Ernst-Thälmann-Gedenken

Ernst-Thälmann-Gedenken

Eindrückliche, parteiübergreifende Proteste gegen Verbotsdrohung

Am 15. Juli erreichte Tassilo Timm, Sprecher des Internationalistischen Bündnisses Thüringen und Landesvorsitzender der MLPD ein empörendes Schreiben. Absender war Rikola-Gunnar Lüttgenau von der Stiftung „Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora“. Er will die Thälmann-Gedenkfeier des Internationalistischen Bündnisses untersagen. Seitdem hagelt es Protest.

Von ffz
Eindrückliche, parteiübergreifende Proteste gegen Verbotsdrohung
Die Häftlinge von Buchenwald und ihr Schwur mahnen die Einheit der Antifaschistinnen und Antifaschisten an - gegen jede Spaltung (foto: gemeinfrei)

Mit seinem Schreiben will Rikola-Gunnar Lüttgenau dem Internationalistischen Bündnis, in dem auch die MLPD mitarbeitet, eine Gedenkfeier für den 1944 im KZ Buchenwald ermordeten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Ernst Thälmann, untersagen (siehe Rote Fahne News!).

 

Als Begründungen wurden antikommunistische Behauptungen und in jeder Hinsicht haltlose „Antisemitismus“-Vorwürfe genannt. "Ein Exzess des modernen Antikommunismus" titelte Rote Fahne News.  In den letzten Tage ist die Empörung bundesweit gewachsen, wie die Protestschreiben an die Stiftung „Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora“ zeigen. Rote Fahne News dokumentiert Auszüge:

„Mein Großvater war Kommunist und Bergmann“

Wolfgang Esser schrieb: Sehr geehrte Damen und Herren, mit großer Empörung habe ich Kenntnis davon bekommen, dass sie eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Ermordung von Ernst Thälmann auf dem Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald verbieten wollen.

 

Mein Großvater war Johann Esser, der Verfasser des Textes des weltbekannten „Moorsoldatenliedes“. Mein Großvater war Insasse des KZ Börgermoor im Emsland und Mitglied der KPD. Die Moorsoldaten und ihr Lied sind nach Ende der faschistischen Hitler-Diktatur zum weltweiten Symbol des Kampfes gegen den Faschismus geworden. Ich bin sehr stolz darauf, einen solchen Großvater gehabt zu haben und halte große Stücke auf das Gedenken an seinen selbstlosen Kampf gegen Faschismus und Krieg, für eine sozialistische Zukunft.

 

Mein Großvater war Kommunist und Bergmann. Er hat das KZ Börgermoor überlebt und hat danach in keiner Zeche am Niederrhein mehr Arbeit bekommen, stand überall auf schwarzen Listen.

 

Nun wollen Sie ausgerechnet den Kommunisten von der MLPD und ihren Bündnispartnern im Internationalistischen Bündnis das Gedenken an den KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann verbieten? Von welchen Motiven sind Sie getrieben? Sind es neben den Zigtausenden Menschen jüdischen Glaubens nicht gerade die Kommunisten gewesen, die die größte Last des Faschismus getragen haben und die die meisten Opfer zu beklagen hatten? Wollen Sie diese historische Tatsache vertuschen?

 

... Neue faschistische Banden machen sich überall breit, gefördert von der AfD, die ihre rassistische Hetze ungehindert in allen Medien verbreiten kann. In solchen Zeiten ist es die Pflicht jedes ehrlichen Antifaschisten, sich mit allen Antifaschisten gleich welcher Richtung zusammenzuschließen und den Anfängen zu wehren.

 

Ihr Verbot dagegen zielt auf die Spaltung der Einheit aller Antifaschisten und kann nur antikommunistische Motive haben. Denken Sie einmal darüber nach! Ich fordere Sie auf: Nehmen sie das Verbot der Gedenkveranstaltung des internationalistischen Bündnisses am 17. August 2019 sofort zurück!"

