Sindelfingen

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Daimler-Beschäftigte wollen und werden Ernst Thälmanns und aller Antifaschisten gedenken!

Der "Verein Freunde der Internationalen Automobilkoordination Sindelfingen e.V." verlangt in einem Offenen Brief an die Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, dass das angedrohte Verbot der Gedenkveranstaltung des Internationalistischen Bündnisses am 17. August in Buchenwald umgehend zurückgenommen wird. > >

Offener Brief an die Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Lüttgenau,

 

durch Printmedien und Internet erfuhren wir, dass die Gedenkveranstaltung zum 75.Todestag Ernst Thälmanns am 17. August 2019 durch Sie verboten wurde. Wir sind entsetzt und sprachlos, im Moment.

 

Wer sind wir und warum schreiben wir Ihnen? Der "Verein Freunde der Internationalen Automobilkoordination Sindelfingen e.V.", Tobias Knapp, Beschäftiger bei Daimler Sindelfingen und IG-Metall Vertrauensmann und Vorsitzender des Vereins. Klaus-Jürgen Hampejs, 67 Jahre alt, 1972 - 2016 Daimler-Beschäftigter, IG-Metall Vertrauensmann und Betriebsrat, Pressesprecher des Vereins Freunde der IAC Sindelfingen.

 

Wir sind Gewerkschafter und Antifaschistischen, in der IG Metall organisiert und darüber hinaus in der Internationalen Automobilarbeiterkoordination zusammengeschlossen. Mit Kolleginnen und Kollegen aller Automobilhersteller in Deutschland und in vielen Ländern auf dem Globus.

 

Wir stehen in der Verantwortung für den konsequenten Kampf gegen faschistische Umtriebe, Rassismus, antigewerkschaftliche und arbeiterfeindliche Aktivitäten, Umtriebe. Wir lehnen aber auch jede Hetze und Verunglimpfung von Kommunisten und Marxisten-Leninisten ab.

 

Die Internationale Automobilarbeiterkoordination ist eine Trägerin des Internationalistischen Bündnisses. Wir unterstützen die geplante Gedenkveranstaltung. Wir sind kein Wahlverein und keine Partei.

 

Wir Daimler-Beschäftigte sind Teil einer Belegschaft aus über 150 Ländern. Wir haben Verantwortung für heute und für die Jugend.

 

Persönlich habe ich, Klaus-Jürgen Hampejs, als Lehrling zwei KZ-Inhaftierte kennengelernt, die meine Grundhaltung bis heute prägten. Der IG-Metall-Bezirksleiter Willi Bleicher, am 3. Januar 1936 auf dem Daimler-Gelände verhaftet, kam am 3. Januar 1938 nach Buchenwald. Auch weitere Kollegen!

 

Willi Dickhut aus Solingen, Arbeiterführer, KPD-Funktionär, Mitbegründer der MLPD, war im KZ Börgermoor und in Esterwegen.

 

Ernst Thälmann, KPD-Vorsitzender, ermordet durch die Nazis - seiner wollen wir gedenken.

 

Die KPD hatte die richtige Wahlkampf-Losung: Wer Hitler wählt, wählt den Krieg. In dieser historischen Verantwortung arbeiten und wirken wir heute. Damals war die Arbeiter- und die Gewerkschaftsbewegung gespalten. Das darf sich niemals wiederholen. Antifaschistischen, Christen, Gewerkschafter, Kommunisten und viele andere wurden ermordet.

 

Herr Lüttgenau, meine Damen und Herren, Sie wissen das alles. Wollen Sie verantworten, dass wir keine Gedenkveranstaltung durchführen?

 

2012 haben wir, die Internationale Automobilarbeiterkonferenz in München unseren Kongress durchgeführt. Wir waren mit Automobilern aus aller Welt im KZ Dachau zum Gedenken und als Mahnung und Schulung, besonders auch für die Jugend.

 

Wollen Sie es wirklich verantworten? Wir hoffen nicht, dass wir Automobiler daran gehindert werden, auf dem Gelände des KZ Buchenwald zu gedenken. Wir, die IAC Sindelfingen, wollen das nicht unseren Kolleginnen und Kollegen berichten, unseren Azubis!

 

Zum Schluss über die Tragweite in den Daimler-Werken in Süddeutschland. Wir haben es mit Faschisten und faschistoiden Kräften zu tun, auch bei Daimler:

  • MdB ist Markus Frohnmaier, AfD, bekannt durch die Aussage über Flüchtlinge als "Messermigranten". Er agiert bei uns offen mit der Aussage: Diese IG Metall hat keine Existenzberechtigung. Er ist Höcke-Vertrauter und er ist aus einem Wahlkreis unserer Region.
  • Oliver Hilburger, Zentrum-Automobil-Betriebsrat, Daimler-Werk Untertürkheim; PEGIDA-Redner und ehemaliges Mitglied einer Nazi-Musikgruppe, deren Musik auf dem NSU-Mordvideo zu hören ist (Dokumentiert vom NSU-Ausschuss des Landtags Baden-Württemberg).

 

Diese Täter haben ein Ziel: Die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zu zerschlagen. In der Verantwortung für die ermordeten Kämpfer und für die Zukunft unserer Jugend wollen wir gedenken. Werden Sie bitte nicht zu indirekten Helfern der Faschisten von heute. Wir unterstellen Ihnen das ausdrücklich nicht. Wir und Sie haben die Verantwortung, dass sich das Geschehene niemals wiederholt.

 

Deswegen appellieren wir an Sie, sehr geehrte Damen und Herren:  Gedenkveranstaltung am 17.August 2019 im KZ Buchenwald!

 

Mit kollegialen Grüßen

 

Klaus-Jürgen Hampejs, Pressesprecher IAC Sindelfingen

Tobias Knapp, Daimler Sindelfingen, IG-Metall-Vertrauensmann und Vereinsvorsitzender

 

Wir stellen Ihnen auf verlangen alle Dokumente zur Verfügung, die unsere Aussagen belegen.