Bergbau

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100 Ärzte gegen die Zechenflutung - Widerstand wächst

Die Ruhrkohle AG hat vor wenigen Wochen begonnen die Zeche Auguste Victoria in Marl zu fluten. Im Saarland musste aufgrund von Protesten eine bereits begonnene Flutung der Zechen wieder eingestellt werden, berichten Aktivisten gegenüber "Rote Fahne News":

Von ba
100 Ärzte gegen die Zechenflutung - Widerstand wächst
Breiter Protest auf der Bergarbeiterdemo am 15. Juni in Bottrop (rf-foto)

1,6 Millionen Tonnen Giftmüll wurden in den 1990er Jahren in den Zechen eingelagert, über 10.000 Tonnen des Ultragiftes PCB versickerten ebenfalls unter Tage. Jetzt wird das alles langsam durch absichtlich ansteigendes Grubenwasser geflutet. Zwei Jahre lang haben kämpferische Proteste die Zechenflutung verhindert. Dabei machen alle mit, die eine Rechnung mit der RAG offen haben: Bergleute und ihre Familien, Kinder, Rentnerinnen und Rentner, Waldschützerinnen und Waldschützer und besorgte Anwohner. Die MLPD ist seit jeher als eine treibende Kraft dabei. Jetzt erweitert und vertieft sich der Protest gegen die Zechenflutung.

Über 100 Ärzte fordern „Zechenflutung stoppen - Giftmüll entsorgen“

Über 100 Ärzte haben unterdessen einen Aufruf „Zechenflutung stoppen - Giftmüll entsorgen“ unterschrieben. Darin heißt es: „Mit der Flutung der Zechen kommt Grubenwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit in Kontakt mit dem Grundwasser, das abgepumpte Grubenwasser landet in Flüssen und Meeren und steigert dort die bereits erkennbaren Störungen ganzer Öko-Systeme. Wir sehen auch größte Gefahr für das Grund- und Trinkwasser ganzer Regionen und warnen vor einer drohenden schleichenden Wasservergiftung mit erheblicher Gesundheitsgefahr für Millionen Menschen. Schadstoffe wie Schwermetalle, PCB und Benzol wirken über Jahre und Jahrzehnte mit den möglichen Folgen von Krebs, Leukämie, Immunkrankheiten, Nervenkrankheiten und Schädigungen des Erbguts. Schon jetzt wird Grubenwasser mit nachweislichem Gehalt an PCB und Schwermetallen ungefiltert und damit fahrlässig in öffentliche Gewässer eingeleitet.“

Größte Gefahr für das Grund- und Trinkwasser ganzer Regionen

Aufruf der Ärzte

Die „Marler Bürgerversammlung gegen Verfüllung und Flutung der Zeche Auguste Victoria“ hat Klage gegen die RAG erhoben. Jürgen Pfeiffer aus Marl, Chemiker und Wasserfachmann, dazu gegenüber der Roten Fahne 13/19: „Die RAG soll verurteilt werden, alle Maßnahmen zu unterlassen, die dazu führen, dass PCB oder andere untertägig befindliche Giftstoffe in den Trinkwasserkreislauf gelangen. Das Landgericht Bochum hat bereits eine Beweiserhebung dazu angeordnet und ein Gutachten in Auftrag gegeben. Damit hat es uns ernsthafte Erfolgsaussichten bescheinigt. Entscheidend ist aber der gemeinsame Widerstand. Vor allem die Jugendlichen, aber auch die Menschen allgemein müssen über die großen Gefahren aufgeklärt werden ... Wir haben schon unheimlich viel auf die Beine gestellt. Zwei Jahre lang haben kämpferische Proteste die Zechenflutung verhindert. Dabei machen alle mit, die eine Rechnung mit der RAG offen haben: Bergleute und ihre Familien, Kinder und Rentner, Waldschützer und Anwohner einer Halde, wo die RAG Sondermüll deponieren will. Wir haben das Thema in die Zeitung, teilweise auch ins Fernsehen gebracht ..."

Zechenflutung im Saarland derzeit gestoppt

In einer zweiten, noch nicht beantragten Stufe will die RAG die Gruben im Saarland volllaufen lassen und das Grubenwasser bei 190 Meter über Null in die Saar leiten. Nach Angaben der RAG und des Bergamtes ist ein Gebiet von 360 Quadratkilometern mit 30 Gemeinden betroffen. Gegen die aktuellen Teilflutungspläne der RAG mit Phase 1 hat sich eine breite Ablehnungsfront entwickelt - von Kirchen, der CDU bis zur Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF und der MLPD. Es gab 6882 Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern sowie 128 kritische Stellungnahmen von Verbänden, Behörden, Kommunen und Landkreisen. Derzeit laufen die Pumpen wieder, ist die Flutung vorerst gestoppt.

