Truckenthal

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Pfingstjugendtreffen erstmals in Thüringen gestartet - rebellisch, internationalistisch, kulturvoll

Den Auftakt des 19. Internationalen Pfingstjugendtreffens machte die schon traditionelle Zukunftsdemonstration - dieses Mal allerdings nicht in Gelsenkirchen - wie in den letzten Jahren -, sondern im thüringischen Sonneberg.

Von ms/jw
Pfingstjugendtreffen erstmals in Thüringen gestartet - rebellisch, internationalistisch, kulturvoll
Ein langer kämpferischer Demonstrationszug mitten durch Sonneberg (Foto: RF)

Rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen durch die 24.000-Einwohner-Stadt und machten dem Namen Zukunftsdemonstration alle Ehre. Vorneweg ein Block des Jugendverbands REBELL und der Kinderorganisation ROTFÜCHSE mit ihren Fahnen zusammen mit anderen Jugendlichen.

 

Zu sehen waren Fahnen der Gewerkschaften IG Metall und ver.di. Kämpferische Automobilarbeiter waren ebenso dabei wie Bergleute aus aller Welt, die zuvor bei einem Treffen der internationalen Bergarbeiterkoordinierung waren.

Viele schauten zu

Es gab weitere Blöcke des Frauenverbands Courage, der Umweltgewerkschaft und von Solidarität International. Das Internationalistische Bündnis beteiligte sich mit mehreren seiner Trägerorganisationen, insbesondere auch Migrantenorganisationen wie ATIF.

 

Die kulturvolle Demonstration mit Liedern und Ansprachen am offenen Mikrofon, in denen unter anderem für die kurzentschlossene Teilnahme am Pfingstjugendtreffen geworben wurde - erweckte Aufmerksamkeit. Im Arbeiterwohngebiet Wolkenrasen schauten viele Menschen neugierig und interessiert aus den Fenstern zu, winkten fröhlich - und manche schlossen sich im Verlauf des Zuges auch an.

"Eine solche Demonstration kommt genau richtig"

Zuvor hatten Lea Weinmann aus Eisenach und Jonas Riese aus Jena die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Zentrum Sonnebergs begrüßt. Eine solche Demonstration komme in diesen Tagen genau richtig, in denen sich die Jugend zunehmend gegen Umweltzerstörung, reaktionäre Flüchtlingspolitik und Rechtsentwicklung der Regierung auflehnt und organisiert.

 

Führende Repräsentanten der Bergarbeiterbewegung aus Peru, Marokko und Kongo nutzten die Gelegenheit für kurze Grußbotschaften. Sie brachten zum Ausdruck, dass auch sie für die Zukunft der Jugend und der gesamten Menschheit kämpfen und sich freuen, die vielen rebellischen Jugendlichen zu sehen.

Protest gegen Abschiebung eines syrischen Flüchtlings

Unter großem Beifall einstimmig verabschiedet wurde eine Protest- und Solidaritätserklärung für den jungen Flüchtling und Widerstandskämpfer. Er wurde während der Hinfahrt gemeinsam mit Teilnehmern aus Karlsruhe, Heilbronn und Mannheim vom Zoll während eines Halts zeitweise festgehalten und soll nun abgeschoben werden (mehr dazu). Er hat gegen den faschistischen IS gekämpft, davon noch eine Kugel im Bein und verdient kein Asyl?

 

Ein Höhepunkt waren die kurzen Ansprachen aller bis dahin anwesenden internationalen Teilnehmer - moderiert durch ICOR-Hauptkoordinatorin Monika Gärtner-Engel. Teilnehmerinnen aus Südkorea sagten: "Es gibt einen Grund, warum warum wir hier sind - das ist die internationale Solidarität." Sie waren besonders beeindruckt vom Ort der Kundgebung mitten in Ostdeutschland, weil sie selbst für die Wiedervereinigung ihres Lands kämpfen und in Deutschland erleben, dass dies erfolgreich gelingen kann.

