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1. Mai-Kundgebung auch Tage später noch Thema

Noch Tage nach dem 1. Mai ist die Kundgebung des DGB in Hagen Gesprächsthema in der Stadt und den Betrieben der gesamten Umgebung. Sie füllt die Leserbriefspalten der "Westfälischen Rundschau" und der "Westfalenpost"(beide "WAZ"-Konzern)

Von Korrespondenz / gp
1. Mai-Kundgebung auch Tage später noch Thema
Polizeieinsatz gegen die TWB-Belegschaft am 1. Mai in Hagen (rf-foto)

Dabei geht es um die Haltung zum Widerstand und Protest der Kolleginnen und Kollegen des Autozulieferers TWB gegen die Kündigung von 290 Beschäftigten, zur Rolle der IG-Metall-Verantwortlichen in dieser Auseinandersetzung und zur Unterstützung dieses Kampfes durch die MLPD und die Hagener Montagsdemo.

 

Wochenlang hatten die TWB-Kolleginnen und -Kollegen jeden Montag in der Hagener Innenstadt gegen die Vernichtung von 290 Arbeitsplätzen demonstriert. Der Betriebsrat Esat Kösemihaloglu sagte dazu gegenüber der Roten Fahne: „Uns geht es dabei nicht nur um uns. Wir wollen der Öffentlichkeit bekannt machen, wie mit uns umgesprungen wurde, damit andere Belegschaften daraus lernen können.“

 

Deshalb hatten die Kolleginnen und Kollegen auch beim DGB Rederecht auf der 1. Mai-Kundgebung beantragt. Das war ihnen mit der fadenscheinigen Begründung verweigert worden, wegen der Rede des IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis gebe es keine Zeit dafür. Den Verantwortlichen des DGB war das kämpferische Auftreten der TWB-Belegschaft und die vorbehaltlose Zusammenarbeit eines großen Teils der Belegschaft mit der MLPD ein Dorn im Auge.

Auftaktkundgebung kämpferischer Kräfte verboten

Deshalb sollten der Redebeitrag der TWB-Kolleginnen und -Kollegen und der Stand der MLPD sowie erstmals der Montagsdemo auf dem Kundgebungsplatz verhindert werden.

 

Gleich zu Beginn moderierte die MLPD eine Auftaktkundgebung, die dann aber die Polizei im Auftrag der DGB-Verantwortlichen verbot. Daraufhin wurde eine Spontankundgebung beantragt, um gegen dieses Vorgehen zu protestieren. 

Nach breitem Protest konnte TWB-Betriebsrat sprechen

Die Demonstrantinnen und Demonstranten rund um die kämpferischen Kräfte und die MLPD unterstützten den berechtigten Protest der TWB-Kolleginnen und -Kollegen. Auf dem Kundgebungsplatz forderten die zahlreich anwesenden TWB-Kollegen lautstark das Rederecht für einen ihrer Vertreter. Statt darauf einzugehen, forderten die DGB-Verantwortlichen die Polizei auf, die TWB-Kolleginnen und -Kollegen von der Bühne abzudrängen. Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des 1. Mai in Hagen!

 

Davon ließen sich die TWB-Kolleginnen und -Kollegen aber nicht abhalten. Sie wurden dabei von vielen der fast 3.000 Kundgebungsteilnehmerinnen und Kundgebungsteilnehmer unterstützt. Daraufhin lenkten die DGB-Verantwortlichen ein und der Kollege Esat Kösemihaloglu konnte sprechen. Er sagte unter anderem: „Wir können die Kündigung nicht verhindern, aber wir lassen uns unsere Würde nicht nehmen. Unsere Lehre, die wir daraus gezogen haben: Wir hätten früher streiken sollen, als die Produktion noch voll lief. Dann hätten die Bänder bei VW gestanden.“

Absurder Vorwurf gegen die MLPD

Er stellte unter anderem klar, dass ein Großteil seiner Kolleginnen und Kollegen Mitglied der IG Metall ist. Ihre Kritik am ersten Bevollmächtigen der IG Metall, Jens Mütze, richte sich nicht gegen die Gewerkschaft, sondern gegen das Hinhalten der Belegschaft durch Jens Mütze. Für seine Rede erhielt er großen Beifall.

 

Zum Vorwurf, die MLPD habe den Protest der TWB-Kolleginnen und -Kollegen unterwandert, sagte Reinhard Funk in der WP/WR: „Wir haben den Kampf nicht unterwandert, wir haben ihn unterstützt. Aber die Entscheidungen hat die TWB-Belegschaft selbst getroffen.“ Und Esat Kösemihaloglu  lobte ausdrücklich die Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Hagener Montagsdemo, in der auch die MLPD mitarbeitet.

 

Der Stand der MLPD fand natürlich wie seit über 30 Jahren üblich statt.

 

Hier geht es zur Berichterstattung dazu