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Umsatz- und Gewinnrückgänge deutscher Konzerne - was sind die Hintergründe?

Während sich die Bundesregierung weiterhin mit der angeblich überdurchschnittlichen deutschen Wirtschaftsentwicklung brüstet, mehren sich auch hierzulande die Vorboten einer neuen Weltwirtschafts- und Finanzkrise.

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Umsatz- und Gewinnrückgänge deutscher Konzerne - was sind die Hintergründe?
Containerschiff im Hamburger Hafen (Foto: pexels / CC0)

Das Handelsblatt berichtet am 20. Juni, dass bei den 70 deutschen unter den 500 umsatzstärksten europäischen Konzernen die Nettogewinne um 17 Prozent auf 86 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr eingebrochen seien, während insgesamt Europas Top 500 ihre Gewinne um knapp sechs Prozent auf 548 Milliarden Euro steigern konnten.

 

Das Handelsblatt schreibt: "In keinem anderen größeren Industrieland sind die Gewinne 2018 so stark eingebrochen wie in Deutschland. Betroffen sind alle Branchen, in der Industrie sind die Minuszeichen besonders groß: Daimler 31 Prozent, BASF 23, Klöckner und Leoni jeweils 48 Prozent."  Diese Entwicklung wird vor allem darauf zurückgeführt, dass sich die große Abhängigkeit der deutschen Konzerne von der Weltwirtschaft und insbesondere von China "räche".

Monopole drängen auf härtere Gangart

Tatsächlich machen sich die Auswirkungen des Handelskriegs zwischen den USA und China aufgrund der hohen deutschen Exportabhängigkeit noch stärker als in anderen Ländern bemerkbar. Das ist auch ein Hintergrund dafür, dass die Unternehmerverbände beim „Tag der deutschen Industrie“ am 4. Juni von Bundeskanzlerin Merkel und ihrer Regierung eine härtere Gangart zur Durchsetzung der Monopolinteressen einforderten.

 

Dabei kann sich der offene Handelskrieg weiter verschärfen. Anfang Mai erhöhten die US-Zollbehörden die Sonderzölle auf 5.700 chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10 auf 25 Prozent. US-Präsident Donald Trump droht nun sogar damit, alle Einfuhren aus China im Wert von mehr als 500 Milliarden US-Dollar mit Zöllen zu überziehen.

Handelskrieg wirkt negativ zurück

Dass parallel dazu intensive Verhandlungen mit China zur Beilegung des offenen Handelskriegs laufen, zeigt die Probleme der US-Regierung angesichts der Tatsache, dass dieser bereits negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA zurückwirkt. So schwächten sich die bisher relativ hohen Wachstumsraten der US-Industrieproduktion im Laufe des Jahres immer weiter ab - bis auf nur noch 1,5 Prozent im April 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat.¹

 

Der deutsche Imperialismus hatte noch 2016 mit einer Rekord-Exportoffensive eine bedeutende Verschiebung zu seinen Gunsten erreicht. Deutsche Übermonopole profitierten überdurchschnittlich von den Zuwachsraten im Handel mit Osteuropa. 20 Prozent des deutschen Außenhandels und somit deutlich mehr als der deutsche Austausch mit China und den USA gehen nach Osteuropa.²

Wachsende Widersprüche verschärfen allgemeine Kriegsgefahr

Kein Wunder, dass Donald Trump gegen die EU und insbesondere gegen Deutschland wettert: „Europa behandelt uns schlechter als China“. Deutschland bezahle Russland „als potenziellem Feind Abermilliarden Dollar für Energie“.³

 

Dabei geht es Trump vor allem darum, das teurere US-Flüssiggas nach Europa zu verkaufen und eine verstärkte militärische Aufrüstung Deutschlands im Rahmen der NATO durchzusetzen. Das zeigt die wachsende allgemeine Kriegsgefahr, die von den Verschiebungen im imperialistischen Kräfteverhältnis ausgeht.

Autokonzerne besonders betroffen

Von der Exportabhängigkeit als empfindlichster Achillesferse der deutschen Wirtschaft sind allen voran die Automobilkonzerne betroffen, auch in Verbindung mit der Umstellung auf E-Mobilität.

 

Eine Studie des Forschungsinstitutes CAR der Universität Duisburg-Essen schätzt den Rückgang des weltweiten Auto-Umsatzes im laufenden Jahr um 5 Prozent auf 79,5 Millionen Autos – ein stärkerer Einbruch als in der letzten Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008. Für den Autoverkauf in China wird der Studie zufolge 2019 ein Rückgang von 10 Prozent erwartet.⁴

 

Der Pkw-Absatz ist dort im Jahr 2018 bereits um 3,8 Prozent gesunken, im Dezember 2018 um 15,8 Prozent.⁵ Besonders der VW-Konzern bekommt das zu spüren, China ist sein Hauptabsatzmarkt. Ungefähr 4 von 10 Millionen Autos werden dort verkauft. Der Absatz von VW-Neufahrzeugen in China ist im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Prozent gesunken. Auch Daimler und Audi verkauften weltweit 5 bzw. 6 Prozent weniger Autos im Vergleich zum Vorjahr.

Vernichtungsschlacht der Autokonzerne

Die Automobilkonzerne reagieren auf den verschärften Kampf um die Märkte mit einer Steigerung der Ausbeutung der Arbeiter und der Natur. Bürgerliche Ökonomen kündigen eine anstehende „Marktbereinigung“ an⁶ – zu deutsch: eine Vernichtungsschlacht der Autokonzerne, die massenhaft Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Job kosten wird.

 

Dem wird auch mehr und mehr die bisher heilige Kuh des angeblich „sozialverträglichen“ Verzichts auf betriebsbedingte Kündigungen geopfert. Erste betriebsbedingte Kündigungen gibt es im Bergbau, bei Opel und ZF TRW in Gelsenkirchen. Auch bei TKSE, VW und in anderen Betrieben werden betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich nicht mehr ausgeschlossen. VW entlässt im Werk Kassel-Baunatal 560 Leiharbeiter.

 

Ein Grund ist, dass in den Betrieben die Ablehnung der Konzernpläne wächst und viele Arbeiter trotz immensem Druck nicht bereit sind, ihren Arbeitsplatz „freiwillig“ gegen Abfindungsangebote oder Altersteilzeit aufzugeben.

Mit Standortpropaganda fertigwerden

Es wirkt aber auch noch vielerorts unter den Kolleginnen und Kollegen die Spaltung durch die Standortpropaganda, nach der das "eigene Land", das "eigene Werk" oder der "eigene Arbeitsplatz“ wichtiger sei als der gemeinsame und länderübergreifende Kampf der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie ihrer Familien gegen die Arbeitsplatzvernichtung, für die Zukunft der Jugend und den Erhalt der Umwelt.

 

Den offensiven Kampf gegen die Abwälzung der Krisenlasten aufnehmen kann nur, wer sich freimacht von der sozialchauvinistischen Denkweise der "gemeinsamen nationalen oder EU-Interessen". Das geht am besten zusammen mit den Betriebsgruppen der MLPD und ihrem Know-how zur Führung von Arbeiterkämpfen.

Weiterführende und vertiefende Literatur der MLPD:

 

Wirtschaftsentwicklung und Klassenkampf (8 Euro)

 

Krisen und Klassenkampf (11,50 Euro)

 

Götterdämmerung über der "neuen Weltordnung" (27 Euro)

 

Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen (2 Euro)