Grußworte internationaler Teilnehmer

Grußworte kamen auch von internationalen Gästen aus der Schweiz, aus Nepal, den Philippinen, von einem derzeit in Stuttgart lebenden Flüchtlingsaktivisten aus Gambia, einem Vertreter der türkischen Migrantenorganisation ATIF sowie von den Repräsentanten der internationalen Bergarbeiterbewegung.

 

Auf der Abschlusskundgebung im Wohngebiet Wolkenrasen sprachen Vertreter des Internationalistischen Bündnisses aus Thüringen, von der Umweltgewerkschaft und dem Zentralen Koordinierungsausschuss des Pfingstjugendtreffenns, ein palästinensischer Migrant sowie Martina Stalleicken von der MLPD. Sie widerlegte die Propaganda, dass im Osten so viele Menschen rechts eingestellt seien. Die MLPD stößt bei aller Wirkung der AfD-Stimmungsmache gerade hier auf große Offenheit und wachsendes Interesse. Mit einer fröhlichen Zumba-Vorführung, bei der viele mittanzten, ging die Kundgebung zu Ende.

Heute in Sonneberg-Wolkenrasen: Zumba-Rhythmen bewegen zum Mittanzen (Foto: RF)
Heute in Sonneberg-Wolkenrasen: Zumba-Rhythmen bewegen zum Mittanzen (Foto: RF)

In Kürze:

  • Rund 1.000 Teilnehmerinnen bei Zukunftsdemonstration in Sonneberg
  • Pfingstjugendtreffen eröffnet
  • Schon am ersten Tag vielfältiges Programm
  • Kurzentschlossene herzlich nach Truckenthal eingeladen

Pfingstjugendtreffen wird eröffnet

Zurück auf dem Platz wurde das 19. Internationale Pfingstjugendtreffen um 14.15 Uhr mit einem Trommelwirbel einer Kulturgruppe des Jugendverband REBELL eröffnet. Es folgte die Kölner Band Gehörwäsche mit ihrem fetzigen Song “Die Zeit ist reif ...“ Eine monatelange Vorbereitung mündete in der feierlichen Eröffnung. “Rebellisch for Future“ so das Motto des selbst organisierten Treffens, das erstmals in Thüringen stattfindet. Durch die Eröffnung führten Lea Weinmann aus Eisenach und Jonas aus Karlsruhe vom zentralen Koordinierungsausschuss des Treffens.

 

Kurz darauf startete bereits das Fußballturnier, über dessen Verlauf und Ergebnisse Rote Fahne News morgen mehr berichten wird. Fest steht schon heute die äußerst "multikulturelle" Zusammensetzung der Spieler. Beim Schachduell konnte man heute ebenfalls seine Fähigkeiten in Strategie und Taktik messen.

"Was ich die Parteivorsitzende der MLPD schon immer fragen wollte"

Weit über 100 Menschen wollten mit Gabi Fechtner, der Vorsitzenden der MLPD, diskutieren. "Was die MLPD dazu sagt, dass die SPD sich jetzt nicht mehr Volkspartei nennen will“, wollte ein Teilnehmer wissen. "Dieser Titel als 'Volkspartei' war schon immer falsch. Er diente der Verschleierung und sollte den Eindruck erwecken, sie würden die Interessen der gesamten Bevölkerung vertreten. Tatsächlich setzen sie die Diktatur der Monopole um und sind dafür zu allem bereit. Das stößt unter den Massen zunehmend auf Widerspruch. Wir begrüßen, wenn die Monopolparteien an ihrem Anspruch scheitern“, so die Antwort der 41-jährigen Solingerin.

 

Woher sie ihren Mut nehme, wurde sie gefragt, und was passiere, wenn MLPD-Kandidaten wahlversprechen nicht halten? Gabi Fechtner verwies auf die entsprechenden Kandidatengrundsätze: gegebenenfalls müssen Leute auch zurücktreten. Aber man muss auch wissen, dass unter kapitalistischen Bedingungen nicht alles Wünschenswerte umzusetzen ist. Deswegen versprechen wir auch keine Dinge, die wir nicht halten können. Wir würden uns anders als zum Beispiel die Linkspartei nicht an einer kapitalistischen Regierung beteiligen.

