Moskau 1937

Moskau 1937

Lion Feuchtwanger zum 135. Geburtstag

Am vergangenen Sonntag hatte Lion Feuchtwanger Geburtstag, den 135.

Korrespondenz aus Ingolstadt

Der spätere große bürgerliche Schriftsteller wuchs in einer begüterten jüdisch-orthodoxen Familie in München auf. Seine schulische Laufbahn beschrieb er so: "Er (d. i. Lion Feuchtwanger) wurde von insgesamt 98 Lehrern in 211 Disziplinen unterrichtet, darunter waren Hebräisch, angewandte Psychologie, Geschichte der altbayerischen Fürsten, Sanskrit, Zinseszinsrechnung, Gotisch und Turnen, nicht aber waren darunter englische Sprache, Nationalökonomie oder amerikanische Geschichte ... Es wurde im Laufe seines Unterrichts der Name Plato 14 203mal, der Name Friedrich der Große 22 641mal, der Name Karl Marx keinmal genannt."

 

Die Errichtung des Hitler-Faschismus zwang ihn und seine Frau ins Exil, zunächst nach Frankreich, später in die USA. Die amerikanische Staatsbürgerschaft blieb ihm versagt. Er starb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles. Der Literaturpreis der Stadt München wäre ihm um ein Haar wieder aberkannt worden, weil er ein Glückwunschtelegramm zum 40. Jahrestag der Oktober-Revolution an die Sowjetunion geschickt hatte.

 

Mit „Moskau 1937 – ein Reisebericht für meine Freunde“ hat Lion Feuchtwanger einen wichtigen Beitrag für die Arbeiter- und kommunistische Bewegung geleistet. Er musste sich deswegen einer Menge antikommunistischer Anfeindungen erwehren. Er ist nicht eingeknickt, mutig verteidigte er seinen Standpunkt – unterstützt übrigens vom Philosophen Ernst Bloch. „Ich machte mich auf den Weg als ein ‚Sympathisierender‘“, schreibt Lion Feuchtwanger im Vorwort von „Moskau 1937“. „Ein Schriftsteller aber, wenn er etwas Großes gesehen, darf sich nicht davor drücken, Zeugnis abzulegen, auch wenn dieses Große nicht populär ist und seine Worte vielen nicht angenehm klingen. Ich lege also Zeugnis ab.“

 

In der bürgerlichen Kritik wird „Moskau 1937“ als Ausrutscher Feuchtwangers, als schwerer Irrtum und als „Nicht-Literatur“ eingeordnet. Für uns in der MLPD, die wir die unauslöschlichen Erfolge des sozialistischen Aufbaus verteidigen und die Fehler aufarbeiten, um nachhaltig aus ihnen zu lernen, ist "Moskau 1937" ein wichtiges Dokument.