 

Die Behauptung, das im Grubenwasser befindliche Gift könne wegen der undurchlässigen Gesteinsschichten nicht mit dem Trinkwasser in Berührung kommen, ist falsch. Durch Tagesbrüche und stärkere Erdbeben, bekommen die Gesteinsschichten Risse. Es entstehen Verbindungen durch die das vergiftete Grubenwasser durch die Kapilarwirkung nach oben zum Trinkwasser steigen kann. Das Fluten der Zechen an Saar und Ruhr verbaut nicht nur den Zugang zu einem wertvollen Rohstoff für künftige Generationen, es vernichtet auch Arbeitsplätze und birgt die große Gefahr regionaler Umwelt- und Trinkwasserkatastrophen. Gleichzeitig wurden im Ruhrgebiet rund 200 Bergleute gekündigt - die sehr gut in der Instandhaltung eingesetzt werden könnten.

Umweltminister wendete sich bereits 2015 gegen die Pläne der RAG

Während eines Besuchs beim saarländischen Umweltministerium im Juli 2015 wandte sich auch Reinhold Jost, Minister für Umwelt und Verbraucherschutz, eindeutig gegen die Pläne der RAG. Das geht aus einem Protokoll hervor, das vom Umweltministerium freigegeben wurde. Rote Fahne News erhielt es aus dem Kreis der Ärzte. Aus diesem Protokoll wird deutlich, dass die RAG bereits damals plante, die Bergwerke bis zum Jahre 2035 so weit zu fluten, dass das Wasser durch einen Vorfluter bei Ensdorf in die Saar fließen kann.

 

Betroffen davon wären bis zum Ende der Aktion, die eine neue Stufe in den Flutungsplänen der RAG darstellt,  etwa 650.000 Personen im Saarland, also rund 65 Prozent der Einwohner des Landes. Zu dieser Gefährdung, die auch Nordrhein-Westfalen betrifft, erklärt Jürgen Pfeiffer aus Marl weiter: „Die Flutung der Zechen muss unbedingt gestoppt werden. Auf Kosten der RAG müssen Giftstoffe fachgerecht entsorgt werden. Die Wasserhaltung muss bis auf 1200 Meter Tiefe bleiben. Das schafft und erhält Arbeitsplätze. Wir brauchen auch in Zukunft junge und erfahrene Bergleute, um die Schachtanlagen in Ordnung zu halten. Umweltschutz und Arbeitsplätze gehören fest zusammen.“

 

Die 100 Ärzte schreiben in ihrem Aufruf : „Deswegen muss ... das abgepumpte Grubenwasser gereinigt und entgiftet werden. Mit diesen und weiteren Umweltschutzmaßnahmen könnten auch die 200 Bergleute weiter beschäftigt werden, die von der RAG gekündigt werden.“

 

In der Bottropper Erklärung, die die Demonstration von Kumpel für AUF gegen die RAG-Politik am 15. Juni einstimmig beschlossen hat, heißt es: „Obwohl sich unter Tage tonnenweise Giftmüll und PCB befindet, hat die RAG begonnen, die Wasserhaltung unter Auguste Viktoria und bei Haniel West zurückzufahren. Das erfüllt uns mit Sorge - denn Wasser ist Leben. Eine regionale Umwelt- und Trinkwasserkatastrophe droht ... Es braucht aktiven Widerstand" Ihre Stärke besteht darin, die Interessen aller betroffenen zusammenzubringen, der Bergbaurentner, der gekündigten Bergleute der Mieter der ehemaligen Zechenwohnungen und der Umweltbewegung.

Der Weg des Kampfes ist der einzig richtige

Der Weg des Kampfes ist der einzig richtige und dazu muss vor allem die Organisiertheit der kämpferischen Bergarbeiter-, der Jugend-, der Umwelt-, der Frauenbewegung gestärkt werden. Die MLPD steht ohne wenn und aber hinter diesem zukunftsweisenden Weg.

 

Hie kann der Ärzteaufruf "Zechenflutung stoppen - Giftmüll entsorgen" als pdf-Datei heruntergeladen werden!