 

Geschichtswerkstatt Hamburg: „Wir sind fassungslos“

Die 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der antifaschistischen Gedenkkundgebung anlässlich des Altonaer Blutsonntags und der Hinrichtung der vier jungen Kommunisten Karl Wolff, August Lütgens, Walter Möller und Bruno Tesch im Hof des Altonaer Gerichtsgefängnisses durch die Hitler-Faschisten haben den folgenden Protestbrief geschrieben: „Wir haben erfahren, dass Sie, Herr Rikola-Gunnar Lüttgenau sowie ein Stiftungsrat eine antifaschistische Gedenkkundgebung auf dem Gelände der Gedenkstätte KZ Buchenwald anlässlich des 75. Todestages von Ernst Thälmann am 17. August 2019 verboten haben. Wir sind fassungslos!

 

Ernst Thälmann war Hamburger Kommunist, Antifaschist, Arbeiter, Kämpfer, Familienvater, eng mit den Massen verbunden und bis zu seiner Ermordung standhaft für die Sache der Arbeiterbewegung.

 

Auch wir sind Hamburgerinnen und Hamburger, wir sind Antifaschisten, Gewerkschafter, Demokraten, Christen, Marxisten-Leninisten und Internationalisten. Wir stehen heute ebenfalls hier an einem Mahnmal von vier jungen ermordeten Kommunisten, um ihrer zu gedenken und für heute zu mahnen! Keine Macht der Welt kann uns dieses verbieten!

 

Teddy, wie Ernst Thälmann liebevoll genannt wurde, ist für uns ein Vorbild im Kampf gegen Faschismus und Krieg. Er war ein glühender Verfechter einer breiten antifaschistischen Einheitsfront und für den Aufbau des Sozialismus. Dafür wurde er von den Hitler-Faschisten elf Jahre lang eingesperrt, gefoltert und am 18. August 1944 auf Befehl von Hitler ermordet. Seine Frau und Tochter kamen ins KZ Ravensbrück – Rückkehr unerwünscht.

 

Wie kommen Sie dazu, ein solches ehrenvolles Gedenken zu verbieten?! Weil auch Kommunisten dabei sind? Weil sie gegen die MLPD sind? Wo bleibt Ihre antifaschistische Ehre? Wo bleibt Ihre Geschichtskenntnis? Gerade die Kommunisten haben im Widerstand gegen den Hitler-Faschismus den größten Blutzoll bezahlt.

 

Mit ihrem ungeheuerlichen Verbot treten sie nicht nur das Gedenken an Teddy sondern das Gedenken aller im Hitler-Faschismus gefolterten und geschundenen Kämpferinnen und Kämpfer, Demokraten, Christen, Antifaschisten, Kommunisten und Menschen jüdischen Glaubens mit Füßen ...

 

Aus dem Schwur von Buchenwald vom 19. April 1945: 'Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: 'Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.

Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig…..'

 

Herr Rikola-Gunnar Lüttgenau, Stiftungsratsmitglieder, wird fordern sie auf, das Verbot sofort zurückzunehmen und sich bei Herrn Dimler, Herrn Timm, der MLPD und dem Internationalistischen Bündnis in aller Form zu entschuldigen. Das bedeutet der Schwur von Buchenwald heute!"

„Ich werde auch im Angedenken an meinen eigenen Vater teilnehmen“

Eine Kollegin schreibt: „Sehr geehrter Herr Knigge, sehr geehrter Herr Lüttgenau, mit Empörung habe ich die Berichterstattung im Internet über Ihr Verbot der Gedenkveranstaltung am 17. August zum 75. Todestag von Ernst Thälmann auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald gelesen und Ihre Drohung, jedem, der Ihrer Meinung nach Mitglied oder Anhänger der MLPD ist – also vermutlich jedem, der an dieser Gedenkveranstaltung teilnehmen will – den Zutritt zu der Gedenkstätte zu verweigern.

 

Mein eigener Vater, Franz Germann, war vom 19. Juli 1938 bis zum 8. August 1939 in Buchenwald inhaftiert, im Anschluss an eine Zuchthausstrafe wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Am 31. Januar 1942 wurde er erneut durch die Gestapo nach Buchenwald verbracht und von dort aus dann am 4. Mai 1942 nach Sachsenhausen, wo er bis zum Kriegsende überlebte.

