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Betriebsversammlung: Beschluss des Vorstands wird auch im Schaltwerk abgelehnt

Mit großen Fragen sind mehr Kolleginnen und Kollegen zur Betriebsversammlung am 4. Juni gekommen.

Korrespondenz aus Berlin
Betriebsversammlung: Beschluss des Vorstands wird auch im Schaltwerk abgelehnt
Berliner Siemens-Belegschaft beim Warnstreik 2017 (rf-foto)

Doch ihre Erwartungen, ihre Fragen vom Siemens-Vorstand beantwortet zu bekommen, wurden schwer enttäuscht, denn weder von der Geschäftsleitung noch von führenden Betriebsräten wurden die Fragen, wie es nach der Ausgliederung mit den Arbeitsplätzen, der Übernahme der Lehrlinge und verschiedenes mehr weitergeht beantwortet. Später am Tor sagten viele Kolleginnen und Kollegen ironisch: „Die Betriebsversammlung war eine tolle Verkaufswerbung vom Vorstand“. Ein älterer Leiharbeiter meinte: „Ein psychologisches Ablenkungsmanöver“. Ein anderer Kollege: „Die Belegschaft wurde von Siemens vor vollendete Tatsachen gestellt - alles mal wieder über die Köpfe hinweg“. „Das beste waren die Plakataktion und die Reden von Kollegen gegen den Arbeitsplatzabbau bei Siemens. Wir müssen lernen zusammenzuhalten, eben nicht nur vier oder fünf Leute. Da muss mehr passieren!“.

Massive Propaganda des Vorstands

Seit Wochen versucht Siemens mit einer massiven Propaganda „wonach das neue Unternehmen eine Chance für die Mitarbeiter wäre“ die Belegschaft zu desorientieren. Demoralisierend wirkt auch die bisherige Kapitulation der IG-Metall-Führung und vieler Betriebsräte vor der Politik aus München.

Scharfe Kritik von IG-Metall-Kolleginnen und -Kollegen

In der Aussprache auf der Betriebsversammlung kritisierten IG-Metall-Kolleginnen und Kollegen die Verschärfung der Ausbeutung durch Ausgliederung und Arbeitsplatzvernichtung. Diese geht aktuell soweit, dass bei über 30 Grad in den Hallen aus Sparmaßnahmen das Wasser für die Kollegen gestrichen wurde oder die Lehrlinge nur noch für ein Jahr übernommen werden, während Kolleginnen und Kollegen zeitgleich zu 30 Überstunden monatlich gezwungen werden. Desweiteren wurde betont, dass die Siemens-Belegschaft letztes Jahr gegen die Pläne des Vorstands ein Signal gesetzt hat und die Schließung mehrerer Werke verhindert hat. Auch wurde vorgeschlagen, dass der Umbau auf erneuerbare Energien Tausende Arbeitsplätze sichern und schaffen könnte. Die Politik zur Steigerung des Maximalprofits für die Interessen des internationalen Finanzkapitals wird von vielen abgelehnt.

 

Es gibt aber auch Kolleginnen und Kollegen, die sich erhoffen, von der Profitsteigerung selbst zu profitieren. Große Anerkennung und Beifall gab es für zehn Kolleginnen und Kollegen, die mit einem Riesentransparent auf der Betriebsversammlung demonstrierten „Für den Kampf um jeden Arbeitsplatz! Weg mit dem Plan von Joe Kaeser!“. Auf die Frage wer für die Abspaltung des Energie- und Kraftwerksgeschäft von Siemens ist, meldete sich keiner von über 1000 anwesenden Kolleginnen und Kollegen. Es wächst das kämpferische Selbstbewusstsein über die Erkenntnis, welche Kraft die weltweite Siemens-Belegschaft hat, wenn sie gemeinsam kämpft.