Wirtschaft

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Gesamtmetall stellt Tarifauseinandersetzungen grundsätzlich in Frage

Rainer Dulger, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, droht offen in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" vom 23. Juli: „...wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt.“

Korrespondenz aus Duisburg
Gesamtmetall stellt Tarifauseinandersetzungen grundsätzlich in Frage
Streikende IG-Metall-Mitglieder 2018 in Sindelfingen (rf-foto)

Neben der offenen Kampfansage an die IG Metall, den Flächentarif infrage zu stellen, versteckt er sich mit sorgenvollen Worten hinter den kleinen und mittleren Unternehmen, die von den Tarifergebnissen überfordert wären. Damit verschleiert er, dass er im Namen der führenden, in Deutschland ansässigen, internationalen Monopole der Metall- und Elektroindustrie spricht.

 

Es ist unglaubwürdig, dass diese alleinherrschenden Monopole jetzt ihr Herz für den Mittelstand gewonnen haben, da sie diesem sonst gnadenlos selbst ohne Rücksicht ihre Preis- und Qualitätspolitik diktieren. In der Metall- und Elektroindustrie sind 3400 Unternehmen mit 1,9 Millionen Beschäftigten Mitglied im Tarifverband. Damit gehört sie zur bedeutendsten Industriebasis Deutschlands. Zur Begründung seines Wehklagens jammert Dulger, dass der Abschluss 2018 „einfach zu viel für uns“ wäre. Ein schlechter Witz - konkret und noch mehr grundsätzlich.

 

Zum einen ist von 1991 bis 2016 der Anteil der Löhne und Gehälter am Industrieumsatz gesunken - von 21,4 Prozent auf 16,2 Prozent. Zugleich ist der Umsatz pro Beschäftigten in der gesamten Industrie (Bergbau und verarbeitendes Gewerbe) im gleichen Zeitraum von 113.133 Euro auf 311.032 im Jahre 2016 um fast das dreifache gestiegen.

 

Angesichts zunehmender Pläne zur Arbeitsplatzvernichtung und gleichzeitig wachsender Arbeitsproduktivität muss die Frage ganz anders aufgeworfen werden: Im Kampf um jeden Arbeitsplatz gehört die Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche von Montag bis Freitag bei vollem Lohnausgleich auf die Tagesordnung. Die Kosten dafür sind längst erarbeitet. Soweit die konkrete Seite.

 

Grundsätzlich ist zudem die Frage aufzuwerfen, warum die Arbeiterklasse sich überhaupt von den Profitinteressen der Kapitalisten abhängig machen sollte. Sie muss ihre eigene Rechnung aufmachen, und ihre Lebensinteressen ins Zentrum rücken. Die hören bei höheren Löhnen und kürzerer Arbeitszeit längst nicht auf. Die Ausbeutung der Arbeiterklasse, die ihre Arbeitskraft als Ware an die Kapitalisten verkaufen muss, muss revolutionär überwunden werden. Das sind die wahren Alpträume von Dulger und Co.