortet werden muss!“

 

200 Arbeiter beim Automobilzulieferer Lear - aktuell sind es 700 Beschäftigte in East London - traten im November 2018 in einen selbständigen Streik. 149 wurden entlassen, weil sie sich darüber beschwert haben, dass Lear Zusagen von 2015 nicht nachkommen wollte, Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften nicht erfüllte und weiter Arbeiter ungleich bezahlte, obwohl sie die gleiche Arbeit machen (siehe Rote Fahne News). ¹

Solidarität mit den 149 entlassenen Kollegen

Die Internationale Automobilarbeiterkoordination sowie örtliche Vorbereitungsgruppen in Deutschland erklärten sich damals solidarisch. „Die Kollegen sind alle nach wie vor arbeitslos“, berichtet uns ein Arbeiter aus dem Werk. „Das ist ein internationaler Skandal! Das Management von Lear wird alles dafür tun, dass diese 149 Arbeiter auf eine schwarze Liste kommen! Dagegen muss in den Gewerkschaften weiter der Protest organisiert werden!“

 

Viele Kolleginnen und Kollegen sind in dem Zusammenhang sehr unzufrieden mit der Gewerkschaftsführung, die einseitig auf den juristischen Weg orientiert, der in Südafrika Jahre dauert. In der Zeit sitzen die Kollegen ohne Geld zu Hause.

Alle müssen von der IAC erfahren

Die Kollegen fassen zusammen: Die Arbeiter müssen überall in Südafrika von der Vorbereitung und Durchführung der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz (IAC) in Südafrika erfahren und „wir sind diejenigen, die es ihnen berichten“.

 

Die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz ist von großer Bedeutung für den Zusammenschluss der Automobilarbeiter über Ländergrenzen hinweg. Sie findet vom 19. bis 23. Februar 2020 in Johannesburg (Südafrika) statt. Verschiedenste Themen im Zusammenhang mit ihren Kampf, ihrem gesamten Leben und dem ihrer Familien, aber auch der notwendigen Einheit von sozialer und ökologischer Frage werden dort zur Sprache kommen. Sie sollen in einem gemeinsamen Kampfprogramm zusammengefasst werden.

Von wegen "Sicherheit bis 2023" - auch bei Opel in Bochum

Aus Deutschland berichten aktuell Kolleginnen und Kollegen von "Offensiv", Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit bei Opel in Bochum:

 

"'Euer Lager ist ja ganz schön, ­ aber ihr seid zu teuer!' So etwa lässt sich das Urteil der PSA-Manager zusammenfassen, die uns vor drei Wochen begutachtet haben. Wundert das irgendjemanden? Wohl eher nicht. Das die auch nach Rekordprofiten den Hals nicht voll haben, wissen wir. Was viele von uns aber wundert ist, wie naiv manche Kollegen in IG Metall und Betriebsrat uns den 'Zukunftstarifvertrag' schöngeredet haben. 'Dann haben wir Sicherheit und Ruhe bis 2023', hat man uns erzählt, anstatt uns den Vertrag auch mal vor der Abstimmung zu geben." (mehr dazu)

 

Die Betriebsgruppen der MLPD unterstützen die Vorbereitung und Durchführung der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz aktiv.


Alle Informationen zur IAC gibt es hier

 

Protesterklärungen für die Wiedereinstellung der Arbeiter bitte an: edwardr@numsa.org.za, info@iawc.info und redaktion@rf-news.de