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Bundeskabinett beschließt Mindestlohn für Auszubildende

Der Gesetzentwurf des Bundeskabinetts zum Mindestlohn für Auszubildende sieht aktuell folgende Untergrenzen für die Ausbildungsvergütung vor: 515 Euro im ersten Lehrjahr, 608 Euro im zweiten, 695 Euro im dritten und 721 Euro im vierten Lehrjahr.

Von wb / gp

Das wäre eine deutliche Verbesserung für Jugendliche im Fleischer-Handwerk (303 Euro im ersten Lehrjahr) oder für jene, die Friseurin oder Friseur lernen. Diese erhalten 406 Euro.¹

Teilerfolg nach wachsendem Druck

Der Gesetzentwurf ist ein Teilerfolg, der vor allem auf die öffentlichkeitswirksamen Aktionen der DGB-Jugend zurückgeht. Sie machte Druck, dass endlich die vagen Zusagen eines gesetzlichen Azubi-Mindestlohns in den Koalitionsverträgen der letzten und aktuellen Bundesregierung umgesetzt werden.

 

Die DGB-Jugend fordert: Auszubildende sollen ein Einkommen haben, „das ihnen ein eigenständiges Leben ermöglicht“, wofür auch die MLPD eintritt. „Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung. ... Nach aktuellem Stand wären das 660 Euro für das erste Ausbildungsjahr“, in der Metall- und Elektroindustrie rund 800 Euro.1

Heftiger Widerstand vom Handwerksverband

Die DGB-Jugend lief deshalb gegen den von der Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) verfolgten Plan Sturm, den Mindestlohn am Schüler-BAföG zu orientieren. Das wären aktuell 504 Euro. Die jetzt beschlossenen, etwas höheren Mindestvergütungen (vor allem für das dritte und vierte Lehrjahr) stoßen auf heftigen Widerstand des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Er droht mit einer sinkenden Ausbildungsbereitschaft.

 

Dabei ist bekannt, dass es im Handwerk Praxis ist, die Azubis als billige Arbeitskräfte auszubeuten. Der Verband fordert seine Mitglieder auf, von der Möglichkeit im Gesetz Gebrauch zu machen, Tarifverträge abzuschließen, die unter dem Mindestlohn liegen können. Die Methode erinnert an das Gesetz zur Beschränkung der Leiharbeit auf 18 Monate, die durch Tarifverträge ausgehebelt werden können. Das ist inakzeptabel!