Rekordtemperaturen

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Neue Hitzewelle aus der Sahara - Jetstreams werden instabiler

Die derzeitige Hitzewelle wird nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes die 40-Grad-Marke knacken. Erst fünf Mal seit Wetteraufzeichnungen gab es in Deutschland Temperaturen über 40 Grad Celsius, im Juni noch nie.

Von es/hkr
Neue Hitzewelle aus der Sahara - Jetstreams werden instabiler
Heute und in den nächsten Tagen kann das Thermometer die 40-Grad-Marke überschreiten (Foto: Geralt / Pixabay)

"Das wird eine unerträgliche, ja teils mörderische Hitzewelle sein", sagt Dominik Jung von wetter.net. Bis einschließlich Mittwoch werde es jeden Tag heißer, ergänzt DWD-Meteorologe Adrian Leyser. „Das ist die dritte Hitze-Welle im Juni 2019 und zum aktuellen Stand liegt die Abweichung der Temperaturen gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit plus 3,5 Grad im deutlich zu warmen Bereich.“

Droht die nächste Dürreperiode?

Verbunden ist das mit einem starken Anstieg ungewöhnlich hoher UV-Strahlungswerte. Die hohen Temperaturen stellen für viele Menschen, vor allem für ältere, eine große Gefahr dar. Im Sommer 2003, der sehr lange heiß und trocken war, starben in Europa ca. 70.000 Menschen hitzebedingt.

 

Auch an den Arbeitsplätzen in den Betrieben wird es teilweise unerträglich. Während den Schulen freigestellt ist, "hitzefrei" zu gewähren, werden vielen Arbeitern und Angestellten selbst minimale Schutzmaßnahmen verwehrt. Es ist völlig richtig, das gemeinsam einzufordern.

 

Schon das vergangene Jahr war eines der trockensten Jahre. Die Folgen dieser Trockenheit sind in vielen Regionen Deutschlands, vor allem im Nordosten, noch nicht überwunden, da droht schon die nächste Dürre. 

Ungewöhnliches Wechselspiel von Tief- und Hochdruckzentren

Verantwortlich für die Hitzewelle ist ein Hochdrucksystem über Mitteleuropa, welches im Verbund mit einem eingekapselten Tiefdrucksystem, das ungewöhnlich weit südlich über dem Atlantik liegt, sehr warme Luftmassen aus Afrika nach Europa befördert.


„Eine wesentliche Ursache dieser Extremwetterereignisse liegt in Veränderungen globaler Strömungssysteme der Luft. Die überdurchschnittliche und rasche Erwärmung der Arktis um 2 Grad Celsius seit 1980 beginnt den Jetwindgürtel auf der Nordhalbkugel zu destabilisieren. Dadurch verändern sich die Wege polarer Tiefdruck- und subtropischer Hochdrucksysteme.“ So die Analyse von Stefan Engel im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" (S. 162)

Jetstream-Wellen verändern sich

In der oberen Troposphäre oder der unteren Stratosphäre, also in Höhen zwischen etwa 8.000 und 12.000 Metern, mäandert der Jetstream über der Erde. Ein Starkwindfeld, der durch die Temperatur-Gegensätze zwischen Äquator und den Polen entsteht und unser Wetter bestimmt. Durch die fortschreitende Erwärmung des Erdklimas infolge der rasanten Zunahme der Treibhausgase verändern sich die bisher relativ ausgeglichenen Wellen des Streams. Sie werden langsamer und instabiler, bleiben immer öfter hängen, die Amplituden werden größer oder der Jetstream verlagert sich insgesamt.

 

Rasch wechselnde Extremwetterlagen sind die Folge: zwischen Hitze- oder Kältewellen, besonders niederschlagsreichen oder trockenen Phasen, extremen Sturmlagen usw.

Hat Markus Söder "verstanden"?

Seit Monaten demonstrieren Jugendliche der Bewegung „Fridays for Future“ massenhaft dafür, dass die Regierungen ihren wortreichen Klimakonferenzen endlich Taten folgen lassen.


Scheinheilig geben bürgerliche Politiker vor, das Anliegen der Jugendlichen aufzugreifen. So fordert neuerdings CSU-Chef Markus Söder ein Vorziehen des Ausstiegs aus der Kohleverbrennung auf 2030.

 

Dahinter steckt weniger Einsicht, als dass er die Kohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen durch Erdgaskraftwerke in Bayern ersetzen will, die - wenn auch weniger - ebenfalls klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft blasen. Außerdem will er die dann freiwerdenden CO2-Rechte im Rahmen des betrügerischen Emissionshandels den Autokonzernen zuschanzen, mit denen die bayerische Landesregierung besonders eng verflochten ist.

 

Erst letzte Woche hat der EU-Gipfel mit Zustimmung der deutschen Regierung selbst das völlig unzureichende und auch fragwürdige Ziel "klimaneutrales Europa bis 2050" auf die zweite Hälfte des Jahrhunderts verschoben. Damit nehmen die imperialistischen Politiker den weiteren ungebremsten Übergang in die globale Umweltkatastrophe mutwillig in Kauf und setzen sich rücksichtslos über die protestierenden Jugendlichen hinweg.

Erst der Anfang

Sie steuern damit auf noch weit dramatischere Folgen zu als wir sie jetzt erleben. Denn die aktuellen Extremwetterereignisse sind erst der Anfang dieser verheerenden Entwicklung. Sie ist teilweise in anderen Ländern schon weiter vorangeschritten.

 

So hat es im Süden von Australien fünf Jahre lang nicht geregnet, zahlreiche Farmer mussten ihre Viehbestände keulen, die Zahl der Suizide unter ihnen stieg. Gleichzeitig konnte sich der Norden Australiens vor Stürmen und Wasser kaum retten. In Indien gab es eine historische Dürre. Eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius machte das Leben unerträglich.

Sofortforderungen und gesellschaftsverändernder Kampf notwendig

Für eine wirkliche Rettung von Klima und Umwelt ist ein gesellschaftsverändernder Kampf notwendig. Dafür setzt sich die MLPD mit ihrem Jugendverband REBELL ein. Schon jetzt können und müssen im aktiven Massenwiderstand Sofortforderungen durchgesetzt werden wie die nach rascher Absenkung der Treibhausgas-Emissionen um 70 bis 90 Prozent bis 2030 und nach Absenkung des CO2-Gehalts in der Luft auf 350 ppm, wie es im Programm der MLPD steht.


Statt den Individualverkehr auszubauen, wie es die Regierung tut, sind ein rascher Ausbau des öffentlichen Verkehrs und ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr notwendig.

Initiative der Umweltgruppen der MLPD

Die Umweltgruppen der MLPD führen derzeit eine besondere Initiative zur Bekanntmachung der umweltpolitischen Positionen der MLPD durch, bei der insbesondere das Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ von Stefan Engel breit vorgestellt und vertrieben wird. Es arbeitet die Dimension und die Ursachen der im imperialistischen Weltsystem mittlerweile gesetzmäßig gewordenen Umweltzerstörung wissenschaftlich fundiert heraus und gibt Mut, für eine weltweite sozialistische Gesellschaftsordnung auf der Grundlage der Einheit von Mensch und Natur zu kämpfen.

 

Umweltplakate der MLPD und Aufkleberserie der Umweltplattform des Internationalistischen Bündnisses