Berlin

Berlin

Mehr als 50.000 bei IG Metall-Demonstrationen und -Kundgebung

Im Zusammenhang mit E-Mobilität und Digitalisierung bilden sich neue Strukturkrisen heraus. Heute fand in Berlin die erste Arbeiter-Massendemonstration gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf den Rücken der Arbeiterklasse und der Massen statt.

Von der Landesleitung Ost der MLPD
Mehr als 50.000 bei IG Metall-Demonstrationen und -Kundgebung
Kundgebung am Brandenburger Tor: 50.000 Metallerinnen und Metaller (Foto: RF)

Der Verlauf der Demo und die vielen Gespräche machen deutlich: Die Metallerinnen und Metaller machen sich tiefe Gedanken über grundlegende Fragen.

 

Bei der Hauptkundgebung auf der Straße des 17. Juni konnte der erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, über 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. Aus ganz Deutschland sind die Kolleginnen und Kollegen nach Berlin gekommen. Sie treibt die Sorge um die Zukunft der Arbeitsplätze, die mutwillige Zerstörung der Umwelt allein aus Profitgier, die Zukunft der Jugend und die wachsende Kriegsgefahr nach Berlin. Sie haben dabei weite Wege und zum Teil beschwerliche Anfahrten mit dem Zug in Kauf genommen.

 

Aus Bamberg kamen 1.900 Kolleginnen und Kollegen von Bosch; 750 waren aus Augsburg; sieben Busse allein aus Leipzig von BMW; sieben Busse von Porsche; zwei Busse aus Eisenhüttenstadt mit 400 Kollegen; von Mannesmann in Mülheim an der Ruhr nahmen 550 teil. Kolleginnen und Kollegen aus Rheinland-Pfalz und Hessen, aus Köln und aus Rüsselsheim, aus Lengerich, Karlsruhe und Pforzheim und, und, und ...

 

"Diese Demo kann nur der erste Schritt sein", dieser Meinung war nicht nur der IG-Metall-Kollege der Meyer-Werft aus Papenburg, der mit 80 Kolleginnen und Kollegen nach Berlin zur bundesweiten Demonstration der IG Metall angereist war.

"Es geht darum, klare Kante zu zeigen"

Die Kolleginnen und Kollegen aus Stuttgart waren elf Stunden mit dem Sonderzug unterwegs, ihrer Stimmung hat das keinen Abbruch getan. „Schließlich geht es darum, klare Kante zu zeigen. Ich hoffe, dass wir heute ganz viele sind, damit die Regierung und die Vorstände wissen, dass wir bereit sind, für unsere Forderungen zu kämpfen.“ „Toll, mit so vielen gemeinsam zu demonstrieren.“

 

Entgegen der ursprünglichen Planung, nur eine Kundgebung am Brandenburger Tor zu machen, hatte die IG-Metall-Jugend zu einer Demonstration beginnend am Roten Rathaus aufgerufen. Die Jugenddemo war geprägt von vielen selbstgemachten Transparenten, vor allem zur Ausbildung und zum Schutz der Umwelt. Auch viele ältere Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an der kämpferischen und bunten Demonstration mit rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

 

So wie die Stahlarbeiter aus Eisenhüttenstadt mit einem Riesen-Transparent: „Stahlarbeiter aus Eisenhüttenstadt können kämpfen!“ Kolleginnen und Kollegen von Infineon aus Dresden trugen mit den Auszubildenden ein Transparent mit der Forderung nach unbefristeter Übernahme der Azubis bei Infineon und anderswo. „Ohne uns keine Zukunft - die Jugend von heute“, stand auf dem Transparent der Azubis von Daimler Sindelfingen.

Gespräche auf der Jugenddemo

In Gesprächen berichteten Kolleginnen und Kollegen aus Sindelfingen, dass es in der Automobilindustrie einen großen Umbruch gibt. Die Arbeiter müssen Verantwortung übernehmen für die Verteidigung der Arbeits- und Ausbildungsplätze genauso wie für die Rettung der Umwelt. Die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz vom 19. bis 23. Februar 2020 in Südafrika ist da sehr bedeutsam.

 

IG-Metall-Jugendliche aus Coburg sagten: "Mit der Demo was bewegen, das bringt echt was! Je mehr Leute, desto größer die Aufmerksamkeit in den Medien. 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist notwendig und die unbefristete Übernahme entsprechend der Ausbildung!“

 

Besucher aus der Stadt Albany in den USA freuten sich, dass die Gewerkschafter-Demo klar Stellung gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und der bürgerlichen Parteien in Deutschland nimmt. "Das braucht's gegen die Rechtsentwicklung in den USA auch!" "Nazis raus aus den Betrieben" forderte der Ortsjugendausschuss der IG Metall Hamburg.

Angleichung der Arbeitszeit Ost mit West gefordert

Auch Jugendliche der Fridays-for-Future-Bewegung beteiligten sich an der Jugenddemo. Forderungen für die Rechte der Frauen wurden mitgetragen. Ins Auge fiel das riesengroße Schild eines ostdeutschen Kollegen mit der "35 h-Woche" drauf. Ein Ausdruck, dass die Forderung nach der Angleichung der Arbeitszeiten, Löhne und Arbeitsbedingungen in Ost und West bei den Kolleginnen und Kollegen in Ostdeutschland eine große Rolle spielt.

