Deutsche Bank

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Jeder fünfte Arbeitsplatz in Gefahr

Der Vorstand der Deutschen Bank verkündete gestern, am 7. Juli 2019, einen radikalen Umbau und die Vernichtung von 18.000 Vollzeitstellen. Das ist jeder fünfte Arbeitsplatz.

Von hz
Jeder fünfte Arbeitsplatz in Gefahr
Frankfurter Bankenviertel mit den Konzernzentralen von Deutscher Bank und Commerzbank (Foto: Epizentrum / Eigenes Werk)

Bereits 2018 hat das Institut rund 6000 Stellen abgebaut. Alte und neue Strukturkrisen und sich mehrende Anzeichen für eine neue Weltwirtschafts- und Finanzkrise verschärfen den internationalen Konkurrenzkampf. Immer mehr international tätige Konzerne und Banken verändern in diesem Zuge ihre Strukturen oder suchen ihr Heil in Großfusionen. Nach dem Scheitern der Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank Ende April jetzt also „Umbau“ der Deutschen Bank. In beiden Fällen sind solche Pläne mit massiver Arbeitsplatzvernichtung verbunden. Es ist der größte "Umbau" in der 149-jährigen Bankgeschichte. Diese Geschichte ist auf das Engste mit dem Aufstieg des deutschen Imperialismus, zwei Weltkriegen und dem Wiederaufstieg des neudeutschen Imperialismus nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden.

 

„Die Neuorganisation der internationalen Produktion erfordert Finanztransaktionen, die oftmals die Kapitalkraft einzelner Monopole übersteigen. Daraus leitet sich ein ökonomischer Zwang zur Herausbildung international operierender Großbanken ab.“¹ Dementsprechend stieg die Deutsche Bank in den 1990er-Jahren massiv in das Investment-Bankgeschäft ein. Sie fiel aber im internationalen Konkurrenzkampf zurück.

 

Im ersten Halbjahr 2019 sind die Einnahmen der Bank aus dem Börsengeschäft sowie der Beratung von Fusionen und Übernahmen um 20 Prozent gesunken - so stark wie bei keinem anderen der 15 führenden Investmentbanken. Bei der Begleitung von Börsengängen und Kapitalerhöhungen brachen die Erlöse in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr sogar um 48 Prozent auf 177 Millionen Dollar ein. Dazu musste sie rund 14 Milliarden Euro an Strafen wegen illegaler „Offshore“-Geschäfte zahlen. Statt der verantwortlichen Manager will der Vorstand jetzt aber die Kosten auf den Rücken der Beschäftigten abwälzen.

 

Die geplante Fusion mit der Commerzbank sollte ein Neuanlauf zur internationalen Großbank sein. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) setzte sich offensiv für diese Fusion ein: „Die global agierende deutsche Industrie braucht konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in alle Welt begleiten können“.² Hier bekennt er sich offen als Dienstleister von Teilen des in Deutschland ansässigen allein herrschenden Finanzkapitals. Einem anderen Teil der Herrschenden war die Fusion zweier angeschlagener Banken zu riskant; sie wollen zuerst eine Stabilisierung mit der Möglichkeit zur Fusion mit anderen europäischen Banken.

Fusion hätte Steuermilliarden verschlungen

Auch entwickelte sich sich wegen der Milliarden an Steuergeldern zur Rettung „systemrelevanter“ Banken und deren Beihilfe zu Steuerhinterziehungen völlig zu Recht massiver Unmut unter der Masse der Bevölkerung. Die Fusion hätte zu offensichtlich neue Steuermilliarden verschlungen, auch die Masse der Angestellten der Deutschen Bank und die Gewerkschaft ver.di war wegen der zu erwartenden Arbeitsplatzvernichtung gegen die Fusion.

 

Die Pläne zu einem „Global Player“, einer großen internationalen Bank für die deutschen Monopole, sind nicht vom Tisch. Neben Olaf Scholz ist auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit seiner „Nationalen Industriestrategie 2030“ auf dieser Schiene.

Vernichtung von 18.000 der 92.000 Arbeitsplätze

Auch der jetzige Plan der Deutschen Bank zielt auf die Vernichtung von 18.000 der jetzt 92.000 Arbeitsplätze. ver.di setzt darauf, dass der Stellenabbau vor allem im Investmentbanking im Ausland stattfindet. ver.di-Chef Frank Bsirske will „den Prozess auf jeden Fall im Sinne der Beschäftigten begleiten“ und hofft, dass „der Personalabbau sozialverträglich erfolgt“. Aber die Vernichtung von Arbeitsplätzen ist nie "sozialverträglich"!

Keine falschen Hoffnungen und "Nein" zur Spaltung

Die Beschäftigten können sich auf solche Hoffnungen nicht einlassen, genauso wenig auf die Spaltung nach den verschiedenen Bereichen oder Ländern. Wir brauchen zur Verteidigung unserer Lebenslage den Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz. Die MLPD unterstützt und fördert den Widerstand gegen die Folgen dieses Plans des Vorstands. In London und New York regt sich Protest gegen die angekündigten Pläne. Eine internationale Koordinierung tut not.

 

Der ganze Vorgang zeigt: Großbanken sind Machtzentren des Imperialismus und spielen für die größten weltweit tätigen Konzerne eine entscheidende Rolle im Kampf um Maximalprofit und Einflussgebiete.

 

Ein Forderung nach „Entmachtung“ oder „Verstaatlichung“ der Deutschen Bank ist illusionär. Die Teilverstaatlichung der Commerzbank im Zuge des Ausbruchs der Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008 hat keine Arbeitsplätze gerettet. Bis 2013 waren bereits 5000 Arbeitsplätze "verschwunden". Aktuell ist dort die Vernichtung von 7300 Stellen dieses und nächstes Jahr angekündigt. Um die Monopolbanken  zu „entmachten“, muss die gesamte Macht des Finanzkapitals gestürzt werden.

 

Wer die Diktatur des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals überwinden will, ist eingeladen, die MLPD als revolutionäre Alternative zu stärken - für die gesellschaftliche Alternative des echten Sozialismus.