 

Ihr "Verbot" des Gedenkens an Ernst Thälmann, an den kommunistischen Widerstand gegen den Faschismus und an die Zehntausenden Ermordeten in Buchenwald richtet sich direkt gegen das Vermächtnis der Buchenwald-Häftlinge: 'Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.'

 

Mein Vater war Antifaschist, ohne Kommunist zu sein. Aber es ist für mich auch sein Vermächtnis, dass im Kampf gegen den Faschismus der Antikommunismus keinen Platz haben darf.

 

Ich habe mir schon länger vorgenommen, am 17. August nach Buchenwald zu fahren und auch im Andenken an meinen Vater an dem geplanten Gedenken zum Todestag von Ernst Thälmann teilzunehmen. Davon werde ich mich auch durch Ihr 'Verbot' nicht abhalten lassen ...  In der Erwartung, dass Sie es auf diesen Eklat nicht ankommen lassen und Ihr undemokratisches 'Verbot' zurücknehmen, ..."

Was ist daran falsch?

Der fortschrittliche jüdische Schriftsteller, Abraham  Melzer, fragte bereits vor einigen Tagen nach: "Zum 75. Jahrestag der Ermordung von Ernst Thälmann plant das Internationalistische Bündnis eine Gedenkfeier in Buchenwald. Nun hat die Leitung der Gedenkstätte ihre Genehmigung zurückgezogen, unter anderem mit der Begründung des Antisemitismus, und weil man sich nicht von BDS distanziere.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, stimmt das? Als Jude und Opfer des Faschismus kann ich mir das gar nicht vorstellen. Haben Sie Beweise dafür, dass das Internationalistische Bündnis antisemitisch sei? Und wie kann man sich von etwas distanzieren, was man nicht ist? Hunderttausende von Israelis und Juden sympathisieren mit der BDS-Bewegung. ...

 

Ich bin Israeli, Jude und Deutscher. Ich stimme nicht mit allem, was BDS fordert überein, aber ich weiß, dass BDS nicht antisemitisch ist und auch nicht die Vernichtung Israels fordert, sondern einzig und allein Rechte und Freiheit für das palästinensische Volk. Was ist denn daran antisemitisch und was ist denn daran falsch?" (den ganzen Brief lesen)

 

Der Charakter des illegalen Lagerkomitees hat weltweiten Vorbildcharakter

Bereits vor einigen Tage veröffentlichte Rote Fahne News einen Brief der Stadtverordneten des Kommunalwahlbündnisses AUF Gelsenkirchen, Monika Gärtner-Engel, in dem sie unter anderem schreibt: „...Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass eine der berühmtesten und eindrucksvollsten antifaschistischen Gedenkstätten einen Paradigmenwechsel vornimmt, und repressiv gegen Linke und Marxisten-Leninisten sowie Internationalisten vorgeht. In Buchenwald ist gerade der internationale Charakter des illegalen Lagerkomitees weltweit bekannt geworden, berührt bis heute und hat einen weltweiten Vorbildcharakter.

 

Ich möchte Sie eindringlich bitten, Ihre unfassbare Entscheidung schnell zurückzunehmen - nicht zuletzt, um das Ansehen der Gedenkstätte und des Stiftungsrats keinen Schaden nehmen zu lassen." (den ganzen Brief lesen)

„Die Granatsplitternarben meines Vaters ließen mich zum Antifaschisten werden“

Ein Kollege aus Stuttgart schreibt: „Ich bin erschüttert und zutiefst empört. Mein Vater hat den II. Weltkrieg 30 Kilometer vor Stalingrad knapp überlebt. Seine Granatsplitternarben haben mich gelehrt Antifaschist zu werden. Und jetzt ein Verbot der Gedenkveranstaltung für Ernst Thälmann. Hier werden die Geschichte und die Millionen Opfer mit Füßen getreten.“

 Rote Fahne News wird weitere Protestschreiben veröffentlichen.