 

Mehrere Demonstrationen mit 500 bis 1.500 Beteiligten gab es vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Kolleginnen und Kollegen, die mit Sonderzügen aus allen Teilen Deutschlands angereist waren, legten den Weg zum Kundgebungsort in Demonstrationszügen zurück.

Ganze Bandbreite der Rechtsentwicklung der Regierung am Pranger

Bei der Kundgebung vor dem Reichstag war die Kritik an der ganzen Bandbreite der Rechtsentwicklung von Regierung und bürgerlichen Parteien vertreten. Im Mittelpunkt standen die Flüchtlingspolitik der Regierung, die Jugendarbeitslosigkeit, die Wohnungsnot und der Kampf gegen Neofaschisten und die rassistische und faschistoide AfD.

 

In seiner Rede reagierte der erste Vorsitzende der IG Metall auf das gewachsene Umweltbewusstsein und stellte heraus, dass es zwischen Umweltschutz und Arbeitsplätzen keinen Widerspruch geben darf. Das ist zu begrüßen. Nicht aber, dass Jörg Hofmann sich für die unverbindlichen und völlig unzureichenden Ziele der Pariser Klimakonferenz einsetzte.

 

Er sprach dem Imperialismus zu Recht zerstörerische Kräfte zu. Dies verband er aber mit der Propagierung der Illusion, diese Kräfte durch Mitbestimmung „gestalten“, "fair umwandeln" zu können. Dabei zeigt sich Tag für Tag immer deutlicher, dass die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus immer mehr und tiefere Krisen erzeugen, die Kapitalisten für ihre Maximalprofite buchstäblich über Leichen gehen und die Umwelt zerstören. Der Kapitalismus kann nicht „fair“ umgestaltet werden, sondern muss revolutionär überwunden werden.

Wir brauchen Arbeitsplätze und Umweltschutz!

Große Einheit herrschte unter den Beteiligten, dass es Zeit ist, für die Arbeitsplätze und den Schutz der Umwelt zu kämpfen. Allerdings wird die Dimension der Folgen der verschiedenen Strukturkrisen und die mit den offenen Handelskriegen sich verschärfende imperialistische Kriegsgefahr von vielen Kolleginnen und Kollegen noch unterschätzt.

 

Zum Teil verfängt die reformistische Parole der IG-Metall-Führung von einem „fairen Wandel“. Die Losung setzt ja auch an an dem in der Arbeiterklasse und unter den Massen positiv besetzten Wert der Fairness. Welcher Arbeiter, welche Arbeiterin ist nicht für Gerechtigkeit und fairen Umgang miteinander. In vielen Gesprächen konnte Einheit erzielt werden, dass von den Kapitalisten keine Fairness zu erwarten ist.

 

Jedoch bedarf es hierzu weiterer Auseinandersetzungen. So, wenn einige Stahlkollegen billigen Stahl aus Indien und China als Konkurrenz sehen, weil "die ja nichts für die Umwelt tun müssen". Monopole und rechte Gewerkschaftführung verbreiten sozialchauvinistische Gedanken. Hier war wichtig, gegen die Spaltung der Arbeitereinheit einzutreten.

Große Aufgeschlossenheit gegenüber der MLPD

Die Betriebsgruppen der MLPD hatten im Vorfeld für die Beteiligung an der Demo mobilisiert; in Berlin begrüßte die MLPD die Demonstrantinnen und Demonstranten:  „Wir begrüßen Euch in Berlin, wo vor hundert Jahren die revolutionären Arbeiter und Soldaten den Kaiser davongejagt und den ersten Weltkrieg beendet haben. In dieser Tradition steht die MLPD."

 

An drei Hotspots konnten sich die Kolleginnen und Kollegen mit den Standpunkten der MLPD bekannt machen. An den offenen Mikrofonen war Gelegenheit, sich zu äußern. Die Genossinnen und Genossen diskutierten intensiv mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der Demo. Fast 10.000 Flugblätter fanden interessierte Abnehmer.

 

Die Standpunkte der MLPD stießen auf großes Interesse und Aufgeschlossenheit: zu den Ursachen der krisenhaften Entwicklung, den Forderungen im Kampf gegen die Abwälzung der Krisenlasten wie der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, zur Notwendigkeit starker Gewerkschaften als Kampforganisationen und für Sofortmaßnahmen zum Schutz der natürlichen Umwelt.

 

Die Schlussfolgerungen, die die MLPD aus der revisionistischen Entartung der DDR für einen neuen Aufschwung zum Kampf für den Sozialismus gezogen hat, interessierten viele ganz besonders. Konkret schlug sich das in einer ganzen Zahl von Kontaktwünschen mit der MLPD nieder. Wer die kapitalistischen Krisen beseitigen will, muss den Kapitalismus revolutionär überwinden. Dazu muss die MLPD gestärkt werden!