Südafrika

Südafrika

"Das Land ist voller Proteste der Massen"

Am heutigen 8. Mai enden die Parlamentswahlen in Südafrika. Es traten 48 Parteien an. Die Laternen sind voll von Plakaten der bürgerlichen Parteien, besonders der Regierungspartei African National Congress (ANC).

Von Korrespondenz aus East London / ak
"Das Land ist voller Proteste der Massen"
Es ist vor allem die Jugend Südafrikas, die die Zukunft verkörpert und gegen die aktuellen Zustände rebelliert (rf-foto)

Bei den ersten Wahlen nach Beendigung jahrzehntelangen rassistischen Unterdrückung der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung vor 25 Jahren ging die frühere Befreiungsbewegung ANC als überwältigender Sieger hervor. Mittlerweile sind wachsende Teile der Massen Südafrikas vom ANC enttäuscht.

 

Spitzenkandidat des ANC war der ehemalige Gewerkschaftsführer und heutige Multimillionär Cyril Ramaphosa, der den wegen maßloser Korruption und Selbstbereicherung zurückgetretenen Jacob Zuma im Februar 2018 als Präsident ablöste.

 

Ramaphosa hatte zuvor einen Direktorenposten beim Lonmin-Konzern und ist einer der Hauptverantwortlichen des Massakers von Marikana 2012, bei dem 34 Bergleute erschossen wurden. Lonmin ist Eigner der Mine. Das haben viele Menschen Ramaphosa nicht verziehen. Angesprochen auf die Wahlen, sagt eine junge Frau: „Arbeiter, die in Südafrika kämpfen, müssen damit rechnen, dass sie von der Polizei erschossen werden. Aber kämpfen müssen wir.“

Ein Viertel der Wahlberechtigten nicht registriert

Ein Viertel der Wahlberechtigten hat sich gar nicht registrieren lassen. Unter der Jugend Südafrikas ist der Loslösungsprozess von den bürgerlichen Parteien besonders groß: Hier haben sich von den 18- und 19-Jährigen nur 16 Prozent überhaupt registrieren lassen.

 

Ein junger Arbeiter aus King Williams Town sagte: „Der ANC verspricht seit 25 Jahren alles Mögliche. Am Ende des Tages sind es leere Versprechen. Das siehst du an der Arbeitslosigkeit und Armut. Was machte Präsident Zuma? Er raubte 250 Millionen Rand für sein Haus, aber wir im Township haben nichts. Wir leben von einem Tag zum anderen. Unser Leben ist schwierig. Ich werde nicht zur Wahl gehen.“

Rechtsentwicklung der bürgerlichen Parteien

Die bürgerlichen Parteien sind weiter nach rechts gerückt. Die „Democratic Alliance“ (DA) wirbt mit dem Slogan: “Sichert die Grenzen!" Das richtet sich besonders gegen Einwanderer aus Simbabwe oder Mozambique.

 

Gleichzeitig leiden die Massen im neuimperialistischen Südafrika unter großer Armut, Arbeitslosigkeit, schlechter Infrastruktur, fehlenden Wohnungen und Häusern. Immer wieder fällt der Strom aus. Die Benzinpreiserhöhungen der letzten Jahre und Monate treffen besonders die Menschen in den Townships, die weit zu ihren Arbeitsplätzen fahren müssen - was oft einen Großteil ihres Monatslohns auffrisst.

 

Offiziell sind 27 Prozent der Südafrikanerinnen und Südafrikaner arbeitslos; bei jungen Menschen beträgt die Quote sogar mehr als 50 Prozent. Südafrikanische Kinder können schlechter lesen und schreiben als die in Bangladesch oder im Tschad.

 

In Südafrika konzentriert sich heute aber auch ein bedeutender Teil des internationalen Industrieproletariats - insbesondere im Bergbau und in der Automobilindustrie. Gut, dass dort im Februar 2020 die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz stattfinden wird (mehr dazu).

Die CPSA-ML ruft die Massen zum Wahlboykott auf

CPSA (ML), Mitglied der ICOR

Die südafrikanische Kommunistische Partei Südafrikas (Marxisten-Leninisten) [CPSA (ML)], Mitgliedsorganisation der revolutionären Weltorganiusation ICOR, berichtet: „Heute ist das Land voll von Demonstrationen und Protesten der Massen, die nach staatlichen Leistungen verlangen. ... Es gibt nicht weniger als 50 Protestaktionen pro Tag im Land. ...

 

Die CPSA (ML) ruft die Massen zum Boykott dieser Wahlen auf und sie ruft sie dazu auf, für eine neue demokratische Republik zu kämpfen, die von ihnen das Mandat erhält und sie respektiert. Solange das gegenwärtige System bestehen bleibt, werden die Schwierigkeiten, unter denen die Menschen leiden, zunehmen. ... Die CPSA (ML) kämpft für die Diktatur des Proletariats als einzigem Weg, der zum Kommunismus führt.“

ICOR-Partei wird weiter aufgebaut

Die CPSA (ML) nutzt die aufgewühlte politische Stimmung vor den Wahlen, die Partei weiter aufzubauen und die ICOR bekanntzumachen.

 

Das Wahlergebnis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

 

Hier geht es zur Homepage der CPSA (ML)