 

Gabi Fechtner bezog Stellung gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr und für die internationale Solidarität. Auffällig viele Flüchtlinge und Migranten, aber auch Kinder nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen. Auch Fragen zur Perspektive des echten Sozialismus. Sie warnte vor Blauäuigkeit: der Sozialismus muss sich auch verteidigen können. Und die Massen müssen im Sozialismus auch eine Kontrolle über die Denkweise der Führung ausüben. "Wir wissen, dass sich die Denkweise von Funktionären auch negativ entwickeln kann. Wir haben deshalb ein ganzes System der Kontrolle, damit die Partei ihren revolutionären Kurs beibehält.“ Das ist bei uns eine normale, selbstverständliche Sache.

Horst Seehofer "verurteilt" ...

Bei dem mit rund 300 Teilnehmern überfüllten Tribunal "Gegen die Fluchtursachen und die reaktionäre Flüchtlingspolitik" folgten wie bei einem richtigen Prozess auf eine Anklage Zeugenbefragung, Verteidigung und Urteilsspruch. Anders als beim bürgerlichen Gericht gab es aber eine abschließende Abstimmung über die Verurteilung.

 

Auf dem Podium saßen Isaya Irani (Nigeria), Franziska Schmitt (REBELL) und Monika Gärtner-Engel von der ICOR. Hauptangeklagter war Horst Seehofer stellvertretend für die reaktionäre Flüchtlingspolitik, Hauptankläger Alassa Mfouapon, der allerdings nicht anreisen durfte, jedoch eine fundierte Botschaft via Video vortrug. Außerdem gab es zirka 30 Zeugen der Anklage, unter anderem den Bruder von Alassa Mfouapon. Innenminister Seehofer entzog sich der Teilnahme am Prozess - doch er wurde in einem charakteristischem Video vorgestellt.

... zur Höchststrafe

Das Publikum kam zu einem einhelligen und fundierten Urteil. Horst Seehofer und die anderen Verfechter einer ultrareaktionären, faschistoiden Flüchtlingspolitik in den verschiedenen Regierungen Europas werden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Höchststrafe verurteilt. Diese besteht in der Selbstverpflichtung, sich zusammenzuschließen, bis die Reichtümer der Erde Mensch und Natur zur fruchtbaren Nutzung gehören. Das kann viele Gesichter haben - von gegenseitiger praktischer Hilfe bis zum gesellschaftsverändernden Kampf für das kommunistische Freiheitsideal.

 

Die fundierte Anklage von Alassa Mfouapon und die 30 Zeugen haben den Willen und die Fähigkeit unter Beweis gestellt, aufrecht, selbstbewusst und kompetent die ganze Menschenfeindlichkeit der Flüchtlingspolitik Horst Seehofer und ihre Wurzeln im Imperialismus nachzuweisen.Die Kraft der Einheit von kämpferischen Flüchtlingen mit anderen kämpferischen Kräften in Deutschland und international wurde eindrucksvoll deutlich.

Reichhaltiges Programm wird fortgesetzt

Das reichhaltige Programm allein des ersten Tages umfasste noch viel mehr. Da gab es eine rebellische Berufsberatung mit Bergleuten, einen Workshop "Werde Videoreporter", Rositas Puppenbühne, eine Buchlesung zum Hamburger Aufstand, eine Gesprächsrunde zur antifaschistischen Arbeit, einen Kampfsportworkshop und vieles mehr.

 

Alle Kurzentschlossenen sind herzlich eingeladen, zur heutigen Abendveranstaltung "Für die Zukunft der Jugend - Organisiert euch!" und zum zweiten Tag des Pfingstjugendtreffens nach Truckenthal zu kommen.

 

Bericht über das Pfingstjugendtreffen beim MDR Thüringen Journal